Vladimir Jurowski dirigiert Mahler und Strawinsky

So, 12. Juni 2011

Berliner Philharmoniker
Vladimir Jurowski

  • Johann Sebastian Bach
    Choral-Variationen über »Vom Himmel hoch da komm‘ ich her« (Bearbeitung für Chor und Orchester von Igor Strawinsky) (13:16)

    Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • Igor Strawinsky
    Requiem Canticles für Soli, Chor und Orchester (22:30)

    Iris Vermillion Alt, Markus Brück Bariton, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einführung

  • Gustav Mahler
    Das klagende Lied (dreisätzige Urfassung für Soli, gemischten Chor und Orchester) (69:02)

    Christine Schäfer Sopran, Michael König Tenor, Iris Vermillion Alt, Markus Brück Bariton, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • kostenlos

    Simon Halsey über Mahler, Bach, Stravinsky (16:30)

    Simon Halsey

Vladimir Jurowski ist spätestens seit dem Jahr 2007 eine unübersehbare Größe im internationalen Musikleben. Damals wurde der erst 35-Jährige zum Chef des London Philharmonic Orchestra ernannt - ein Posten, den vor ihm unter anderem Kurt Masur und Georg Solti innehatten. An Jurowskis Interpretationen wird vor allem gelobt, dass sie eigentlich widersprüchliche Qualitäten in sich vereinen: nämlich scharfsinnige Analyse und emotionales Feuer. Dazu kommt eine einnehmende physische Präsenz, die einen Londoner Kritiker zu der Feststellung veranlasste, Jurowski sei »the most sheerly elegant conductor I've ever seen«.

Bei seinem Gastspiel bei den Berliner Philharmonikern dirigiert Jurowski Das klagende Lied des jungen Gustav Mahler. Furchtbares und Phantastisches geschieht in dieser Kantate: Ein Jüngling ermordet den eigenen Bruder, seine Tat jedoch wird durch das Lied einer magischen Flöte enthüllt. Noch in reiferen Jahren war der Komponist mit seiner Schöpfung zufrieden: »Mein erstes Werk, in dem ich mich als ›Mahler‹ gefunden, ist ein Märchen für Chor, Soli und Orchester: Das klagende Lied!« Und in der Tat: zwar gibt es hier reichlich Waldweben und Leitmotive in schönster Wagner-Manier, aber es findet sich eben auch jener schwer beschreibbare, dabei unverkennbare Mahler-Ton.

Mahlers frühem Werk stehen an diesem Abend zwei späte Kompositionen Igor Strawinskys gegenüber. Zunächst eine Neufassung von Bachs Orgelvariationen über »Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her«, die Strawinsky mit zusätzlichen Farben und einem ganz eigenen spielerischem Charme anreichert. Abwechslungsreich geben sich auch die Requiem canticles, die dabei von einer schwer greifbaren Ernsthaftigkeit verklammert werden. Die in ihrer kühlen Distanziertheit berührenden Gesänge, Strawinskys letztes größeres Werk, wurden zu seinem eigenen Requiem. 1971 erklangen sie bei der Totenfeier für den Komponisten in Venedig.

»Wo die dunklen Empfindungen walten«

Der späte Strawinsky und der frühe Mahler

Ein einziges Mal haben sich die Wege der beiden gekreuzt. Im November 1907, wenige Wochen nach seiner Demission von der Wiener Hofoper, dirigierte Gustav Mahler in St. Petersburg seine Fünfte Symphonie. Als Komponist war er in Russland noch völlig unbekannt, entsprechend ratlos reagierte das Publikum; Nikolaj Rimsky-Korsakow äußerte sich sogar entschieden ablehnend. Wie Korsakows früherer Privatschüler Igor Strawinsky als 25-Jähriger die Symphonie erlebte, ist nicht überliefert. Im Gespräch mit Robert Craft erinnert er sich 1956 nur noch an Mahlers äußere Erscheinung und dessen Dirigieren; über die Musik selbst fällt kein Wort.

