Konzert zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl

Di, 26. April 2011

Staatskapelle Berlin, Streicher der Berliner Philharmoniker
Andrey Boreyko

  • Dmitri Schostakowitsch
    Kammersymphonie c-Moll · Ukrainische und russische Chorsätze (1:10:49)

    Streicher der Berliner Philharmoniker, Kammerchor Credo, Kiew, Bogdan Plish Leitung, Therese Affolter Sprecherin, Christian Brückner Sprecher

  • Tōru Takemitsu
    Requiem für Streichorchester (10:36)

    Staatskapelle Berlin

  • Peter Tschaikowsky
    Symphonie Nr. 6 h-Moll op. 74 »Pathétique« (52:00)

    Staatskapelle Berlin

  • kostenlos

    Über das Benefizkonzert zum 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (10:35)

    Peter Hauber, Bogdan Plish, Wolfgang Hinzpeter, Christian Brückner, Therese Affolter, Stanley Dodds

Erst kürzlich sind die Berliner Philharmoniker und die Staatskapelle Berlin gemeinsam in der Philharmonie aufgetreten - in einem UNICEF-Konzert für Kinder in Japan. Jetzt kommen beide Orchester erneut zusammen, um in einem weiteren Benefizkonzert den 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu begehen. Dirigent des Abends ist Andrey Boreyko.

Angesichts der atomaren Katastrophe in Japan gewinnt dieses Gedenkkonzert eine besondere Aktualität: Während die ganze Welt heute auf das Atomkraftwerk in Fukushima blickt, verfolgten die Menschen vor einem Vierteljahrhundert mit Schrecken, wie es im Reaktor von Tschernobyl zu einem furchtbaren Unfall kam und radioaktive Stoffe austraten, an deren verheerend schädlichen Wirkungen noch heute viele Menschen leiden, vor allem Kinder. Tschernobyl ist ein Wahrzeichen geworden für die Gefahren, die mit der Atomkraft einhergehen.

Daran zu erinnern, mehr aber noch: der vielen Opfer der Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Japan zu gedenken, ist das Ziel dieses Abends. Der musikalische Teil wird begleitet durch Texte von Swetlana Alexijewitsch, Günther Anders und anderen Schriftstellern. Die Einnahmen aus dem Konzert und aus der Übertragung in der Digital Concert Hall kommen der Kinder von Tschernobyl-Stiftung des Landes Niedersachsen, Heim-statt Tschernobyl e.V. sowie der Japan-Hilfe der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) zugute.

Ein Konzert von IPPNW-Concerts, der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Staatskapelle Berlin.

Das kriegerische und das friedliche Atom

Acht Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki – der atomare Rüstungswettlauf hat längst begonnen – stellt US-Präsident Dwight Eisenhower vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen sein Programm »Atoms for Peace« vor. Er kündigt an, die USA würden ihr Wissen um die Atomenergienutzung mit den Völkern der Welt teilen – nicht um neue Bomben zu bauen, sondern um »die Atomenergie für die Bedürfnisse der Landwirtschaft, der Medizin und anderer friedlicher Aktivitäten nutzbar zu machen. Ein vorrangiges Ziel wird es sein, reichlich elektrischen Strom für die energiearmen Gegenden der Welt zu erzeugen«. Diese Rede ruft ein begeistertes Echo hervor. Der US-Kongress novelliert kurz danach das Atomenergiegesetz, um die kommerzielle Entwicklung der neuen Energieform abzusichern. Der Konzern General Electric vertreibt millionenfach die Broschüre Atom bei der Arbeit, die Walt-Disney-Studios produzieren den Film Unser Freund, das Atom.

