Simon Rattle dirigiert Mahlers »Symphonie der Tausend«

So, 18. September 2011

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

Rundfunkchor Berlin, MDR Rundfunkchor Leipzig, Knaben des Staats- und Domchors Berlin

  • Antonio Lotti
    Crucifixus c-Moll für achtstimmigen Chor a cappella (00:05:06)

    Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • Thomas Tallis
    Spem in alium für acht fünfstimmige Chöre a capella (00:09:09)

    Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 8 »Symphonie der Tausend« (01:28:56)

    Susan Bullock Sopran, Erika Sunnegårdh Sopran, Anna Prohaska Sopran, Lilli Paasikivi Mezzosopran, Nathalie Stutzmann Alt, Johan Botha Tenor, David Wilson-Johnson Bariton, John Relyea Bass, MDR Rundfunkchor Leipzig, Howard Arman Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • kostenlos

    Sir Simon Rattle über Mahlers Symphonie Nr. 8 (07:08)

Schon zu Zeiten Gustav Mahlers erhielt seine Achte Symphonie den Beinamen »Symphonie der Tausend«. Der Titel mag reißerisch wirken - unzutreffend ist er nicht. Denn nicht weniger als acht Gesangssolisten, zwei große gemischte Chöre, ein Knabenchor, ein groß besetztes Symphonieorchester, ein separater Bläserchor sowie eine Orgel sind zur Aufführung erforderlich.

Aber nicht nur durch seine Besetzung erhält das Werk seine monumentale Größe, sondern ebenso durch seine weltumspannende Textgrundlage. Beginnend mit einem mittelalterlichen Pfingsthymnus und kulminierend im Schluss von Goethes Faust, verklammert die Symphonie fundamentale Gedankenwelten der westlichen Geistesgeschichte. Die Premiere im Jahr 1910 vor der kulturellen Elite der Zeit - unter anderem mit Siegfried Wagner, Richard Strauss, Arnold Schönberg, Bruno Walter, Stefan Zweig und Thomas Mann im Publikum - war der triumphalste Erfolg im Leben Gustav Mahlers. Und auch der Komponist selbst empfand die Symphonie »als das Größte, was ich bis jetzt gemacht«, wie er dem Dirigenten Willem Mengelberg schrieb.

Mengelberg war es auch, der im Mai 1912 die erste Aufführung mit den Berliner Philharmonikern dirigierte. Ab dem Jahr 1928 dauerte es dann fast ein halbes Jahrhundert, ehe sich das Orchester 1975 unter Leitung von Seiji Ozawa wieder dem Werk zuwandte. Nach drei weiteren Aufführungen ist diese somit erst die fünfte mit den Berliner Philharmonikern seit dem Zweiten Weltkrieg - und die erste mit Sir Simon Rattle als Dirigent.

Zur Einstimmung auf die Symphonie singt der Rundfunkchor Berlin zwei originale lateinische Gesänge, darunter das legendäre, 40-stimmige Spem in alium von Thomas Tallis.

Tönendes Universum

Gustav Mahlers »Symphonie der Tausend«

Vorgesänge zur Achten

Als Simon Rattle seiner Interpretation der Fünften Symphonie von Gustav Mahler die Funeral Music von Henry Purcell vorausschickte, spielte er auf den Topos des Kondukts, des Trauerzuges an. Als Einleitung zur Achten Symphonie drängen sich vielstimmige liturgische Gesänge aus Renaissance und Barock auf, denn die Vorstellung eines »tönenden Universums«, die Mahler beim Komponieren der Achten beseelte, ist in den polychoralen Chorwerken der Alten Meister vorweggenommen. Als Nonplusultra dieses Stils gilt die Motette Spem in alium zu 40 Stimmen von Thomas Tallis, dem Hoforganisten der Tudors. Wesentlich für den Aufbau der Komposition ist der Wechsel zwischen »geringstimmigen« durchimitierten Passagen und großen Tutti-Einsätzen in machtvollen Akkorden.

