Gustavo Dudamel dirigiert Mahlers Dritte Symphonie

Fr, 13. Juni 2014

Berliner Philharmoniker
Gustavo Dudamel

Gerhild Romberger

  • Harrison Birtwistle
    Dinah and Nick's Love Song (8:52)

  • Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 3 d-Moll (1:48:49)

    Gerhild Romberger Mezzosopran, Damen des Rundfunkchors Berlin, Tobias Löbner Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung

 

Als Gustav Mahler dem jungen Bruno Walter seine Dritte Symphonie in Steinbach am Attersee am Klavier vorspielte, war dieser durch die »Gewalt und Neuheit der Tonsprache« förmlich »betäubt«. »Jetzt erst und erst durch diese Musik«, heißt es im Mahler-Buch des Dirigenten, »glaube ich ihn erkannt zu haben; sein ganzes Wesen schien mir eine geheimnisvolle Naturverbundenheit zu atmen; wie tief, wie elementar sie war, hatte ich immer nur ahnen können und erfuhr es nun unmittelbar aus der Tonsprache seines symphonischen Weltentraums. Zugleich aber fühlte ich in ihm auch den sehnsüchtigen Menschen, der mit seiner Ahnung über die Grenzen des irdisch Zeitlichen hinausdringt, und von dem mir die letzten drei Sätze Kunde gaben.«

 

Gustavo Dudamel, der für den erkrankten Mariss Jansons einspringt, wird mit den Berliner Philharmonikern und der Mezzosopranistin Gerhild Romberger Mahlers symphonischen Weltentraum zur Aufführung bringen – ein wahrlich monumentales Werk, in dem sich der Komponist einmal mehr von der Idee leiten ließ, »mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufzubauen«. Nicht umsonst charakterisierte Mahler seine Dritte als eine »alle Stufen der Entwicklung in schrittweiser Steigerung umfassende musikalische Dichtung«, die »bei der leblosen Natur« beginnt und sich in kosmologischer Weitung über Menschen und Engel »bis zur Liebe Gottes« steigert. Einen stimmungsvollen Einstieg in den Konzertabend bietet Sir Harrison Birtwistles ca. fünfminütiges Werk Dinah and Nick’s Love Song für drei Melodieinstrumente und Harfe.

Gustavo Dudamel wurde 1981 in Barquisimeto (Venezuela) geboren, war Schüler des Violinpädagogen José Francisco del Castillo an der lateinamerikanischen Akademie für Violine und absolvierte ein Dirigierstudium bei Rodolfo Saglimbeni sowie bei José Antonio Abreu. Seit er 2004 mit erst 23 Jahren den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewann, löst er immer wieder Begeisterung in der internationalen Musikwelt aus. Gustavo Dudamel ist Ehrendirigent der Göteborger Symphoniker, die er von 2007 bis 2012 leitete. Mit Beginn der Saison 2009/2010 trat er als Musikdirektor an die Spitze des Los Angeles Philharmonic. Der junge Dirigent gastiert außerdem regelmäßig u. a. beim Philharmonia Orchestra London, an der Mailänder Scala und bei den Wiener Philharmonikern. Als Musikalischer Leiter des Simón Bolívar Jugendorchesters in Venezuela, das er bereits seit 1999 betreut, war er vier Mal in der Berliner Philharmonie zu erleben. Die Berliner Philharmoniker leitete er erstmals beim Waldbühnenkonzert im Juni 2008; zuletzt war er mit ihnen Anfang Dezember 2013 mit Werken von Strawinsky, Schubert und Beethoven zu erleben. Zu den vielen Auszeichnungen Gustavo Dudamels zählen der »Music Award for Young Artists« der Royal Philharmonic Society (2007) sowie die Aufnahme in den »Ordre des Arts et des Lettres« der Republik Frankreich (2009) und in die Königlich Schwedische Musikakademie (2011). Musical America, das führende Online-Magazin für klassische Musik in den USA, kürte Gustavo Dudamel zum »Musiker des Jahres« 2013.