1957 wird in Wien die Internationale Atomenergiebehörde IAEA (International Atomic Energy Agency) gegründet. Als Einrichtung der Vereinten Nationen hat sie die Aufgabe, die Energieerzeugung durch Kernkraft weltweit zu propagieren. Der Nebeneffekt: Jedes Land, das ein Atomkraftwerk besitzt, hat somit auch Zugang zum »Stoff für die Bombe«, denn beim Betrieb von Kernkraftwerken mit Uran wird Plutonium erbrütet. Auf diese Weise erhöht der Betrieb von Kernkraftwerken das Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen. Ende 1985 arbeiten weltweit 374 Atomreaktoren. Von der Gründung der IAEA bis 2006 vergrößert sich der Club der Atommächte von drei auf neun. Damit steht fest: Das friedliche Atom ist der Zwilling und Komplize des kriegerischen Atoms.

Die ersten atomaren Unglücke mit großflächiger radioaktiver Verseuchung, sei es in den USA oder der UdSSR, gelangen kaum an die Öffentlichkeit. Als es 1979 im US-Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg zu einem schweren Unfall mit partieller Kernschmelze und Austritt von Radioaktivität in die Umwelt kommt, berichtet das Time Magazin ausführlich darüber – mit der großen Überschrift auf der Titelseite: »Nuclear Nightmare« (Atomarer Alptraum). Es soll noch schlimmer kommen.

Tschernobyl und das Ende der Zeit

Am 26. April 1986 um 1:23 Uhr zerstört eine Serie von Explosionen Reaktor und Gebäude des Energieblocks 4. In einer Feuersäule wird das radioaktive Inventar des Reaktors in große Höhe emporgewirbelt und vom Wind fortgetragen. Die nördliche Ukraine und das heutige Weißrussland sind vom radioaktiven Niederschlag der nächsten Tage am stärksten betroffen. Es braucht weniger als eine Woche, dass sich der Unfall von Tschernobyl zum Problem für die ganze Welt ausweitet. In Deutschland streiten Politiker über zumutbare Grenzwerte der radioaktiven Belastung von Nahrungsmitteln, stillende Mütter lassen ihre Milch untersuchen und Schwangere fürchten um ihre ungeborenen Kinder.

Für das kleine Weißrussland, über das der größte Teil der radioaktiven Wolke niedergeht, und seine knapp zehn Millionen Einwohner wird die Katastrophe zu einem nationalen Unglück. Heute lebt jeder fünfte auf radioaktiv verseuchtem Gebiet. Das sind zwei Millionen Menschen, davon 700.000 Kinder. Unter den Todesursachen in der Region nimmt die radioaktive Strahlung den ersten Platz ein. In manchen Gebieten ist die Sterblichkeitsrate höher als die Geburtenziffer.

Nicht anders ist die Lage der Menschen in den angrenzenden Regionen der Ukraine und Russlands. Swetlana Alexijewitsch lässt sie in Ihrem Buch Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft zu Wort kommen. Es sind erschütternde Dokumente eines Ereignisses, das als der bis dahin schwerste Unfall seit Beginn der »friedlichen« Nutzung der Atomkraft in die Geschichte eingegangen ist. Zur Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe, insbesondere zu Bergungsarbeiten, werden über 500.000 »Liquidatoren« eingesetzt, überwiegend Armeeangehörige, aus der gesamten Sowjetunion – oft unfreiwillig und nicht über das Risiko ihres Auftrags aufgeklärt. Die Hölle erleben jene, die so gut wie ungeschützt das Dach des zerstörten Atomkraftwerks säubern müssen; anderthalb bis zwei Minuten pro Tag auf dem Dach. Danach werden sie aus der Armee entlassen, erhalten eine Urkunde und eine Prämie von 100 Rubel; schließlich verschwinden sie in den endlosen Weiten ihrer Heimat. Außer Erzählungen über Einzelschicksale gibt es keine Aufzeichnungen über ihr weiteres Leben. Die Bewohner von Tschernobyl glauben, das »Ende der Zeit« sei gekommen: »Das Feindbild hatte sich plötzlich verändert, denn töten konnte das abgemähte Heu, der geangelte Fisch, das gefangene Tier, ein Apfel. Die Welt um uns herum, uns früher so gefügig und freundlich gesinnt, flößt nun Angst ein.« (Swetlana Alexijewitsch)