Die Idee einer vielstimmigen Überlagerung von Gesangslinien hat 150 Jahre später auch Antonio Lotti inspiriert, der zwar in Hannover geboren wurde, aber fast sein ganzes Leben in Venedig verbrachte. Als Organist und später Kapellmeister an der Markuskirche komponierte er etliche besonders ausdrucksstarke Vertonungen des Crucifixus für fünf bis zehn Stimmen, die noch heute über eine Vielzahl von Bibliotheken verstreut sind. Sein achtstimmiges Crucifixus setzt an die Stelle des gleichsam kosmischen Kreisens von Konsonanzen bei Tallis die ausdrucksvollen Dissonanzen des italienischen Barock, die »durezze«.

»Mein wichtigstes Werk« – Gustav Mahlers Achte Symphonie

»Es wäre sonderbar, wenn gerade mein wichtigstes Werk am leichtesten verständlich wäre.« So schrieb Gustav Mahler im September 1909 an seine Frau Alma, nachdem er seinen holländischen Freunden Willem Mengelberg und Alphons Diepenbrock Teile aus seiner Achten Symphonie vorgespielt hatte. »Es ist komisch, dieses Werk macht immer den typischen starken Eindruck.« Es waren Vorboten der überwältigenden Wirkung, die von der Achten bei der Uraufführung am 12. September 1910 in der Neuen Musikfesthalle zu München ausging. Umso schneller bröckelte ihr Nimbus dann in späteren Jahrzehnten. Theodor W. Adornos polemisches Wort von der »symbolischen Riesenschwarte« machte die Runde. Es war nicht der einzige Einwand gegen dieses sonderbare Werk. In seinem affirmativen Ton sah man einen Rückschritt gegenüber dem Skeptizismus der drei großen Instrumentalsymphonien V bis VII. Der Mahler-Biograf Jens Malte Fischer konstatiert: »Der Achten wurde [...] vorgeworfen, dass sie sich allzu sehr dem gründerzeitlichen Drang zum werteschaffenden und wertefeiernden Gesamtkunstwerk in einer Zeit des Wertevakuums anheimgebe.«

Der Komponist hätte derlei Einwänden verständnislos gegenübergestanden, war er doch davon überzeugt, dass ihm gerade die Achte von oben eingegeben wurde. An den Beginn der Arbeit im Juni 1906 erinnerte er sich in einem Brief an Alma: »Vor 4 Jahren ging ich am ersten Ferialmorgen in mein Häuschen in Maiernigg hinauf mit dem festen Vorsatz, mich […] recht auszufaulenzen und Kräfte zu sammeln! – Beim Eintritt in das altgewohnte Arbeitszimmer packte mich der spiritus creator und schüttelte und peitschte mich 8 Wochen lang bis das Größte fertig war.«

An der Legende des euphorischen Sommers 1906 hat Mahler selbst mit gewoben. Angeblich fand er den Hymnus »Veni creator spiritus« des Mainzer Erzbischofs Hrabanus Maurus aus dem 9. Jahrhundert in einem alten »Kirchenschmöker«. Als der »Schöpfergeist« ihn »packte«, war kein Raum für textkritische Fragen. Erst später entdeckte er, dass in seiner Populärfassung zweieinhalb Strophen des Originals fehlten. Doch, o Wunder: Sie passten nahtlos in die Verlaufsskizze, die er ohne Kenntnis dieser zusätzlichen Strophen entworfen hatte. So fügte sich hier eins zum anderen, um ein großes, vollkommenes Kunstwerk entstehen zu lassen.

Veni creator spiritus

Den Pfingsthymnus hat Mahler als kraftvolle Symphoniekantate für Doppelchor und Orchester vertont, im hymnischen Es-Dur, getragen von einer kompakten Sonatenform, deren Themen in verwandelter Gestalt im zweiten Teil der Symphonie wiederkehren. So tritt mitten in der Durchführung des ersten Teils ein kraftvolles neues Thema auf, das den Text »Accende lumen sensibus« versinnbildlicht: »Entzünde den Sinnen das Licht«. Eben dieses Thema wird zu Beginn des zweiten Teils nach es-Moll gewendet und in die Bässe gelegt, verwandelt ins dumpfe Pizzicato der Bergschlucht. Im Laufe des zweiten Teils gewinnt es wieder seine euphorische Kraft, Symbol des Schöpferischen schlechthin, das Mahler in dieser Symphonie mit dem Thema des Eros, der erlösenden Liebe, verband. »Das Ewig-Weibliche, das uns hinanzieht, und der herabkommende Schöpfer Geist berühren sich hier in einer Unio Mystica, die sie bis zur Identität einander angleicht«, heißt es im Vorwort zur Philharmonia-Taschenpartitur.