Ein pointierterer ästhetischer Gegensatz zwischen zwei Komponisten ist kaum denkbar: Auf der einen Seite der gebürtige Böhme und assimilierte österreichische Jude, einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit und ein mit allen Wassern der orchestralen Technik gewaschener Praktiker. Gleichzeitig jedoch fest verwurzelt in der Tradition des romantischen Genie-Typus: im Glauben an das Geheimnis der spontanen Inspiration und an den unergründlichen »Parallelismus zwischen Leben und Musik«. Getrieben überdies von dem Bedürfnis, in seiner Musik dahin zu gelangen, »wo die dunklen Empfindungen walten«, an eine »Pforte, die in die ›andere‹ Welt hineinführt; die Welt, in der die Dinge nicht mehr durch Zeit und Ort auseinander fallen.« Die Suche nach dem Transzendenten und die schiere Monumentalität: Bei Mahler sind sie zwei Seiten einer Medaille.

Am anderen Ende des Spektrums Strawinsky, der zwischen Europa und den USA pendelnde russische Weltbürger, entschiedener Gegner jeder Inhalts- und Gefühlsästhetik. Voller Misstrauen gegen Pathos und subjektiven »Ausdruck«, dafür umso unerbittlicher auf der Suche nach Klarheit, Präzision, Nüchternheit. Nicht umsonst stellt sein theoretisches Hauptwerk, die als Poétique musicale veröffentlichten Harvard-Vorlesungen von 1939/40, den handwerklichen Aspekt des Komponierens ins Zentrum – das »Machen« und Verfertigen. Der Gedanke an subjektive Selbstentäußerung bleibt Strawinsky fremd; immer wichtiger werden dagegen die rituellen Aspekte der Musik. Im Grunde sei er »außerhalb der Zeit geboren«, meinte er gegen Ende seiner langen Laufbahn. Vom Talent her, so glaubte er, hätte er »besser für ein Leben eines kleinen Bach gepasst [...], für ein Leben in Anonymität, ein regelmäßiges Komponieren für einen institutionellen Kirchendienst und für Gott«. So wenig Strawinskys christlicher Glaube in Frage steht – seine verbale Bescheidenheitsgeste ist nicht frei von Koketterie: Noch die scheinbar leidenschaftslosen, ganz und gar apollinisch gefassten Werke der letzten Schaffensperiode verraten jederzeit den Sinn für extravagante Klangwirkungen und erlesene artistische Duftnoten.

1955/56 bearbeitet Igor Strawinsky die Orgel-Variationen über das Weihnachtslied »Vom Himmel hoch« von Johann Sebastian Bach für gemischten Chor und kleines Orchester, und zwar, wie er im Manuskript selbstironisch vermerkt, »mit der Genehmigung des Meisters«. Die fünf Canonischen Veränderungen aus den Jahren 1746/47 sind ein Gipfelpunkt von Bachs Spätwerk. Strawinsky aber erstarrt keineswegs in Pietät; er scheut sich nicht, der ersten Variation den auf sechs Stimmen erweiterten Choral im Blech voranzustellen. Anders als Bach, der alle Variationen in C-Dur belässt, wandert er von C über G nach Des und wieder zurück, wobei er jeder Veränderung ihre eigene charakteristische Instrumentierung mitgibt. Von der zweiten Variation an ist zudem der jeweils unterschiedlich besetzte Chor mit einbezogen. Neben kleinen Änderungen in Phrasierung und Akzentsetzung fügt Strawinsky dem komplizierten Stimmengeflecht diskret weitere kontrapunktische Einsätze hinzu; er komponiert Bachs Werk quasi weiter. Während der Widmungsträger Robert Craft bemerkte, Strawinsky habe »seine Persönlichkeit derjenigen Bachs übergestülpt«, erkennt Volker Scherliess in der Bearbeitung eine »analytische Deutung und Annäherung mit eigenen Mitteln«, der es gerade nicht um Verfremdung zu tun sei. Zweifellos klingt Strawinskys Version spielerischer als das Original; der koloristische Reiz der Instrumente und der Einsatz des Chors leiten die Aufmerksamkeit unwillkürlich weg von Bachs faszinierender Satzkunst.

Neben der Beschäftigung mit der Musik vom Mittelalter bis Bach ist Strawinskys Alterswerk bekanntlich von der Hinwendung zur Zwölftontechnik bestimmt. Craft, der enge Mitarbeiter des Komponisten seit 1948 und ein profunder Kenner der Zwölftonmeister, machte Strawinsky mit den reihentechnischen Verfahren vertraut. Deren Regeln und Einschränkungen, so stellte jener bald fest, »unterscheiden sich wenig von der Strenge der alten kontrapunktischen Schulen«. Die knapp viertelstündigen Requiem Canticles (Requiem-Gesänge) von 1965/66 stützen sich auf zwei verschiedene Reihen; sie sind eines der technisch striktesten Werke des späten Strawinsky überhaupt. Dabei ist der Höreindruck von enormer Plastizität.