Wir, die wir weit weg wohnen, spüren es nicht und verdrängen das Wissen: Die lange strahlenden winzigen Teilchen des »friedlichen« und des »kriegerischen« Atoms, nach hunderten von oberirdischen Atombombentests und der Tschernobyl-Katastrophe vom Winde verweht, sind zu unseren ständigen Begleitern geworden. Sie sind in uns, in unseren Seen und Meeren und wenige Zentimeter unter der Erde in unseren Gärten, Feldern, Wäldern und Wiesen. Heute gibt es weltweit in 30 Ländern rund 440 Kernreaktoren in 210 Kernkraftwerken. Bei jedem dieser Reaktoren kann zu jeder Zeit ein unbeherrschbarer Fehler eintreten, und der Super-GAU kann sich wiederholen. Niemand will die Frage nach den Folgen einer großen atomaren Katastrophe in einem hoch industrialisierten und dicht besiedelten Land ernsthaft stellen. Behält Murphys Gesetz – »Whatever can go wrong, will go wrong« (Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen) – auch bei höchstem technischem Standard seine Gültigkeit?

Dann geschieht das, was bis dahin keiner für möglich gehalten hätte: Am 11. März 2011 um 14:45:49 Uhr Ortszeit erschüttern ein schweres Erdbeben und ein nachfolgender Tsunami Japan und seine Menschen. In mehreren Atomreaktoren kommt es zu Störfällen. Alle nur erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen versagen. Die verheerenden Folgen sind nicht abzusehen. Der Rest der Welt blickt hilflos auf dieses Land und seine Menschen. Zu diesem Zeitpunkt sind noch alle übrigen Kernkraftwerke weltweit in Betrieb.

Warum haben wir aus all dem nichts gelernt? – Der Philosoph Günther Anders, Autor des Buches Hiroshima ist überall, sieht die Menschheit im Zustand der »Apokalypse-Blindheit« bzw. »Apokalypse-Stumpfheit«. Wir seien »invertierte Utopisten«, die sich das, was sie herstellen, nicht vorstellen können. (Der Utopist kann das, was er sich vorstellt, nicht herstellen.) Anders Worte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind heute aktueller denn je: »Die Fortführung und Verwendung dieser Kraftwerke ist reiner Mord, Genozid, sogar Auslöschung der Zukunft. Die Gleichsetzung von Atomwaffen und Atomkraftwerken ist legitim. Tschernobyl hat gezeigt, dass diese Anlagen, die, auch wenn sie nicht wie Bomben oder Raketen den Tod von Tausenden bezwecken, diesen doch in Kauf nehmen. Der Ausdruck ›friedliche Nutzung der Kernenergie‹ ist eine Lüge. Wir sind die Angegriffenen, die Menschheit als Ganzes ist angegriffen und hat sich zu verteidigen.«

Peter Hauber – IPPNW-CONCERTS

Therese Affolter wurde nach Abschluss ihres Schauspielstudiums in Wien 1974 von Claus Peymann an das Württembergische Staatstheater Stuttgart geholt. Weitere Engagements führten sie ans Schauspielhaus Hamburg (1980 – 1982) und ans Residenztheater München (1982 – 1984), bevor sie mit Jürgen Flimm zunächst in Köln, dann am Hamburger Thalia Theater arbeitete. 1987 holte George Tabori sie an das von ihm geleitete, am Wiener Schauspielhaus angesiedelte Theater Der Kreis. Wiederum unter Claus Peymanns Regie spielte Therese Affolter im Ensemble des Wiener Burgtheaters; dann folgte sie ihm ans Berliner Ensemble. Dem Theaterpublikum ist sie nicht zuletzt als Brecht-Interpretin präsent. Im Februar 2000 übernahm Therese Affolter bei der Uraufführung des Stücks Das Ende der Paarung von Franz Xaver Kroetz die Rolle der Petra Kelly. Einer ihrer großen Leinwand-Erfolge war die Darstellung der Ulrike Meinhoff in dem 1986 mit dem Goldenen Bären prämierten Film Stammheim (Regie: Reinhard Hauff). Zu den Auszeichnungen Therese Affolters gehört der Kunstpreis des Kantons Solothurn (2001). Als Gast der Stiftung Berliner Philharmoniker tritt sie heute zum ersten Mal auf.