Faustszene

»Wir erfahren die Wahrheit des Lebens und wissen nicht wie.« In dieses kurze bündige Wort fasste Goethe zusammen, was er mit dem Schluss des Faust II hatte sagen wollen. Von eben dieser Vorstellung war auch Mahler beseelt, als er Goethes Verse vertonte: Alles ist hier Offenbarung durch Töne, Zug in die Höhe, Aufschließen und Eröffnen letzter Wahrheiten vom Leben – als Antwort auf das vom Geist entzündete Schöpferische im ersten Teil. »Alle subjektive Tragik ist in der Achten aufgehoben«, ließ er Mengelberg wissen. »Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.«

Die Achte ist auch deshalb so monumental, weil Mahler jedes Klangelement – von den sechs Flöten bis hin zum vielfach geteilten Chor – benötigte, um Goethes Zug in die Höhe aufzufächern und am Ende im grandiosen Schluss wieder zusammenzuführen. Die Szene beginnt mit einem langen Orchestervorspiel, das in seinem suggestiven Klang die Bergschluchten andeutet, in denen die Anachoreten hausen, Einsiedler der frühen Kirche. Vom tiefen Pizzicato der Bässe im dunklen es-Moll wandert der Blick weit nach oben, wo eine klagende Sekund der Holzbläser in den Tremolowolken der Streicher schwebt. Es ist jenes Motiv im punktierten Rhythmus, dem alle Liebesthemen der großen Szene zugeordnet werden. So bereitet das Orchestervorspiel auch motivisch und in seinem strengen Kontrapunkt die »große Liturgie« vor, wie Albrecht Schöne die Schluss-Szene genannt hat.

Beim Einsatz der Anachoreten griff Mahler die Idee des Doppelchors aus dem ersten Teil wieder auf, hier geteilt in Tenöre und Bässe, die einander äußerst leise das »Waldung, sie schwankt heran« zusingen, in knappen, wie gehauchten Silben – eine visionär moderne Chortechnik. Die nächste Chorpartie führt uns in die »höhere Atmosphäre«. Es ist der Chor der Engel, »Faustens Unsterbliches tragend«. Ihren Vers »Gerettet ist das edle Glied der Geisterwelt vom Bösen« singen zunächst beide Frauenchöre zusammen. Darüber erhebt sich der »Chor seliger Knaben, um die höchsten Gipfel kreisend«. Später teilen sich die Frauenstimmen: Den Chor der jüngeren Engel bestimmte Mahler für »leichtere Stimmen« des ersten Chors, »die vollendeteren Engel« für den zweiten Frauenchor in getrennten Gruppen. In großem Zug geht es danach ins Solo des Doctor Marianus, das wiederum der Männerchor aufgreift. Die Knaben stimmen ihr »Er überwächst uns schon« an, immer ekstatischer und größer wird der Chorklang, bis er im »Jungfrau, Mutter, Königin, bleibe gnädig« gipfelt. Nach einem wie entrückten Zwischenspiel des Orchesters erreicht der fast einstündige Satz im Chorus mysticus seine finale Steigerung: »Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis«. Unwillkürlich erinnert der Es-Dur-Einsatz des Chors im dreifachen Piano an das »Auferstehen« aus der Zweiten Symphonie. In ähnlich breiter, zwingender Steigerung wie dort, getragen vom euphorischen »Blicket auf«, strebt die Musik dem Höhepunkt zu: »Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan«. In den Schluss des Orchesters tönt vielsagend das »Veni creator« hinein, die gesamte Symphonie zur Einheit verschmelzend.

