So, 27. Mai 2012

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

Eva-Maria Westbroek, Christian Elsner, Terje Stensvold, Evelyn Herlitzius

  • Richard Wagner
    Die Walküre (konzertante Aufführung): Erster Aufzug (01:04:33)

  • Richard Wagner
    Die Walküre (konzertante Aufführung): Zweiter Aufzug (01:29:58)

  • Richard Wagner
    Die Walküre (konzertante Aufführung): Dritter Aufzug (01:16:31)

    Eva-Maria Westbroek Sopran (Sieglinde), Christian Elsner Tenor (Siegmund), Lilli Paasikivi Mezzosopran (Fricka), Terje Stensvold Bass (Wotan), Heike Grötzinger Mezzosopran (Siegrune), Mikhail Petrenko Bass (Hunding), Joanna Porackova Sopran (Gerhilde), Julianne Young Mezzosopran (Waltraute), Andrea Baker Mezzosopran (Schwertleite), Eva Vogel Mezzosopran (Grimgerde), Evelyn Herlitzius Sopran (Brünnhilde), Anette Bod Mezzosopran (Rossweisse), Anna Gabler Sopran (Ortlinde), Susan Foster Sopran (Helmwige)

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    Sir Simon Rattle über Wagners »Walküre« · Teil 1 (10:31)

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    Sir Simon Rattle über Wagners »Walküre« · Teil 2 (14:59)

Als die Berliner Philharmoniker, dirigiert von Simon Rattle, im Sommer 2007 Wagners Walküre beim Festival von Aix-en-Provence aufführten, hatten sie das Werk vier Jahrzehnte lang nicht gespielt. »Man weiß nicht, was ein Orchester ist, bevor man die Berliner Philharmoniker gehört hat«, schrieb Le Monde damals. »Das Blech erstaunte durch Durchschlagskraft und Präzision; Streicher und Holzbläser machten uns sprachlos.« Zum Glück muss man nicht wieder derart lange warten, bis sich das Orchester dem Werk widmet. In einer konzertanten Aufführung dirigiert Simon Rattle Die Walküre erneut in der Philharmonie.

Auch einige Sänger der Produktion in Aix sind wieder zu hören, darunter als Sieglinde Eva-Maria Westbroek. Der Kritiker der Libération urteilte seinerzeit, sie sei »in olympischer Form: nobel und kraftvoll, mit flexibler, strahlender Höhe, herrlicher Tiefe und idealer Charakterzeichnung«. Mit Evelyn Herlitzius als Brünnhilde steht ihr eine der namhaftesten Wagner-Sängerinnen unserer Zeit zur Seite, welche die Partie mehrfach bei den Bayreuther Festspielen interpretierte. Unter den männlichen Hauptdarstellern hingegen finden sich einige Neuentdeckungen im Wagner-Gesang. Christian Elsner als Siegmund hat diese Rolle erstmals 2010 an der Dresdner Semperoper gesungen und sich im April 2011 bei einer Parsifal-Aufführung in Berlin als »Trauminterpret« (Der Tagesspiegel) der Titelpartie empfohlen. Als Wotan hören wir Terje Stensvold, der nach über 25 Jahren am Norwegischen Opernhaus in Oslo zu einem weltweit gefragten Gastsänger avancierte, mit Auftritten u.a. an der Wiener Staatsoper, am Covent Garden in London und an der Mailänder Scala. Im Zuge dieses Karrieresprungs wandte er sich verstärkt dem Werk Wagners und gilt heute als einer der führenden Wotan-Interpreten.

Wotans Brüten

Anmerkungen zu Richard Wagners Die Walküre

»Der Ring ist szenisches Epos, hervorgegangen aus der Abneigung gegen Vorgeschichten, die hinter der Szene spuken«, notiert Thomas Mann in seinem großen Essay Leiden und Größe Richard Wagners (1933). Das stimmt, denn dafür spricht der lange Weg zur Tetralogie, bei dem Wagner als Textdichter sich von der Urstufe Siegfrieds Tod (der späteren Götterdämmerung) schrittweise chronologisch rückwärts arbeitete: Die Darstellung von Siegfrieds Untergang machte die seiner Jugend erforderlich (Siegfried). Daraus erfolgte die Notwendigkeit, die Geschichte seiner Eltern Siegmund und Sieglinde zu erzählen (Die Walküre), schließlich die Vorgeschichte dieser Vorgeschichte: vom Raub jenes Rings durch Alberich, der die Welt in Unordnung bringt, bis zurück zu jenem Anfangszustand, den er – zumindest in der musikalischen Ausformung des Es-Dur-Vorspiels – tatsächlich als eine Art Weltbeginn konzipierte (Das Rheingold).

