Alan Gilbert und Thomas Zehetmair

  • Witold Lutosławski
    Symphonie Nr. 4 (00:23:13)

  • Leoš Janáček
    Putování dušičky (Die Wanderung einer kleinen Seele), Konzert für Violine und Orchester (nach den Skizzen vervollständigt und herausgegeben von Leoš Faltus und Miloš Štědroň) (00:20:08)

    Thomas Zehetmair Violine

  • Béla Bartók
    Der holzgeschnitzte Prinz, Ballettmusik Sz 60 (01:04:23)

  • kostenlos

    Thomas Zehetmair im Gespräch mit Eva-Maria Tomasi (00:13:14)

    Thomas Zehetmair, Eva-Maria Tomasi

»Der Mann am Pult, ..., kribbelte richtig vor Musikalität und interpretatorischer Zielstrebigkeit«, hieß es in der Berliner Morgenpost, nachdem Alan Gilbert im Februar 2006 erstmals die Berliner Philharmoniker dirigiert hatte. Der Amerikaner, heute Chef der New Yorker und Stockholmer Philharmoniker, war kurzfristig für den erkrankten Bernard Haitink eingesprungen. Sein Debüt gelang so überzeugend, dass 2009 und 2011 weitere Einladungen folgten.

Dieses Konzert nun bestreitet Alan Gilbert mit Werken, deren Schöpfer maßgeblich zu der musikalischen Identität ihres jeweiligen Landes beigetragen haben: Witold Lutosławski avancierte nach dem Zweiten Weltkrieg zum führenden Komponisten Polens. Stilistisch orientierte er sich zunächst an Béla Bartók und Igor Strawinsky, später auch an John Cage. Seine Vierte Symphonie zeigt, dass er noch in einer anderen Tradition wurzelt, und das ist die Musik Claude Debussys.

Für den Ungarn Béla Bartók waren Melodie, Rhythmus und Harmonik der Volksmusik eine wichtige Inspirationsquelle. Gleichwohl sind die Bezüge oftmals – wie in seinem Ballett Der holzgeschnitzte Prinz – eher subtil. Der Komponist behandelt in ihm ein existenzielles Thema: die Gegensätzlichkeit von Mann und Frau. Der Tscheche Leoš Janáček stand auf der Höhe seines Ruhms, als er 1926 anfing, ein Violinkonzert mit dem Titel Die Wanderung einer kleinen Seele zu konzipieren. Das Werk blieb Fragment und wurde erst Jahrzehnte später für die Aufführung eingerichtet. Wichtige Themen dieses hochexpressiven Stücks hat Janáček in der Ouvertüre seiner letzten Oper Aus einem Totenhaus übernommen.

Alan Gilbert leitet seit Beginn der Saison 2009/2010 als erster gebürtiger New Yorker das New York Philharmonic Orchestra als Chefdirigent. Frühzeitig von seinen Eltern im Violinspiel unterrichtet, studierte Gilbert zunächst Komposition in Harvard und Geige am New England Conservatory of Music. Nach Fortsetzung der Ausbildung am Curtis Institute of Music in Philadelphia sowie an der Juilliard School in New York arbeitete er mehrere Jahre als Geiger und Bratscher, bevor er 1995 ans Dirigentenpult wechselte. Von Januar 2000 bis Juni 2008 war Alan Gilbert Chefdirigent und künstlerischer Berater des Königlichen Philharmonischen Orchesters Stockholm, dem er mit der Ernennung zum Ehrendirigenten weiterhin verbunden bleibt. In den Jahren 2003 bis 2006 stand er als Musikdirektor an der Spitze der Santa Fe Opera, 2004 wurde er Erster Gastdirigent des NDR Sinfonieorchesters Hamburg. Alan Gilbert hat Produktionen an führenden Opernhäusern geleitet und ist u. a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Orchestre de Paris, dem London Philharmonic, dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Deutschen Symphonie- Orchester Berlin sowie den wichtigsten Orchestern in den USA und in Japan aufgetreten. Die Berliner Philharmoniker dirigierte Alan Gilbert erstmals im Februar 2006; zuletzt stand er bei ihnen Anfang April 2011 mit Werken von Berg, Mozart und Strawinsky am Pult. 2009 übernahm Alan Gilbert an der Juilliard School den neu geschaffenen William-Schuman-Lehrstuhl für Musikalische Sudien, seit 2011 ist er dort außerdem Leiter des Studiengangs Dirigieren. Zu den Auszeichnungen des Musikers zählen der Georg-Solti-Award sowie die Aufnahme in die Königlich Schwedische Musikakademie; 2010 ernannte ihn das Curtis Institute of Music zum Ehrendoktor.

Thomas Zehetmair studierte am Mozarteum in seiner Heimatstadt Salzburg und war Schüler von Max Rostal und Nathan Milstein. Mit 16 Jahren gab er sein Debüt bei den Salzburger Festspielen; im Jahr darauf gewann er den Ersten Preis beim Internationalen Mozart-Wettbewerb. Seither gastiert er auf den wichtigsten Konzertpodien in Europa und den USA und arbeitet als Solist mit international führenden Orchestern und Dirigenten zusammen. Dabei bildet die Interpretation zeitgenössischer Musik einen Schwerpunkt im Schaffen des Geigers, der in der jüngeren Vergangenheit Violinkonzerte von Heinz Holliger, James Dillon, Hans-Jürgen von Bose und Hans Christian Bartel uraufgeführt hat. Zu den vielfältigen kammermusikalischen Aktivitäten von Thomas Zehetmair zählen Auftritte mit dem von ihm gegründeten Zehetmair-Quartett oder mit der Bratscherin Ruth Killius im Duo. Der als Dirigent gleichermaßen erfolgreiche Musiker leitet seit Herbst 2002 die Northern Sinfonia in England, seit Beginn der Saison 2010/2011 auch das St. Paul Chamber Orchestra. 2011 dirigierte er erstmals bei den Salzburger Festspielen. Die Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar sowie die Universität Newcastle verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Thomas Zehetmair hat seit 1985 wiederholt bei den Berliner Philharmonikern gastiert und war hier zuletzt 2009 mit dem Violinkonzert von Bernd Alois Zimmermann zu hören (Dirigent: Heinz Holliger).

musikfest berlinIn Zusammenarbeit mit dem musikfest berlin 13

Testen Sie die Digital Concert Hall

Testen Sie die Digital Concert Hall

Sehen Sie ein Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 1 und Beethovens Symphonie Nr. 4, dirigiert von Sir Simon Rattle.

Kostenloses Konzert ansehen