Während das Œuvre des späten Strawinsky – verglichen mit seinen populären frühen Balletten – wenigstens gelegentlich aufgeführt wird, gehört Das klagende Lied des knapp 20-jährigen Gustav Mahler noch immer nicht zum festen Repertoirebestand – trotz der weiterhin wachsenden Beliebtheit des Komponisten. Dabei nimmt die rund 65-minütige Kantate nicht nur eine Reihe stofflich-inhaltlicher Motive der späteren Symphonien vorweg, sie spricht auch unverkennbar schon in jenem Ton schwermütig-ironischer Gebrochenheit, der Mahlers Musik fortan kennzeichnen wird. Bei allen Anklängen an Weber und Wagner, trotz mancher Unebenheiten im Detail – das Allermeiste ist schon da: Der stetige Wechsel von Dur und Moll und von Klängen aus Nah und Fern, das Montage-artige Nebeneinander des Disparaten. Dazu die unmittelbare Sinnfälligkeit der Motive, ob es sich nun um Marschcharaktere, Bläsersignale oder stilisierte Naturlaute handelt.

Neben der frappierenden Sicherheit in der Behandlung der vokalen und instrumentalen Massen ist es vor allem die originelle Mischung lyrischer, erzählender, dramatischer und genuin symphonischer Elemente, die Mahlers »absolute Begabung« (Pierre Boulez) ausweisen. Balladenhaft wird der Text von den Soli im Wechsel vorgetragen, ohne dass diese individuelle Rollen annähmen; der Chor hat überwiegend kommentierende Funktion. Ein dicht gewobenes Netz prägnanter, aber wandlungsfähiger Motive stellt Antizipationen und Reminiszenzen her und sorgt damit für den stimmigen Großzusammenhang.

Für den selbst verfassten Text stützte sich Mahler auf das gleichnamige Märchen aus Ludwig Bechsteins Neuem Deutschen Märchenbuch (1856), wobei er unter anderem auch Motive aus Der singende Knochen der Brüder Grimm mit einbezog. Die Handlung dreht sich, in typischer Märchenart, um zwei Brüder – »der eine hold und von mildem Sinn, der andre konnte nur fluchen«. Beide suchen im Wald nach der »roten Blume«, mit der allein die »stolze Königin« zu gewinnen wäre. Der jüngere der beiden Brüder findet die Blume und legt sich mit ihr am Hut arglos unter die grüne Weide. Als der Ältere ihn schlafend findet, tötet er den Rivalen und raubt die Blume. Im zweiten Teil entdeckt ein Spielmann im Wald ein »Knöchlein« des dort Vergrabenen und schnitzt sich eine Flöte daraus. Als er auf ihr zu spielen beginnt, erklingt das klagend-anklagende Lied des ermordeten Bruders. Der Spielmann begibt sich zum Königsschloss; die Hochzeit ist bereits im Gange. Als der bleiche König das klagende Lied hört, nimmt er selbst die Flöte und bläst die Weise, die ihn der bösen Tat bezichtigt. Die Hochzeitsgesellschaft flieht erschrocken, das Licht erlischt, und die Mauern des Schlosses stürzen in sich zusammen.

Anselm Cybinski

Markus Brück studierte Gesang an den Musikhochschulen in Mannheim, Heidelberg und Köln. Nach Engagements in Hagen, Kaiserslautern und Wiesbaden kam der Bariton 2001 an die Deutsche Oper Berlin. Dort war er beispielsweise als Pagageno (Die Zauberflöte), Figaro (Il barbiere di Siviglia), Marcello (La Bohème), Ford (Falstaff), Beckmesser (Die Meistersinger von Nürnberg), Donner (Das Rheingold) und Gunther (Götterdämmerung) zu erleben. Gastspiele führten ihn u. a. an die Bayerische und die Hamburgische Staatsoper, die Semperoper Dresden sowie nach Mailand, Tokio und Seoul. Auch im Konzertfach ist Markus Brück regelmäßig tätig. So gastierte er z. B. als Solist im Deutschem Requiem von Johannes Brahms mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra unter Donald Runnicles in Glasgow und Edinburgh. Im Februar 2011 wurde Markus Brück zum Kammersänger der Deutschen Oper Berlin ernannt. Bei den Berliner Philharmonikern gibt er in diesen Konzerten sein Debüt.