Wagner dichtete also seine Tetralogie vom Ende her, er komponierte sie aber vom Anfang. Von der ersten Beschäftigung mit dem Nibelungenstoff Mitte der 1840er-Jahre bis zu dem erschöpften Eintrag am Ende der Götterdämmerung: »Vollendet in Wahnfried, am 21. November 1874. Ich sage nichts weiter!!« liegt mehr als ein Vierteljahrhundert Arbeit an dem ungeheuren Stoff (mit der zwölfjährigen Unterbrechung nach dem zweiten Siegfried-Akt, 1857). Die »Abneigung gegen Vorgeschichten« allein kann diesen auch für das 19. Jahrhundert einzigartigen künstlerischen Kraftakt nicht vorangetrieben haben. Nicht nur zu zeigen, was vorher war, was woher kam, mag zu der Erweiterungsarchitektur geführt haben, sondern ein Wille zur Vertiefung: das Schicksal des Helden Siegfried bestimmt zwar den Gang der Handlung, wird aber in einen Zusammenhang gestellt, der in seiner Kühnheit die epischen Ausmaße etwa des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds weit überschreitet. Wagner unternimmt nicht weniger als den »in der Operngeschichte einzigartigen Versuch einer wahren Kosmogonie« (Ulrich Schreiber).

Doch soviel ist zu erzählen, dass es dabei ohne »Vorgeschichten, die hinter der Bühne spuken«, eben doch nicht abgeht, zumal im Übergang von der Ringraub-Geschichte des Rheingold, die unter Göttern, Riesen, Zwergen und Rheintöchtern spielt, zum Beginn der eigentlichen Handlung – deshalb dem »Ersten Tag« des »Bühnenfestspiels« – in der Walküre. Schwer zu sagen, wie viel Zeit vergangen ist, seitdem Wotan und die Seinen über die Regenbogenbrücke in Walhall eingezogen waren, während unten die Rheintöchter das verlorene Gold beklagten. Jetzt jedenfalls befinden wir uns, mit einem harten Schnitt, unter Menschen, also in historischer Zeit, so fern sie auch erscheint: Hundings Hütte steht in einer unwirtlichen, archaischen Welt, in einer frühen Stufe der Zivilisation, noch nah an der Natur, und der Szenenbildner Wagner findet dafür ein sinnfälliges Bild: »In der Mitte steht der Stamm einer mächtigen Esche, dessen stark erhabene Wurzeln sich weithin in den Erdboden verlieren; von seinem Wipfel ist der Baum durch ein gezimmertes Dach geschieden, welches so durchschnitten ist, daß der Stamm und die nach allen Seiten hin sich ausstreckenden Äste durch genau entsprechende Öffnungen hindurch gehen; von dem belaubten Wipfel wird angenommen, daß er sich über dieses Dach ausbreite. Um den Eschenstamm, als Mittelpunkt, ist nun ein Saal gezimmert; die Wände sind aus roh behauenem Holzwerk, hie und da mit geflochtenen und gewebten Decken behangen [...].« Wie so etwas aussieht, kann man in der Nähe von Ludwigs II. Schloss Linderhof besichtigen, da steht die Germanenhütte nachgebaut.

Die Welt der frühen Menschen, in die wir hier eintauchen, ist eine Welt der Gewalt. Es regiert das Gesetz des Stärkeren. Über Frauen wird verfügt; Sieglinde erlebt es, wie auch jene Unbekannte, für die sich der heimatlose Wehwalt in eine Fehde mit der Hundingsippe verwickelt. Grob und archaisch klingt Hundings Musik, ganz anders die langen Passagen im ersten Akt, in der auf der Bühne nur Gesten und vor allem Blicke sprechen. Wer vom ersten Akt der Walküre nicht mitgerissen wird, in dem der Dramaturg Wagner vom Sturmbeginn zum nächtlichen Ruhepunkt in Siegmunds Monolog führt und von da das Spannungsgeschehen von Erkennen und Liebeserfüllung in einem einzigen riesigen Crescendo zum finalen Höhepunkt steigert, der ist für Wagners Kunst der Emotionalisierung wohl auch sonst nicht zu erreichen.