Karl Böhmer

Johan Botha, in Südafrika geboren, studierte in Pretoria und debütierte 1989 am Staatstheater Roodeport als Max in Webers Freischütz. 1993 gelang ihm mit seinem Einstand als Pinkerton (Madama Butterfly) an der Pariser Opéra Bastille der internationale Durchbruch. Seither gastierte er u. a. den Staatsopern in Berlin, Dresden, Hamburg und München, am Gran Teatro del Liceu in Barcelona, am Londoner Royal Opera House Covent Garden, an der Mailänder Scala, am Théâtre du Châtelet in Paris, an der Los Angeles und San Francisco Opera und am Sydney Opera House sowie bei den Salzburger Festspielen. An der Wiener Staatsoper, der er seit 1996 eng verbunden ist, und an der Metropolitan Opera in New York tritt Johan Botha regelmäßig auf. Zu seinem Bühnenrepertoire zählen Rollen wie Florestan (Fidelio), Radamès (Aida), Cavaradossi (Tosca), Erik (Der fliegende Holländer), Lohengrin, Stolzing (Die Meistersinger von Nürnberg), Parsifal und die Partie des Kaisers (Die Frau ohne Schatten). 2010 gab der Tenor als Siegmund (Die Walküre) sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen. Auch als Solist führender Symphonieorchester in aller Welt arbeitet der 2003 zum »Österreichischen Kammersänger« ernannte Künstler mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Pierre Boulez, Semyon Bychkov und Antonio Pappano zusammen. In Konzerten der Berliner Philharmoniker gastierte Johan Botha erstmals 1994.

Susan Bullock begann ihre Karriere an der Opera North und an der English National Opera in London, wo sie sich ein breites Rollenspektrum vom lyrischen bis zum dramatischen Fach erarbeitete, vor allem aber als Isolde Furore machte. Inzwischen gilt sie als eine der weltweit führenden Wagner- und Strauss-Interpretinnen. So wurde die Sopranistin 2009 für ihre Gestaltung der Strauss’schen Salome am Londoner Royal Opera House Coventgarden mit dem Preis der Royal Philharmonic Society geehrt. Zu ihrem facettenreichen Opern- und Konzertrepertoire zählen überdies Partien in Werken von Tschaikowsky, Puccini, Janáček, Schönberg, Berg, Schreker, Bloch, Britten, Schostakowitsch, Messiaen, Tippett, Henze und Górecki. Susan Bullock gastiert in den Musikmetropolen Europas, Nord- und Südamerikas, Asiens sowie in bedeutenden Festivalorten wie Glyndebourne und Spoleto. Im deutschsprachigen Raum ist sie immer wieder an den großen Opernhäusern in Dresden, München, Frankfurt, Stuttgart und Wien zu erleben. Susan Bullock hat bisher u. a. mit den Dirigenten Semyon Bychkov, Daniel Harding, Zubin Mehta, Seiji Ozawa, Esa-Pekka Salonen und Edo de Waart zusammengearbeitet; der Pianist Malcolm Martineau begleitet sie häufig bei ihren Liederabenden. Als Gast der Berliner Philharmoniker gab sie ihr Debüt Ende November 2006 unter der Leitung von Mark Elder als Gertrud in konzertanten Aufführungen der Humperdinck-Oper Hänsel und Gretel.

Karen Cargill stammt aus Schottland und studierte in Glasgow, Toronto und London. 2002 gewann die Mezzosopranistin den Kathleen Ferrier Award. Schwerpunkte ihres Repertoires bilden Partien in Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Als Konzertsängerin gastiert Karen Cargill u. a. beim London Philharmonic, beim London Symphony Orchestra sowie regelmäßig beim BBC Symphony Orchestra. Mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra führte sie unter der Leitung von Oliver Knussen beim Aldeburgh Festival Wunderhorn-Lieder von Gustav Mahler auf. Im Bereich Oper war sie z. B. an der Scottish Opera als Rosina in Rossinis Barbiere di Siviglia, an der English National Opera als Suzuki in Puccinis Madama Butterfly und an der Metropolitan Opera als Waltraute in Wagners Götterdämmerung zu erleben. Zu den Dirigenten, mit denen Karen Cargill zusammenarbeitet, zählen Marc Albrecht, Sir Colin Davis, Bernard Haitink, Kurt Masur, James Levine, Donald Runnicles und Michael Tilson Thomas. Unter der Leitung von Sir Simon Rattle gab sie Ende Mai 2008 ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern als Waltraute in Auszügen der Wagner-Oper Götterdämmerung.