Andrey Boreyko, seit Beginn der Saison 2009/2010 Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker, stammt aus St. Petersburg und studierte am dortigen Konservatorium Dirigieren sowie Komposition. Der mehrfache Preisträger (z. B. der Wettbewerbe »Grzegorz Fitelberg« in Katowice und »Kyrill Kondraschin« in Amsterdam) begann seine Dirigentenkarriere mit Tätigkeiten in St. Petersburg, Uljanowsk, Jekaterinenburg und Poznań. Es folgten Positionen als Chefdirigent und Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie (die ihn anschließend zu ihrem Ehrendirigenten ernannte), als Erster Gastdirigent der Vancouver Symphony sowie als Principal Associate Conductor des Russischen Nationalorchesters. Im Herbst 2001 wurde er Musikdirektor des Winnipeg Symphony Orchestra, zu Beginn der Saison 2004/2005 Chefdirigent der Hamburger Symphoniker. In gleicher Position stand Andrey Boreyko vom Beginn der Saison 2005/2006 an für fünf Spielzeiten als Chefdirigent an der Spitze des Berner Symphonieorchesters. Neben seinen Verpflichtungen in Düsseldorf ist er als Erster Gastdirigent sowohl dem Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR als auch dem Orquesta Sinfónica de Euskadi San Sebastian (Spanien) verbunden; im September 2012 wird er Chefdirigent des Orchestre National de Belgique. Andrey Boreyko hat als Gast Spitzenorchester in aller Welt geleitet, unter anderem die Münchner und die Berliner Philharmoniker, die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Tonhalle-Orchester Zürich, das Orchestre de la Suisse Romande, das Concertgebouworkest Amsterdam, das Symphonieorchester des Schwedischen Rundfunks, die bedeutenden Londoner Orchester sowie die führenden amerikanischen Orchester in Chicago, Boston, Cleveland, Philadelphia, New York und Los Angeles. Vor wenigen Wochen erst war er auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker am Pult der Jungen Deutschen Philharmonie mit Werken von Strawinsky, Prokofjew, Debussy und Bartók zu erleben.

Christian Brückner wurde in Schlesien geboren und wuchs in Köln auf. In Berlin studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaften, belegte Schauspielkurse, nahm Sprechunterricht und bekam schnell Engagements im Hörfunk und in den Synchronstudios der Stadt. Einer großen Zahl von Schauspielern gab er eine deutsche Stimme, seit vielen Jahren vor allem Robert de Niro, aber auch Alain Delon, Warren Beatty und Harvey Keitel. Christian Brückner hat als Sprecher in ungezählten Hörspielen, Literatursendungen und Features sowie bei Hörbüchern und Fernsehdokumentationen mitgewirkt, wofür er 1990 den Grimme-Preis Spezial in Gold erhielt. Theater spielte er immer wieder in Freiburg, Berlin und New York. Wichtig sind Christian Brückner seine öffentlichen Literaturlesungen, die oft in einen musikalischen Zusammenhang eingebunden sind und heute einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er u. a. im Februar 2004 als Erzähler in Strawinskys Histoire du soldat sowie im April 2007 und im Oktober 2008 als Sprecher in Philharmonischen Salons zu Gast.