Der Mittelakt zeigt eine weitere typische Facette der erweiterten Möglichkeiten dieses neuen Musiktheaters: Wagners frappierende Fähigkeit, die (gefühlte) Zeit anzuhalten. Man betrachte die Zweite Szene. Eben hat Fricka siegreich die Verhandlung um Siegmunds Schicksal verlassen. Brünnhilde steht »verwundert vor Wotan, der, […] das Haupt auf die Hand gestützt, in finsteres Brüten versunken ist«. Über zehn Takte hört man dazu ein finsteres Paukentremolo auf Es, darüber spielen Posaunen das »Fluchmotiv«, dann schließt sich, mit einer markanten Vorschlagsfigur, in einer endlosen Abwärtsbewegung an, was die Leitmotiv-Sammler das »Unmutsmotiv« nennen. Das ist stark untertrieben. Die Musik öffnet hier, ganz leise und in größter Durchsichtigkeit, den Hirnkasten des Gottes Wotan, und darin regiert nicht bloß Unmut, sondern tiefste Resignation.

Es ist der Moment, in dem er voraussieht, wovon er jetzt, in einer scheinbar endlosen Introspektion, deren weitgehend sprachlose Zeugin Brünnhilde wird, immer bestimmter singt: das Ende seiner Welt. Auf der Bühne dauert das rund 25 Minuten. Es ist Erzählung, keine Handlung. Nach der überwältigenden Hitzigkeit des ersten Akts bleibt die Musik jetzt über weite Strecken stehen, wenn über einem tiefen Orgelpunkt die bedeutungstragenden Motive zu hören sind. Vieles wiederholt sich, erscheint aber in etwas veränderter Form, anderer Tonart oder Instrumentation oder als Variation. Damit erweist sich der Musikdramatiker Wagner als Technologe der Psyche: Die Musik zeigt den Vorgang des Denken selbst. Das Orchester, so zurückgenommen es erscheint, weiß mehr als Wotan sagt, es spricht aus, wofür die Regieanweisung nur das Wort »brüten« hat. Dieses musikalische Brüten hat mit Beethovens symphonischer Verarbeitungstechnik weniger zu tun als Wagner vorgab. Carl Dahlhaus nannte das Verfahren »motivische Assoziation«, und es ist faszinierend zu sehen, wie sich hier nicht nur Handlung ganz in Reflexion verwandelt, sondern solche Darstellung von Denken neue musikalische Ausdrucksfreiheiten erschließt. Dass ein Sänger auf einer Opernbühne beinahe eine halbe Stunde bloß brütet: das hatte es vorher nicht gegeben; es war aber auch solche Musik nie zu hören gewesen.

Wer auf Handlung aus ist, auf »Action« und Spannung, wird im ersten Akt der Walküre gut bedient. Der d-Moll-Sturm am Anfang (dessen markant rollende Motivik nicht wieder benutzt wird) nimmt die Einstimmungstechnik der Filmmusik vorweg, und natürlich ist Wagner nebenbei auch der Erfinder des Kinos. Das wird auch deutlich im Finale, in der bewegend langen Abschiedsszene und den Beleuchtungs- und Instrumentationseffekten des »Feuerzaubers« am Schluss. Der zweite Akt beginnt, mit dem Walkürenthema, ähnlich direkt wie der erste, doch dann führt Wagner, im Monolog der Resignation, am Kreuzungspunkt der Vergangenheit und der Zukunft, von Vorgeschichten und Untergangsahnung, ins andere Extrem, an einen Nullpunkt der Aktion. Wer diesen Gang in Wotans Hinterkopf nicht mitgehen will, dem wird bei dessen Monolog die Zeit lang. Wer sich darauf einzulassen vermag, dem bleibt die Zeit stehen.

Holger Noltze

Andrea Baker, geboren in Massachusetts (USA), studierte Gesang an der Boston Conservatory Extension School und war Stipendiatin u. a. beim Aspen Music Festival in Colorado. 1994 wurde sie bei den Metropolitan Opera National Auditions ausgezeichnet und begann ihre Bühnenlaufbahn an der San Francisco Opera als Schwertleite (Die Walküre). Es folgten die Titelrollen in Ariodante und Xerxes an der San Francisco Pocket Opera. Sie gab ihr Deutschlanddebüt als Klytämnestra (Elektra) in Augsburg und trat im dortigen Ring des Nibelungen als Fricka, Erda und Waltraute auf. 1998 wurde sie an die Städtischen Bühnen Nürnberg engagiert und war dort bis 2002 beispielsweise als Komponist (Ariadne auf Naxos), Herodias (Salome) und Carmen zu erleben. Beim Festival von Aix-en Provence (2007) und bei den Salzburger Osterfestspielen (2008) sang sie im Rahmen ihrer bislang einzigen Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern die Schwertleite in der von Sir Simon Rattle geleiteten Walküren-Produktion. Weitere Verpflichtungen führten Andrea Baker vor allem als Wagner-Interpretin, aber auch mit Partien wie dem Tamerlano in Händels gleichnamiger Oper, der Küsterin (Jenůfa), der Amneris (Aida) und der Serena (Porgy and Bess) an renommierte Opernhäuser in aller Welt wie diejenigen in Düsseldorf, Leipzig, Mannheim, München, Florenz, Valencia, Lyon, London, Edinburgh, Helsinki, Sidney und Peking. Im Konzertfach gastierte die Mezzosopranistin z. B. bei den Londoner BBC Proms, beim Philharmonia Orchestra und beim London Symphony Orchestra, beim Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und beim Konzerthausorchester in Berlin.