Vladimir Jurowski wurde 1972 in Moskau als Sohn des Dirigenten Michail Jurowski geboren. Die musikalische Ausbildung begann er am Moskauer Konservatorium bei seinem Vater, nach der Übersiedlung der Familie in die Bundesrepublik (1990) setzte er sie an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort. 1995 gab Vladimir Jurowski sein internationales Debüt beim Wexford Festival. Seitdem hat er an vielen bedeutenden Bühnen dirigiert, z. B. an Covent Garden in London, an der Bastille-Oper in Paris, an der New Yorker Metropolitan Opera, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel und beim Rossini-Festival in Pesaro. Von 1996 bis 2001 war Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin; 2001 wurde er Musikalischer Leiter des Opernfestivals in Glyndebourne. 2007 übernahm Vladimir Jurowski die Leitung des London Philharmonic Orchestra, dem er bereits seit 2003 als Erster Gastdirigent verbunden gewesen war. In den Jahren 2005 bis 2009 wirkte er auch als Erster Gastdirigent des Russischen Nationalorchesters, mit dem er weiterhin zusammenarbeitet. Als Gastdirigent stand Vladimir Jurowski u. a. am Pult der Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und der RAI Turin, des Philharmonischen Orchesters Oslo, der Dresdener Staatskapelle, des Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam und des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Bei den Berliner Philharmonikern gab er sein Debüt im Juni 2003 mit Werken von Rachmaninow, Prokofjew und Strawinsky.

Michael König studierte Gesang bei Rudolf Piernay an der Hochschule für Musik in Mannheim und besuchte Kurse u. a. bei Waltraud Meier und Semjon Skigin. 1994 gab er sein Operndebüt in Ludwigshafen in Giuseppe Verdis I due foscari. Der Preisträger des 6. Meistersingerwettbewerbs in Nürnberg 1997 und des Wettbewerbs der European Union Opera 1998 gastierte bereits an wichtigen europäischen Opernhäusern, u. a. in Basel, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Paris, Wien und Zürich. Zum Repertoire Michael Königs zählen Partien wie Lenski (Eugen Onegin), Narraboth (Salome), Tamino (Die Zauberflöte), Boris (Kát´a Kabanová), Max (Der Freischütz) und Florestan (Fidelio). An der Opéra national de Paris sang er 2007 die Tenorpartie in Janáčeks Tagebuch eines Verschollenen in einer Inszenierung unter Mitwirkung der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus, die auch in Barcelona und Tokio gastierte. Bei den Berliner Philharmonikern tritt Michael König in diesen Konzerten zum ersten Mal auf.

Der Rundfunkchor Berlin, 1925 gegründet, prägte unter Dirigenten wie George Szell, Hermann Scherchen, Otto Klemperer und Erich Kleiber musikalische Sternstunden der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er mit seinem Chefdirigenten Helmut Koch die Oratorien Händels erstmals in der Originalgestalt international bekannt. Dietrich Knothe (1982 – 1993) formte den Chor zu einem Präzisionsinstrument für schwierigste Literatur; Robin Gritton (1994 – 2001) bereicherte und verfeinerte die Farbpalette des Ensembles. Seit 2001 leitet Simon Halsey den Rundfunkchor Berlin. Er legt besonderes Gewicht auf die stilistisch und sprachlich perfekte, dabei lebendige und mitreißende Wiedergabe von Werken aller Epochen und Stile. Eine rege Aufnahmetätigkeit dokumentiert diese Arbeit: Vor wenigen Wochen erst erhielt die gemeinsam mit den Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Kent Nagano entstandene CD-Veröffentlichung von Kaija Saariahos Oper L’amour de loin einen »Grammy Award« 2010 als beste Opernaufnahme. Simon Halsey, der im Januar dieses Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, initiierte außerdem zahlreiche Projekte des Chores im Bildungs- und Erziehungsbereich, die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe Broadening the Scope of Choral Music sowie einmal im Jahr ein großes Mitsingkonzert. Anfang Oktober 2010 lud der Rundfunkchor Berlin erstmals junge professionelle Chordirigentinnen und -dirigenten zur Internationalen Meisterklasse Berlin ein. Das Vokalensemble ist Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen verbinden ihn mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Bei ihnen gastierte der Rundfunkchor Berlin zuletzt Anfang März in drei Konzerten unter der Leitung von Herbert Blomstedt mit der Messe f-Moll von Anton Bruckner.