Der MDR Rundfunkchor ist der traditionsreichste und größte professionelle Konzertchor innerhalb der ARD; 1946 wurde er dem Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig angegliedert. Geprägt durch seinen ersten Chefdirigenten der Nachkriegszeit, Herbert Kegel, entwickelte das Ensemble eine Klangkultur, die es in die Reihe europäischer Spitzenchöre aufrücken ließ, wo es sich bis heute behauptet. Dazu trugen später auch die Chorleiter Dietrich Knothe, Horst Neumann, der Chordirektor Gert Frischmuth sowie die Chefdirigenten Wolf-Dieter Hauschild und Jörg-Peter Weigle bei. 1998 übernahm Howard Arman die Leitung des Chores, dessen Repertoire A-cappella-Literatur und vokalsymphonische Werke aus beinahe einem Jahrtausend Musikgeschichte umspannt. Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen weisen den Chor auch als Spezialensemble für die zeitgenössische Musik aus. Dirigenten wie Herbert von Karajan, Kurt Masur, Wolfgang Sawallisch, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Seiji Ozawa und Bernard Haitink haben mit dem Ensemble gearbeitet; nahezu 200 Produktionen auf Schallplatte und CD dokumentieren sein umfassendes Wirken. Gastspielreisen führten den MDR Rundfunkchor auf die Podien der Musikmetropolen und renommierten Festspielorte in ganz Europa sowie nach Israel und Japan. Er wirkt regelmäßig in den Konzerten des MDR Sinfonieorchesters und des Gewandhausorchesters Leipzig mit. Bereits Mitte September 1990 gastierte der MDR Rundfunkchor in zwei Konzerten der Berliner Philharmoniker; zuletzt wirkte er bei ihnen im April 2009 in drei Aufführungen von Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter mit (Dirigent: Peter Eötvös). Seit der Saison 2004/2005 lädt der MDR Rundfunkchor jährlich dreimal unter dem Motto Nachtgesang zu vokalen Entdeckungsreisen in die Leipziger Peterskirche ein.


Anna Prohaska wurde mit 14 Jahren Gesangsschülerin von Eberhard Kloke, später studierte sie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin bei Norma Sharp und Brenda Mitchell sowie in der Liedinterpretationsklasse von Wolfram Rieger. Außerdem nahm sie 2003 an der Académie Européenne de Musique in Aix-en-Provence und 2006 an der Internationalen Händel-Akademie in Karlsruhe teil. Zu Anna Prohaskas Bühnenrepertoire zählen Rollen in Werken von Händel, Gluck, Mozart, Verdi, Wagner, Debussy, Strauss und Britten: An der Komischen Oper Berlin war sie als Flora in The Turn of the Screw zu erleben sowie als Harry in Albert Herring. An der Staatsoper Unter den Linden, zu deren Ensemble sie seit der Spielzeit 2006/2007 gehört, interpretierte Anna Prohaska Partien wie Tebaldo (Don Carlo), Papagena (Die Zauberflöte), Barbarina (Le nozze di Figaro) und Mercédès (Carmen). Darüber hinaus trat die Sopranistin auch an den Theatern in Aachen und Paris sowie beim Lucerne Festival und bei den Salzburger Festspielen auf. Seit ihrem Debüt in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker Mitte Juni 2007 ist Anna Prohaska wiederholt als Solistin des Orchesters und mit philharmonischen Kammerensembles aufgetreten, zuletzt war sie hier Mitte Mai dieses Jahres in drei Konzerten unter der Leitung von Claudio Abbado als Solistin in Werken von Mozart und Berg zu hören.

John Relyea studierte Gesang u. a. bei seinem Vater, dem kanadischen Bass-Bariton Gary Relyea, und später bei Jerome Hines. 1996 debütierte er an der Oper in San Francisco als Colline in La Bohème. Daraufhin sang John Relyea beim Festival in Santa Fe und an der Metropolitan Opera in New York. 1999 gab er sein Europadebüt beim Edinburgh Festival in Brittens The Rape of Lucretia; es folgten Auftritte am Royal Opera House Covent Garden in London und an der Pariser Opéra. Seither war John Relyea auch an weiteren führenden Häusern wie den Staatsopern in München und Wien, dem Mariinskij-Theater St. Petersburg, der Seattle Opera und der San Francisco Opera zu sehen. Das Repertoire des Künstlers umfasst so unterschiedliche Rollen wie Figaro (Le nozze di Figaro), Escamillo (Carmen), König Marke (Tristan und Isolde), Nick Shadow (The Rake’s Progress) und die Titelpartie in Georges Enescus Oedipe. Im Konzertfach arbeitet John Relyea mit den internationalen Spitzenorchestern sowie den bedeutendsten Dirigenten zusammen; er ist – nicht zuletzt auch mit Liedprogrammen – bei Festivals wie denjenigen in Salzburg, Edinburgh, Luzern, Tanglewood und bei den BBC Proms zu erleben. Seit dem Eröffnungskonzert der Saison 2004/2005 gastierte er mehrfach auch bei den Berliner Philharmonikern, zuletzt an drei Abenden zum Jahresende 2005 mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart.