Die Dänin Anette Bod begann ihre Bühnenlaufbahn am Theater Biel-Solothurn (Schweiz) im Jahr 1999 als Carmen. Ihr Repertoire umfasst überdies die Wagner-Partien Fricka, Waltraute, Brangäne und Ortrud sowie diejenigen der Amneris (Aida), Azucena (Il trovatore), Maddalena (Rigoletto), Santuzza (Cavalleria rusticana), Jocaste (Oedipus Rex), Geneviève (Pelléas et Mélisande) und die Titelrolle in The Rape of Lucretia. Anette Bod gastiert regelmäßig an der Königlich Dänischen Oper Kopenhagen und an der Dänischen Nationaloper Århus und an der Neuen Oper in Esbjerg. Einladungen führten sie u. a. auch auf die Bühnen in Göteborg, Malmö. Kiel, Bremen, Wuppertal, Baden-Baden, Porto, an die Brooklyn Academy of Music und ans Theater Hedeland. Beim Festival von Aix-en Provence (2007) und bei den Salzburger Osterfestspielen (2008) war sie im Rahmen ihrer bislang einzigen künstlerischen Tätigkeit mit den Berliner Philharmonikern als Rossweiße in der von Sir Simon Rattle geleiteten Walküren-Produktion zu erleben. Mit einem Konzertrepertoire, das einen Bogen von den oratorischen Werken Händels und Bachs über die Vokalsymphonik Gustav Mahlers bis zu Leonard Bernsteins Jeremiah Symphony spannt, hat Anette Bod bislang mit Orchestern in Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Frankreich, Portugal und in der Schweiz sowie z. B. mit den Dirigenten Manfred Honeck, Kent Nagano und Michael Schønwand zusammengearbeitet.

Christian Elsner, in Freiburg (Breisgau) geboren, studierte bei Martin Gründler, Dietrich Fischer-Dieskau und Neil Semer. Der Preisträger internationaler Wettbewerbe gastiert als Konzertsänger bei internationalen Festivals und in allen wichtigen Konzertsälen von Berlin, Wien, Mailand und London bis nach New York und Tokio. Christian Elsner arbeitete bislang mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Adam Fischer, Carlo Maria Giulini, Nikolaus Harnoncourt, Thomas Hengelbrock, Mariss Jansons und David Zinman zusammen. Nach seinem Debüt im Februar 2010 an der Semperoper Dresden als Siegmund (Die Walküre) hat sich Christian Elsner mit einer gefeierten Interpretation des Parsifal in einer konzertanten Aufführung der gleichnamigen Oper mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Marek Janowski Anfang April 2011 in der Berliner Philharmonie als Wagnertenor etabliert. Hartmut Höll, Graham Johnson, Charles Spencer, Gerold Huber und Burkhard Kehring als fester Duopartner zählen zu den Klavierbegleitern des Tenors bei Liederabenden in Brüssel, Frankfurt, Hamburg, Köln, Dresden, Luzern, London, Ravinia und bei der Schubertiade Feldkirch. Bei den Berliner Philharmonikern trat Christian Elsner erstmals Mitte April 2004 in drei von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Konzerten mit Franz Schuberts Messe Es Dur D 950 auf. Als Professor für Gesang unterrichtet er an der Hochschule für Musik in Würzburg.