Christine Schäfer, in Frankfurt am Main geboren, erhielt ihre Gesangsausbildung an der Hochschule der Künste Berlin bei Ingrid Figur sowie in den Liedklassen von Aribert Reimann und Dietrich Fischer-Dieskau. Außerdem wurde ihre künstlerische Entwicklung von Arleen Augér und Sena Jurinac geprägt. 1988 begann sie mit ihrem Auftritt bei den Berliner Festwochen als Solistin der Uraufführung von Aribert Reimanns Nachtträumen eine steile internationale Karriere. Christine Schäfer singt sowohl Alte Musik als auch neueste, lyrische und große Koloratur-Partien. In aller Welt löst sie auf der Opernbühne, im Konzertfach sowie als Kammermusik- und Liedinterpretin gleichermaßen Begeisterung aus. Von der Zeitschrift Opernwelt wurde sie zur »Sängerin des Jahres 2006« gekürt; für ihre Gestaltung der Mozart-Rollen Cherubino und Donna Anna bei den Salzburger Festspielen desselben Jahres wählten sie die Musikkritiker zum »Star der Festspiele«. Im Herbst 2009 wurde die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes (2008) zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin berufen. In Orchester- und Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker gastiert Christine Schäfer seit 1995 regelmäßig: Zuletzt brachte sie Anfang März 2011 auf Einladung des Orchesters im Rahmen eines Liederabends mit dem Pianisten Eric Schneider im Kammermusiksaal Werke von Bach, Mahler, Wolf und Webern zur Aufführung.

Ralf Sochaczewsky erhielt seine Ausbildung als Chor- und Orchesterdirigent bei Christian Grube und Marc Piollet an der Universität der Künste Berlin sowie bei Rolf Reuter und Jörg-Peter Weigle an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler«. 2003/2004 war er Assistent beim Chor des Niederländischen Rundfunks. Seitdem hat er für Choreinstudierungen u. a. mit dem RIAS Kammerchor, dem Rundfunkchor Berlin, dem Chœur de Radio France und dem Prager Philharmonischen Chor zusammengearbeitet. Von 2008 bis 2010 war er Assistent von Vladimir Jurowski beim London Philharmonic Orchestra und bei der Glyndebourne Festival Opera (2008 für die Uraufführung von Peter Eötvös’ Oper Love and other Demons, 2010 bei Strawinskys The Rake’s Progress). Mittlerweile hat Ralf Sochaczewsky beispielsweise beim London Philharmonic Orchestra, beim Konzerthausorchester Berlin, bei der Cappella Cracoviensis und beim Kammerorchester der Minsker Philharmonie Konzerte dirigiert. Er leitet die beiden Berliner Chöre Cantus Domus und Ensemberlino Vocale.


Iris Vermillion studierte zunächst Flöte in Detmold, anschließend Gesang in Hamburg. 1988 wurde sie von Götz Friedrich an die Deutsche Oper Berlin engagiert. Seit ihrem internationalen Durchbruch als Dorabella und Cherubino unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt in Amsterdam ist sie ein begehrter Gast an bedeutenden Bühnen wie den Staatsopern in Berlin, München und Wien oder der Mailänder Scala. Iris Vermillion sang zunächst Mozart- und Händel-Partien; heute ist sie vor allem als Interpretin von Strauss (Capriccio, Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Salome) und Wagner (Fricka, Waltraute, Adriano und Brangäne) bekannt, aber auch in Werken wie Werther, Les Contes d’Hoffmann und Lulu zu hören. Für ihre Gestaltung der Titelrolle in Othmar Schoecks Penthesilea an der Dresdner Semperoper 2008 wurde Iris Vermillion mit dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust« ausgezeichnet. In ihrer ebenfalls umfangreichen weltweiten Konzerttätigkeit mit namhaften Dirigenten und Orchestern kommt der Musik Gustav Mahlers besondere Bedeutung zu.. Zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentieren die Vielseitigkeit der künstlerischen Tätigkeit von Iris Vermillion. Seit ihrem Debüt in einem Kammerkonzert der Berliner Philharmoniker im April 1993 gastierte Iris Vermillion mehrfach auch in Symphoniekonzerten des Orchesters, zuletzt Mitte September 1999 unter der Leitung von Kurt Masur als Solistin in Gustav Mahlers Kindertotenliedern.


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