Sa, 31. Mai 2014

Berliner Philharmoniker
Tugan Sokhiev

Hilary Hahn

  • Henri Vieuxtemps
    Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 d-Moll op. 31 (33:42)

    Hilary Hahn Violine

  • Johann Sebastian Bach
    Sarabande aus der Solo-Partita d-Moll BWV 1004 (5:45)

    Hilary Hahn Violine

  • Peter Tschaikowsky
    Manfred, Symphonie h-Moll in vier Bildern nach dem dramatischen Gedicht von Lord Byron op. 58 (56:47)

  • kostenlos

    Hilary Hahn im Gespräch mit Albrecht Mayer (16:28)

Lord Byrons Manfred ist ein Schlüsselwerk der literarischen Romantik. Stilmerkmale der elisabethanischen Dramatik und des englischen Schauerromans des 18. Jahrhunderts ebenso aufgreifend wie Elemente des antiken Orpheus-Mythos’, erzählt die 1817 erschienene Dichtung von einem grüblerischen Einzelgänger, der an Weltschmerz und unersättlichem Wissensdurst verzweifelt und schließlich zugrunde geht.

Nicht umsonst will Byron seinen Manfred als Antwort auf Goethes Faust verstanden wissen! Und gleich diesem schreit Byrons »dramatisches Gedicht« mit grandiosen Naturschilderungen, unheimlichen Geistererscheinungen und dramatischen Ereignissen nach Musik. Nachdem sich schon Hector Berlioz für den Stoff interessierte, schreibt Robert Schumann 1848 eine – gleich seinen Szenen aus Goethes Faust lange verkannte – Bühnenmusik zu Manfred. 1885 nimmt sich dann Peter Tschaikowsky in Form eines groß angelegten Orchesterwerks des Sujets an. Wie seine literarische Vorlage zwischen allen Fronten stehend, rangiert das Werk als Symphonische Dichtung in vier Sätzen und viersätzige Programmsymphonie in einem bis heute unter den selten aufgeführten Kompositionen Tschaikowskys.

Zu Unrecht, findet der 1977 geborene Dirigent Tugan Sokhiev, der in drei Konzerten mit den Berliner Philharmonikern Tschaikowskys Manfred-Symphonie zur Diskussion stellt. Vorab gilt es aber, sich von Hilary Hahns Interpretation der ganz auf instrumentale Virtuosität ausgerichteten Musik von Henri Vieuxtemps verzaubern zu lassen. Die amerikanische Geigerin hat für ihre Auftritte bei den Philharmonikern das ebenfalls selten im Konzert zu hörende Vierte Violinkonzert d-Moll op. 31 des Komponisten ausgewählt.

Tugan Sokhiev stammt aus Wladikawkas, der Hauptstadt Nordossetiens, studierte bei Ilya Musin am St. Petersburger Konservatorium und besuchte Dirigierklassen von Yuri Temirkanov. 2000 gewann er den Hauptpreis des Dritten Internationalen Prokofjew-Wettbewerbs und wurde daraufhin Chefdirigent des Staatlichen Russischen Symphonieorchesters sowie Künstlerischer Direktor der Staatlichen Philharmonie von Nordossetien. 2002 gab Tugan Sokhiev sein Operndebüt in Großbritannien an der Welsh National Opera (La Bohème), 2003 debütierte er mit der Eugen Onegin-Produktion des Mariinsky-Theaters an der Metropolitan Opera in New York; mit Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen gab er 2004 sein Debüt beim Festival in Aix-en-Provence. Seit Herbst 2008 ist Tugan Sokhiev Musikdirektor des Orchestre du Capitole de Toulouse, dem er zuvor bereits drei Jahre lang als Erster Gastdirigent und Künstlerischer Berater verbunden gewesen war. Mit Beginn der Saison 2012/2013 übernahm er das Amt des Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, im Januar 2014 wurde er zudem zum Musikdirektor des Bolschoi-Theaters und als Chefdirigent des Bolschoi-Orchesters in Moskau berufen. Dem Mariinsky-Theater in St. Petersburg und dem Londoner Philharmonia Orchestra in enger künstlerischer Partnerschaft verbunden, ist Tugan Sokhiev darüber hinaus ein weltweit begehrter Gastdirigent führender Opernhäuser und Orchester. Seine Debüts am Pult der Wiener und der Berliner Philharmoniker 2009 bzw. Anfang 2010 führten unmittelbar zu Wiedereinladungen; 2013 debütierte er mit großem Erfolg beim Chicago Symphony Orchestra und beim Gewandhausorchester Leipzig. Am Pult der Berliner Philharmoniker war Tugan Sokhiev zuletzt im Januar 2012 zu erleben; auf dem Programm standen Werke von Albert Roussel, Franz Liszt, Sergei Rachmaninow und Luciano Berio.

Hilary Hahn begann kurz vor ihrem vierten Geburtstag mit dem Violinunterricht und wurde im Alter von fünf Jahren Schülerin von Klara Berkovich, bevor sie ihre Ausbildung bei Jascha Brodsky am Curtis Institute of Music fortsetzte. Nach Solo-Debüts bei den führenden Orchestern in Baltimore, Pittsburgh, Philadelphia und Cleveland sowie beim New York Philharmonic Orchestra begann die Musikerin im Alter von 16 Jahren am Curtis Institute of Music ihre reguläre Violinausbildung, verschob ihren Abschluss jedoch, um zusätzlich Sprachen, Literatur und Kreatives Schreiben zu studieren. Als sie mit 19 Jahren ihren Bachelor ablegte, war sie bereits eine international erfolgreiche Geigerin, die eine Vielzahl preisgekrönter CD-Aufnahmen vorgelegt hatte. 2010 spielte Hilary Hahn das eigens für sie komponierte und dem Pulitzer-Preis in der Sparte Musik ausgezeichneteViolinkonzert von Jennifer Higdon ein. Die Instrumentalistin initiierte ein auf mehrere Jahre angelegtes Projekt, bei dem sie 26 Komponisten aus aller Welt damit beauftragte, kurze Zugabestücke für sie zu schreiben; für die 27. Zugabe veranstaltete sie einen Wettbewerb, zu dem über 400 Werke eingereicht wurden. In der laufenden Spielzeit tritt Hilary Hahn in fast 50 Städten Nordamerikas, Europas und Asiens auf; sie geht mit der Camerata Salzburg, dem Chamber Orchestra of Europe, dem hr-Sinfonieorchester und dem City of Birmingham Symphony Orchestra auf Tournee. Dabei setzt sich die Künstlerin erneut mit Werken von Mozart, Vaughan Williams, Sibelius, Brahms, Barrett, Abril und Vieuxtemps auseinander; zudem erweitert sie ihr Repertoire um Kompositionen von Bruch, Schönberg, Nielsen, Schubert, Telemann und Rautavaara. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte Hilary Hahn erstmals im Dezember 1999, im November 2000 begleitete sie das Orchester auf eine Japan-Tournee als Solistin in Schostakowitschs Erstem Violinkonzert sowie im Violinkonzert Beethovens; Dirigenten waren Mariss Jansons bzw. Claudio Abbado.

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