Susan Foster, in Arizona geboren und aufgewachsen in Ohio, absolvierte ihr Musikstudium an der Ohio State University und setzte die Ausbildung als Mitglied des Lyric Opera Center for American Artists an der Lyric Opera of Chicago fort. Sie trat zunächst in Produktionen der Los Angeles Opera, New York City Opera, Washington National Opera, Lyric Opera of Chicago, Florida Grand Opera, Vancouver Opera, Pittsburgh Opera auf gastierte bei renommierten amerikanischen Symphonieorchestern. Zu ihrem Repertoire zählen die Titelrollen in Tosca,Normaund Turandot (mit letzterer gab sie ihre Debüts an der Opera Austrhalia und an der San Francisco Opera), Leonora (Il trovatore), Elisabetta (Don Carlo), Fiordiligi (Così fan tutte), Donna Anna (Don Giovanni) und Gräfin Almaviva (Le nozze di Figaro) sowie die Sopranpartie in Verdis Messa da Requiem. In der jüngeren Vergangenheit sang Susan Foster die Isolde an der Los Angeles Opera und beim Stars of the White Nights Festival in St. Petersburg sowie die Sieglinde (Die Walküre) am Teatro alla Scala di Milano und konzertant bei den Festspielen Baden-Baden. Als Helmwige war bzw. ist sie in dieser Spielzeit unter der Leitung von Daniel Barenboim an Deutschen Staatsoper im Schillertheater, an der Los Angeles Opera und ebenfalls an der Mailänder Scala zu erleben. Die mit zahlreichen Auszeichnungen geehrte Sopranistin gastiert nun erstmals in Konzerten der Berliner Philharmoniker.

Anna Gabler studierte bei Jan-Hendrik Rootering an der Hochschule für Musik und Theater ihrer Heimatstadt München und besuchte Meisterkurse unter anderem bei Dietrich Fischer-Dieskau. Bereits während ihrer Ausbildung war sie Mitglied des Jungen Ensembles der Bayerischen Staatsoper; von 2001 bis 2004 gehörte sie zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, anschließend ging sie ans Staatstheater Nürnberg. Partien in dieser Zeit waren z. B Musetta und Mimì (La bohème), Micaёla (Carmen) und Gutrune (Götterdämmerung). Inzwischen verzeichnet Anna Gablers Bühnenrepertoire Schwerpunkte in der Musik des 19. Jahrhunderts (nicht zuletzt im Werk Richard Wagners), schließt aber auch Rollen wie diejenigen der Ersten Dame (Die Zauberflöte), der Tochter (Cardillac) sowie der Miranda in Luca Lombardis 2006 uraufgeführter Oper Prospero ein. Seit 2007 singt die Sopranistin regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen, beispielsweise die Ortlinde (Die Walküre) unter der Leitung von Christian Thielemann. Überdies gastiert sie an den Staatsopern in München und Hamburg, an der Semperoper Dresden, am Théâtre du Châtelet in Paris, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel und beim Opernfestival in Glyndebourne. Zu den Dirigenten, mit denen Anna Gabler bislang zusammengearbeitet hat, zählen Ivor Bolton, Vladimir Jurowski, Fabio Luisi und Simone Young. Bei den Berliner Philharmonikern gibt sie in diesen Konzerten ihr Debüt.

Heike Grötzinger absolvierte ihr Studium bei Claudio Nicolai und Klesie Kelly-Moog an der Musikhochschule Köln mit Auszeichnung; außerdem wurde sie von Astrid Varnay, Hanna Schwarz, Kurt Moll und Deborah Polaski unterrichtet. Bereits während ihres ersten Engagements an den Städtischen Bühnen Münster gastierte sie in Weimar, Wiesbaden, Bremerhaven und Regensburg sowie am Teatro di Montepulciano. 2002 gab sie an der Bayerischen Staatsoper München unter der Leitung von Zubin Mehta ihr Debüt als Siegrune (Die Walküre); mit dieser Partie war sie nicht nur im selben Jahr an der Deutschen Oper Berlin (Dirigent: Christian Thielemann) zu erleben, sondern auch 2007 bzw. 2008 in der Walküren-Produktion mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern in Aix-en-Provence und Salzburg. Seit 2005 gehört Heike Grötzinger zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper, wo sie u. a. als Marcellina (Le nozze de Figaro), Magdalene (Die Meistersinger), Suzuki (Butterfly), Mary (Der fliegende Holländer), Knusperhexe (Hänsel und Gretel), Frau des Dorfrichters (Jenůfa), Annina (Der Rosenkavalier) und Die fremde Fürstin (Rusalka) auf der Bühne steht. Bei der Weltpremiere von Hans Kraus-Hübners Oper Ganna oder die Wahnwelt Mitte Oktober 2007 am Stadttheater Fürth gestaltete die Mezzosopranistin die Titelpartie; an der Mailänder Scala debütierte sie 2011 als Zweite Dame (Die Zauberflöte). In Konzerten der Berliner Philharmoniker ist Heike Grötzinger nun ebenfalls erstmals zu hören.