Der Rundfunkchor Berlin, 1925 gegründet, prägte unter Dirigenten wie George Szell, Hermann Scherchen, Otto Klemperer und Erich Kleiber musikalische Sternstunden der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er mit seinem Chefdirigenten Helmut Koch die Oratorien Händels erstmals in der Originalgestalt international bekannt. Dietrich Knothe (1982 – 1993) formte den Chor zu einem Präzisionsinstrument für schwierigste Literatur; Robin Gritton (1994 – 2001) bereicherte und verfeinerte die Farbpalette des Ensembles. Seit 2001 leitet Simon Halsey den Rundfunkchor Berlin. Er legt besonderes Gewicht auf die stilistisch und sprachlich perfekte, dabei lebendige und mitreißende Wiedergabe von Werken aller Epochen und Stile. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen dokumentieren diese Arbeit: So erhielt die gemeinsam mit den Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Kent Nagano entstandene CD-Veröffentlichung von Kaija Saariahos Oper L’amour de loin einen »Grammy Award« 2010 als beste Opernaufnahme. Simon Halsey, der im Januar dieses Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, initiierte außerdem zahlreiche Projekte des Chores im Bildungs- und Erziehungsbereich, die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe Broadening the Scope of Choral Music sowie einmal im Jahr ein großes Mitsingkonzert. In diesem Jahr startete der Rundfunkchor Berlin das Pilotprojekt SING!, mit dem in Berliner Grundschulen das Singen in allen Unterrichtsfächern etabliert werden soll Das Vokalensemble ist Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen verbinden ihn mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Bei ihnen gastierte der Rundfunkchor Berlin zuletzt Mitte Juni dieses Jahres in drei Konzerten unter der Leitung von Vladimir Jurowski mit Werken von Igor Strawinsky und Gustav Mahler.


Der Staats- und Domchor Berlin ist einer der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands mit einer Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Im 19. Jahrhundert gelangte der damalige Königliche Domchor unter den Direktoren Felix Mendelssohn Bartholdy, Otto Nicolai und Heinrich August Neidhardt zu einer ersten Blütezeit. 1923 wurde das Ensemble in den »Staats- und Domchor Berlin« umbenannt und der Hochschule für Musik zugeordnet. Heute übernimmt der Chor die musikalische Ausgestaltung von Gottesdiensten im Berliner Dom und von politischen Festakten. Er hat außerdem Anteil an Aufführungen der Opern- und Konzerthäuser Berlins und veranstaltet eigene Konzerte mit einem Repertoire, das Werke der abendländischen Chorkultur vom Mittelalter bis zur Moderne umfasst. An der Spitze des Chors steht seit 2002 Kai-Uwe Jirka, Professor für Chorleitung an der Universität der Künste Berlin. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt der Staats- und Domchor Berlin den Europäischen Jugendchorkulturpreis des Jahres 2002. Konzertreisen führten ihn in durch Europa, Asien, die USA und nach Israel. In Konzerten der Berliner Philharmoniker haben der Staats- und Domchor Berlin oder Mitglieder des Ensembles in der Vergangenheit wiederholt mitgewirkt, zuletzt Anfang Februar dieses Jahres bei den von Sir Simon Rattle dirigierten Aufführungen von Gustav Mahlers Dritter Symphonie.