Gerhild Romberger, im Emsland geboren und aufgewachsen, studierte an der Hochschule für Musik in Detmold zunächst Schulmusik und absolvierte dann eine Gesangsausbildung bei Heiner Eckels, die sie in Kursen für Liedgestaltung bei Mitsuko Shirai und Hartmut Höll ergänzte. Die Mezzosopranistin hat sich stets auf den Konzertgesang konzentriert; Schwerpunkte ihrer Arbeit bilden Liederabende unterschiedlichster Thematik sowie die Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik. Das weitgespannte Repertoire der Sängerin umfasst alle großen Alt- und Mezzosopran-Partien des Oratorien- und Konzertgesangs von der Barockzeit bis ins 20. Jahrhundert. Wichtige Stationen der vergangenen Jahre waren für Gerhild Romberger die Zusammenarbeit mit Manfred Honeck (z. B. bei Aufführungen von Symphonien Gustav Mahlers und der Großen Messe von Walter Braunfels) und Konzerte beim Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (u. a. Franz Schmidts Buch mit den siebenSiegeln mit Thomas Hengelbrock). Sie trat mit dem Gewandhausorchester Leipzig, mit dem Orchester der Klangverwaltung und Enoch zu Guttenberg, den Symphonieorchestern des WDR und des MDR, dem Konzerthausorchester Berlin und dem Israel Philharmonic Orchestra auf. Dirigenten wie Riccardo Chailly und Mariss Jansons haben Gerhild Romberger zur Mitwirkung in ihren Konzerten eingeladen. In Konzerten der Berliner Philharmoniker war die Künstlerin, die seit langem eine Professur für Gesang an der Detmolder Musikhochschule innehat, erstmals im Juni 2012 in Beethovens Missa solemnis zu erleben, es dirigierte Herbert Blomstedt.

Der Rundfunkchor Berlin ist ein gefragter Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen bestehen in Berlin mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. In rund 50 Konzerten jährlich sowie mit Gastauftritten bei Festivals stellt der Chor sein breites Repertoire und reich nuanciertes Klangbild unter Beweis. Gemeinsam mit Künstlern unterschiedlicher Disziplinen erschließt der Chor jedes Jahr mit einer spartenübergreifenden Produktion neue Erlebnisweisen von Chormusik: So stieß z. B. die szenische Umsetzung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms durch Jochen Sandig 2012 auf große Resonanz. 1925 in Berlin gegründet und von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe und Robin Gritton geprägt, wird der Rundfunkchor Berlin seit 2001 von Simon Halsey geleitet. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen, darunter drei »Grammy Awards«, dokumentieren den großen Erfolg dieser Arbeit. Simon Halsey, der im Januar 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, initiierte außerdem zahlreiche Aktivitäten des Chors im Bildungs- und Erziehungsbereich, so das jährliche Mitsingkonzert in der Philharmonie oder die Liederbörse für Kinder und Jugendliche. 2011 startete der Rundfunkchor Berlin das Projekt SING!, welches das Ziel verfolgt, in Berliner Grundschulen das Singen als selbstverständlichen Teil des Schulalltags zu etablieren. Mit den Berliner Philharmonikern war der Rundfunkchor Berlin zuletzt im vergangenen Februar in der von Peter Sellars inszenierten Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach zu hören.

Der Staats- und Domchor Berlin ist einer der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands mit einer Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Im 19. Jahrhundert gelangte der damalige Königliche Domchor unter den Direktoren Felix Mendelssohn Bartholdy, Otto Nicolai und August Neithardt zu einer ersten Blütezeit. 1923 wurde das Ensemble in »Staats- und Domchor Berlin« umbenannt und der Hochschule für Musik (der heutigen Universität der Künste) zugeordnet. Derzeit werden über 250 Knaben- und junge Männerstimmen im Staats- und Domchor ausgebildet. Während die Jüngsten mit Kinderliedern und Stimmbildung beginnen, treten die versierteren Sänger gemeinsam mit Ensembles wie der Lautten Compagney oder den Berliner Philharmonikern in den Konzertsälen der Stadt, bei politischen Festakten oder im Berliner Dom auf. Für ihre zahlreichen Auftritte erarbeiten sie geistliche und weltliche Chorwerke von der Renaissance bis zur Gegenwart. Direktor des Chors ist seit 2002 Kai-Uwe Jirka, Professor für Chorleitung an der Universität der Künste Berlin. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt der Staats- und Domchor Berlin den Europäischen Jugendchorkulturpreis des Jahres 2002. Konzertreisen führten ihn durch Europa, Japan, Russland, Israel und die USA. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte der Staats- und Domchor Berlin zuletzt Mitte Dezember 2013 unter der Leitung von Daniel Harding in Robert Schumanns Szenen aus Goethes Faust.

www.staats-und-domchor-berlin.de

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Sehen Sie ein Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 1 und Beethovens Symphonie Nr. 4, dirigiert von Sir Simon Rattle.

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