Evelyn Herlitzius studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. 1993 gewann sie den Meistersinger-Wettbewerb in Nürnberg. Bevor die Sopranistin 1997 an die Sächsische Staatsoper Dresden engagiert wurde, gastierte sie u. a. als Leonore (Fidelio) bei den Bregenzer Festspielen (1996) und an der Münchner Staatsoper in Henzes Venus und Adonis (1997). In Dresden erarbeitete sich Evelyn Herlitzius Partien wie Elisabeth und Venus (Tannhäuser), Sieglinde und Brünnhilde (Der Ring des Nibelungen), Kundry (Parsifal), die Titelrollen in Jenůfa, Turandotund Salome, die Färberin (Die Frau ohne Schatten) und Katerina Ismailowa (Lady Macbeth von Mzensk). Die Künstlerin gastiert regelmäßig auf den Bühnen der Staatsopern in München, Wien, Berlin und Stuttgart, der Deutschen Oper Berlin, der Mailänder Scala, sowie der Opernhäuser in Brüssel, Monte Carlo und Barcelona. Bei den Bayreuther Festspielen sang Evelyn Herlitzius in den Jahren 2002 – 2004 die Brünnhilde, 2006 und 2007 die Kundry, 2010 die Ortrud in Lohengrin. Im Folgejahr war sie bei den Salzburger Festspielen als Färberin in der Strauss-Oper Die Frau ohne Schatten zu erleben. Im Konzertbereich arbeitet Evelyn Herlitzius weltweit mit den renommiertesten Orchestern und Dirigenten zusammen; bei den Berliner Philharmonikern gab sie ihr Debüt Anfang November 2009 unter der Leitung von Sir Simon Rattle in Arnold Schönbergs Monodram Erwartung. Evelyn Herlitzius ist Trägerin des Christel-Goltz-Preises (1999), wurde 2002 zur Kammersängerin ernannt und erhielt 2006 den Deutschen Theaterpreis »Der Faust«.

Lilli Paasikivi, eine gebürtige Finnin, erhielt ihre Gesangsausbildung an der Musikakademie in Stockholm. Schon während ihres Studiums wurde sie bei Wettbewerben ausgezeichnet, z. B. mit dem Zweiten Preis beim Internationalen Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb in Helsinki. Seit 1998 gehört sie dem Ensemble der Finnischen Nationaloper Helsinki an, wo sie u. a. als Marina (Boris Godunov), Dorabella (Così fan tutte), Rosina (Il barbiere di Siviglia), Marguerite (La damnation de Faust)und als Carmen zu erleben war. Als Konzertsolistin ist Lilli Paasikivi u. a. mit dem New York Philharmonic, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic, dem Gewandhausorchester Leipzig sowie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aufgetreten; Esa-Pekka Salonen, Lorin Maazel, Vladimir Ashkenazy und Maris Janssons zählen zu den Dirigenten, mit denen sie zusammengearbeitet hat. Im vokalsymponischen Repertoire gilt ihr besonderes Interesse den Werken von Jean Sibelius und Gustav Mahler. Seit ihrem Debüt mit den Berliner Philharmonikern in Aufführungen von Wagners Der Ring des Nibelungen in Aix-en-Provence wird sie auf der Bühne vor allem für ihre Wagner-Rollen geschätzt. In Berliner Konzerten des Orchesters wirkte sie zuletzt Mitte September 2011 unter der Leitung von Sir Simon Rattle in drei Aufführungen der Symphonie Nr. 8 »Symphonie der Tausend« von Gustav Mahler mit.

Mikhail Petrenko, in St. Petersburg geboren, studierte am dortigen Rimsky-Korsakow-Konservatorium bei Bulat Minzhilkiev Gesang und sammelte erste Bühnenerfahrungen im Opernstudio des Mariinskij-Theaters, wo er 2001 ins Ensemble übernommen wurde. Als Preisträger beim »Elena Obraztsova Young Opera Singers’ Competition« und bei Plácido Domingos »Operalia«-Wettbewerb sich Mikhail Petrenko in Fachkreisen einen Namen; das internationale Publikum lernte ihn bei zahlreichen Tourneen des Mariinskij-Theaters unter Leitung von Valery Gergiev kennen. Mittlerweile gastiert Mikhail Petrenko regelmäßig an den bekanntesten Opernhäusern der Welt und interpretiert dort die großen Bass- und Bassbaritonpartien in Werken von Mozart bis Wagner. So wirkte er z. B. als Hunding und als Hagen in der Ring-Tetralogie mit, die Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern in Aix-en-Provence und Salzburg herausbrachte; den Hunding übernahm er auch an der Metropolitan Opera und der Deutschen Staatsoper Berlin. Bei den Salzburger Festspielen präsentierte er sich mit französischem Repertoire (Benvenuto Cellini und Roméo et Juliette), an der Opéra National de Paris mit Werken des Belcanto (I Capuleti e i Montecchi und Il barbiere di Siviglia). Außerdem widmet sich Petrenko dem Schaffen Giuseppe Verdis und natürlich auch russischen Rollen, etwa dem Pimen in Boris Godunow oder dem Gremin in Eugen Onegin. Als Solist bedeutender Orchester arbeitet Mikhail Petrenko mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Pierre Boulez, Daniel Harding, Vladimir Jurowski, Yannick Nézet-Séguin und Esa-Pekka Salonen zusammen; in Konzerten der Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu hören.