Der Kammerchor CREDO wurde im Juni 2002 von Bogdan Plish gegründet. Seine Mitglieder, 40 talentierte junge Sängerinnen und Sänger, sind Absolventen und Studenten der Nationalen Musikakademie der Ukraine »P. I. Tschaikowsky« in Kiew und der dortigen Staatlichen Universität für Kunst und Kultur. Während der letzten fünf Jahre haben sie mehr als 60 Programme vorbereitet und präsentiert. Schwerpunkt der Aktivitäten des Vokalensembles ist das Bekanntmachen seltener, anspruchsvoller geistlicher und weltlicher Kompositionen. Das Repertoire beinhaltet Sakralmusik sowohl aus alten Zeiten als auch moderner Komponisten. Beeindruckend ist die Klangkultur des Chors: Duos, Trios oder Einzelstimmen werden solistisch oder auf dem Fundament des gesamten Chors gesungen. Doppelchörigkeit oder antifonische Gegenüberstellungen von Frauen- und Männerstimmen wie auch vielschichtige polyfone Partien erschließen beispielsweise die Gesänge und Gebete des Schostakowitsch-Meisterschülers Georgi Swiridow. Der Chor nahm an mehreren Festivals geistlicher Musik in Russland, Polen, Italien und Deutschland teil. Im Jahr 2005 wurde CREDO in Rottenburg als »die Krönung des Festivals« gefeiert. Höhepunkte in Berlin und Brandenburg waren die Konzerte zum Volkstrauertag 2006 im Berliner Dom und zum Hiroshima-Gedenktag 2007 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sowie die Aufführung der Liturgia Domestica von Alexander Gretschaninow in der Friedenskirche Potsdam-Sanssouci. Der Kammerchor Credo gab sein Debüt in der Berliner Philharmonie mit einem Lunchkonzert im Dezember 2009; zu hören ist er auch auf der CD Nr. 62 des Labels IPPNW-Concerts.

Bogdan Plish, Jahrgang 1977, ist Absolvent der Nationalen Musikakademie der Ukraine »P. I. Tschaikowsky« in Kiew. 2005 gewann er den Grand Prix für Chordirigenten der Ukraine. Bei seiner Chorarbeit legt Bogdan Plish besondere Akzente auf geistliche und weltliche A-cappella-Werke klassischer und zeitgenössischer Komponisten. 2008 gastierte er mit dem Ensemble der Staatsoper Kiew in Japan.

Die Staatskapelle Berlin gehört mit ihrer seit dem 16. Jahrhundert bestehenden Tradition zu den ältesten Orchestern der Welt. Von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg als Hofkapelle gegründet, erhielt das Ensemble 1742 mit der Gründung der Königlichen Hofoper durch Friedrich den Großen einen erweiterten Wirkungskreis. Dem Opernhaus Unter den Linden ist die Staatskapelle fest verbunden. Bedeutende Musikerpersönlichkeiten leiteten den Opernbetrieb sowie die seit 1842 regulär stattfindenden Konzertreihen des Orchesters: Mit Gaspare Spontini, Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacomo Meyerbeer, Felix von Weingartner, Richard Strauss, Erich Kleiber, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Franz Konwitschny und Otmar Suitner sind nur einige Dirigenten genannt, welche die instrumentale und interpretatorische Kultur der Staatskapelle Berlin entscheidend prägten. Seit 1992 steht Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden an der Spitze des Orchesters. Im Jahr 2000 wählte ihn die Staatskapelle zum Dirigenten auf Lebenszeit. Regelmäßige Gastspielreisen führen das Orchester in alle großen europäischen Musikzentren, nach Israel, Japan, China sowie Nord- und Südamerika und unterstreichen seine internationale Spitzenstellung. Die Staatskapelle Berlin wurde in den Jahren 2000 bis 2008 fünf Mal von der Zeitschrift Opernwelt zum »Orchester des Jahres« gewählt. 2009 feierte sie einen triumphalen Erfolg mit einem zehnteiligen Mahler-Zyklus unter der Leitung von Daniel Barenboim und Pierre Boulez im Wiener Musikverein und in der New Yorker Carnegie Hall. Neben ihrer Mitwirkung bei Opernaufführungen und in den großen Symphoniekonzerten widmen sich zahlreiche Mitglieder der Staatskapelle der Arbeit in unterschiedlich besetzten Kammerensembles sowie in der Formation Preußens Hofmusik. In der 1997 gegründeten Orchesterakademie erhalten junge Instrumentalisten Gelegenheit, Berufserfahrungen in Oper und Konzert zu sammeln. Staatskapellen-Mitglieder sind hierbei als Mentoren aktiv; viele von ihnen engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich im 2005 auf Initiative Daniel Barenboims gegründeten Musikkindergarten Berlin.

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