Nathalie Stutzmann, geboren in Paris, begann die Ausbildung zur Sängerin bei ihrer Mutter; später studierte sie Liedgesang bei Hans Hotter an der École d’Art Lyrique de l’Opéra de Paris. Die Altistin, die außerdem das Klavier-und das Fagottspiel sowie Dirigieren studierte, pflegt ein breites Repertoire vom Barock bis zu Werken des 20. Jahrhunderts. Vor allem als Liedinterpretin bekannt geworden, hat Nathalie Stutzman gleichwohl mit Dirigenten wie Riccardo Chailly, Seiji Ozawa, Sir John Eliot Gardiner, Sir Simon Rattle und Christoph von Dohnányi im Konzertfach zusammengearbeitet. Dabei ist sie beispielsweise mit dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, dem London Symphony Orchestra, dem Orchestre de Paris, dem Boston und dem Cleveland Symphony Orchestra, der Staatskapelle Dresden und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aufgetreten. Die mit dem Titel »Chevalier des Arts et des Lettres« ausgezeichnete Künstlerin unterrichtet regelmäßig im Rahmen von Meisterkursen. Außerdem leitet sie das von ihr 2009 gegründete Ensemble Orfeo 55. Als Solistin der Berliner Philharmoniker gab Nathalie Stutzmann ihr Debüt Mitte September 2007 in Konzerten mit Claude Debussys Mysterienspiel Le Martyre de Saint Sébastien, die Sir Simon Rattle dirigierte . Zuletzt gastierte sie bei ihnen – ebenfalls unter Rattles Leitung – Anfang Februar dieses Jahres mit der Alt-Partie in Gustav Mahlers Dritter Symphonie.


Erika Sunnegårdh stammt aus einer schwedisch-amerikanischen Familie. Sie wurde u. a. an der Manhattan School of Music, am Tanglewood Music Center und an der Britten-Pears School for Advanced Musical Studies in Aldeburgh ausgebildet. An der Aaron Copland School of Music des Queens College absolvierte sie ein Master-Studium. Die Sängerin machte sich zunächst besonders mit zeitgenössischem Kammermusik- und Liedrepertoire einen Namen; im Opernfach gelang ihr 2004 der internationale Durchbruch als Turandot an der Malmö Opera. Vor allem mit Rollen in den Bühnenwerken Beethovens (Leonore), Puccinis (Tosca, Turandot) und Strauss’ (Chrysotemis, Salome), aber auch mit Wagner- und Verdi-Partien (Senta, Helmwige, Gerhilde, Lady Macbeth) gastiert Erika Sunnegårdh z. B. an der Metropolitan Opera in New York, der Welsh National Opera, dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona, den Staatsopern in Wien und München, der Oper Frankfurt und der Deutschen Oper Berlin. Wiederum in Malmö wirkte sie 2008 als Paulina bei der Uraufführung von Jonas Forssells Death and the Maiden mit. Aix-en-Provence und Salzburg zählen zu den Festspielorten, in denen Erika Sunnegårdh ebenfalls auftritt. Als Solistin von Spitzenorchestern in aller Welt arbeitet sie mit Dirigenten wie Semyon Bychkov, Myung Wun Chung, Gustavo Dudamel, Kirill Petrenko, Sir Simon Rattle und Mario Venzago zusammen; in Konzerten der Berliner Philharmoniker singt die Sopranistin nun zum ersten Mal.

Der Brite David Wilson-Johnson studierte Sprachen in Cambridge und Gesang an der Royal Academy of Music in London. In seiner 40-jährigen Karriere gastierte er an den renommiertesten Opernhäusern und auf den Konzertpodien der Musikmetropolen und Festspielorte in aller Welt. Sein Bühnen- und Konzertrepertoire beinhaltet Partien in Werken der Alten Musik (z. B. Rameaus Les Boréades) und der klassisch-romantischen Epoche ebenso wie Kompositionen von Messiaen, Henze und Maxwell Davies. Zu den Dirigenten, mit denen David Wilson-Johnson zusammengearbeitet hat, zählen Pierre Boulez, Frans Brüggen, Nikolaus Harnoncourt, Zubin Mehta sowie die Sirs Charles Mackerras und Simon Rattle. Der Bariton leitete über 20 Jahre die von ihm gegründeten sommerlichen Gesangskurse in Ferrandou (Dordogne) und lehrt heute am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. Nach seinem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im November 2006 war David Wilson-Johnson mit ihnen zuletzt im Rahmen des Education-Tanzprojekts zu Strawinskys Les Noces im Dezember 2006 unter der Leitung von Sir Simon Rattle zu erleben.


musikfest berlinIn Zusammenarbeit mit dem musikfest berlin 11

 

EMISir Simon Rattle tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von EMI Classics auf.

 

Deutsche GrammophonAnna Prohaska und Nathalie Stutzmann treten in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Grammophon Gesellschaft auf.

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