Joanna Porackova absolvierte ihre Ausbildung an der Universität ihres US-amerikanischen Heimatstaates Indiana; außerdem besuchte sie Meisterkurse u. a. bei Franco Corelli, Gabriella Tucci und Giulietta Simoniato. Erste Engagements führten die Preisträgerin renommierter Wettbewerbe an verschiedene amerikanische Opernhäuser, wo sie in den Titelpartien Aida, Tosca und Lady Macbeth von Mzensk sowie als Amelia in Un ballo in maschera zu hören war. Mit der Salome sang Joanna Porackova in Stralsund ihre erste Rolle im »deutschen Fach«, an der Long Isalnd Opera folgte die Brünnhilde (Die Walküre). In der Titelpartie von Norma, als Giorgetta (Il tabarro) und Abigaille (Nabucco) trat sie in Boston auf; außerdem gastierte sie als Magda Sorel (Der Konsul) in Washington, mit der Titelrolle von Rolf Liebermanns Medea in Bern, als Leonora (Il trovatore) in Hongkong, als Senta (Der fliegende Holländer) in Würzburg und als Turandot in Klagenfurt; überdies gab die Sopranistin ihr Rollendebüt als Isolde in Tours. Beim Festival von Aix-en Provence (2007) und bei den Salzburger Osterfestspielen (2008) stand Joanna Porackova im Rahmen ihrer bislang einzigen künstlerischen Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern in der von Sir Simon Rattle geleiteten Walküren-Produktion als Gerhilde auf der Bühne.

Terje Stensvold, ein gebürtiger Norweger, begann seine Musikerlaufbahn als Mitglied im bekannten Kinderchor Solvguttene in Oslo. Ein Lehrer-Studium schloss er mit Diplomen in Deutsch und Englisch ab. An der Norske Opera in Oslo gestaltete Terje Stensvold über 80 Rollen, darunter Jago, Eugen Onegin, Don Giovanni und Gianni Schicchi. Zu seinem Repertoire zählen des weiteren die Partien Jochanaan (Salome), Balstrode (Peter Grimes), Alfio (Cavalleria rusticana), Tonio (I Pagliacci), Dr. Schön und Jack the Ripper (Lulu), Don Pizarro (Fidelio), Barak (Die Frau ohne Schatten) sowie die Titelrolle im Fliegenden Holländer. Er gastiert weltweit an führenden Bühnen wie den Staatsopern in Wien, Berlin, Hamburg, Dresden, und Stuttgart, in Frankfurt am Main, in Barcelona, London (Covent Garden), an der Mailänder Scala und bei den Salzburger Festspielen. Als international äußerst begehrter Interpret des Wotan war der Bariton bislang an der Wiener Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, der Königlichen Oper Stockholm sowie an den Häusern in Frankfurt, Leipzig und Helsinki zu erleben. Terje Stensvold, der im Jahr 2008 vom norwegischen König zum »Ritter 1. Klasse des St.-Olav-Ordens« ernannt wurde, gibt in diesen Konzerten sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern.

Eva Vogel studierte in den USA am New Yorker Mannes College of Music und an der Yale University. Außerdem wurde sie von Christa Ludwig und Brigitte Fassbaender unterrichtet. Schon während ihres Studiums war sie mit Partien in Opern von Monteverdi, Mozart, Bizet und Verdi auf der Bühne zu erleben; von 2003 an gehörte sie für zwei Jahre zum Opernstudio der Oper Köln. Festengagements in Düsseldorf und Innsbruck folgten. In diesen Jahren erweiterte die Künstlerin ihr Repertoire um Rollen in Werken von Vivaldi, Händel, Gluck, Rossini, Donizetti, Mascagni, Johann Strauß, Wagner, Humperdinck, Richard Strauss und Prokofjew. Als Gast wurde Eva Vogel an Häuser wie das Staatstheater Wiesbaden, Staatstheater Nürnberg, Theater Bremen, Concertgebouw Amsterdam, die Philharmonie Berlin und das Royal Opera House Covent Garden verpflichtet. Liederabende und Konzertauftritte führten sie u. a. zum Klavierfestival Ruhr, nach Amsterdam, St. Moritz, Karlsruhe, Berlin, München, New York und Seoul; Sir John Eliot Gardiner, Edo de Waart und Ingo Metzmacher zählen zu den Dirigenten, mit denen sie bereits zusammengearbeitet hat. Für die von Sir Simon Rattle dirigierte Ring-Tetralogie mit den Berliner Philharmonikern beim Sommerfestival in Aix-en-Provence und bei den Salzburger Osterfestspielen wurde Eva Vogel als Grimgerde (Die Walküre) bzw. Wellgunde (Götterdämmerung) verpflichtet. In Berliner Konzerten des Orchesters war sie an zwei Abenden Ende Oktober 2009 – ebenfalls unter Sir Simons Leitung und begleitet von Stipendiaten der philharmonischen Orchester-Akademie – mit der Alt-Partie in der Symphonie für kleines Orchester von Hans Krása zu erleben.

Eva-Maria Westbroek wurde in den Niederlanden geboren und am Konservatorium von Den Haag ausgebildet, außerdem besuchte sie Meisterkurse bei James McCray. Die Preisträgerin renommierter Internationaler Wettbewerbe (u. a. »Angelica Catalani« und »Santa Maria Ligure«) gab ihr Operndebüt beim Aldeburgh Festival als Mutter Maria in Francis Poulencs Dialogues des Carmélites. Es folgten Gast-Engagements an verschiedenen europäischen Bühnen (Novi Sad, Skopje, Riga, Teatro Manzoni in Rom) und an der Komischen Oper Berlin, wo im Jahr 2001 ihre Gestaltung der Chrysothemis in Elektra besondere Aufmerksamkeit erregte. Vom selben Jahr an bis 2006 gehörte Eva-Maria Westbroek zum Ensemble der Staatsoper Stuttgart, wo sie als Tosca debütierte und Partien wie Carlotta (Die Gezeichneten), Herzogin (Doktor Faust) und Desdemona (Otello) sang. Die Sopranistin ist sowohl auf den Bühnen bedeutender Musikmetropolen wie Dresden, München, Wien, Paris, Amsterdam und London (in beiden Städten begeisterte sie als Katerina Ismailowa in Lady Macbeth von Mzensk), Mailand, New York und Tokio als auch im Rahmen von Festspielen wie denjenigen in Bregenz und Salzburg zu erleben. Bei den Bayreuther Festspielen 2008 trat Eva-Maria Westbroek als Sieglinde auf; für ihre Interpretation der Jenůfa an der Bayerischen Staatsoper wurde sie 2010 mit dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust« ausgezeichnet. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte Eva-Maria Westbroek erstmals Ende Oktober 2005 in zwei von Sir Simon Rattle dirigierten Konzerten als Sieglinde im ersten Akt der Wagner-Oper Die Walküre.

Julianne Young wurde in Schottland geboren und wuchs in Kapstadt auf, wo sie auch ihre Gesangsausbildung erhielt. 1999 ermöglichte ihr ein Stipendium die Forsetzung ihrer Studien bei Lillian Watson am Royal College of Music in London. Opernengagements führten die bei renommierten Wettbewerben ausgezeichnete Mezzosopranistin in den vergangenen Jahren auf bedeutende Bühnen von Musikmetropolen und Festivalorten in ganz Europa, wo sie in Partien wie Mother Goose und Baba the Turk (The Rake’s Progress), Alcina (Orlando furioso), Sorceress (Dido and Aeneas), Angelina (La Cenerentola), Idamante (Idomeneo), Cherubino (Le nozze di Figaro), Zweite Dame (Die Zauberflöte) und Hänsel (Hänsel und Gretel) zu erleben war. Im Rahmen der von Sir Simon Rattle dirigierten Walküren-Produktion beim Festival in Aix-en-Provence (2007) und bei den Salzburger Osterfestspielen (2008) – ihrer bisher einzigen Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern – sang Julianne Young die Waltraute. Mit Liederabenden sowie als Solistin im oratorischen und vokalsymphonischen Bereich gastierte die Künstlerin in den wichtigsten Sälen Großbritanniens und darüber hinaus u. a. in Italien, Südafrika und Japan. Dabei ist sie beispielweise mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem English Chamber Orchestra und dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI sowie den Dirigenten Sakari Oramo, Peter Schreier und Jeffrey Tate aufgetreten.

EMISir Simon Rattle tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von EMI Classics auf.

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