Simon Rattle dirigiert Beethovens Neunte

Simon Rattle dirigiert Beethovens Neunte

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

Sally Matthews, Bernarda Fink, Hanno Müller-Brachmann, Rundfunkchor Berlin, Christian Elsner

  • Karol Szymanowski
    Stabat mater

    Sally Matthews Sopran, Bernarda Fink Alt, Hanno Müller-Brachmann Bariton, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

  • Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

    Christian Elsner Tenor, Sally Matthews Sopran, Bernarda Fink Alt, Hanno Müller-Brachmann Bariton, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung

Karol Szymanowski setzte bei der Komposition seines Stabat Mater auf die »Allgemeinverständlichkeit des Textes«, weshalb er auf eine ins Polnische übersetzte Version der lateinischen Verse zurückgriff. Ihm ging es darum, »dem, was im geheimnisvollen Leben der Seele zugleich am realsten und am ungreifbarsten ist, moderne, in sich geschlossene Formen zu verleihen«, was ihm mit dem am 11. Januar 1929 uraufgeführten Werk, das mit einem ergreifend-ätherischen Sopran-Solo ausklingt, zweifellos gelang. Dabei ist die Musik, die auch für einen Hörer, dem das Polnische nicht geläufig ist, nichts von ihrer emotionalen Kraft verliert, von faszinierender Schlichtheit, da die melodischen Linien in Sekunden und Terzen fortschreiten; nur der zweite Satz scheint bisweilen Carl Orffs Carmina burana vorwegzunehmen.

Sir Simon Rattle, der Szymanowskis Stabat Mater schon Anfang der 1990er-Jahre mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra auf CD eingespielt hat, präsentiert das Werk nun gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern und der britischen Sopranistin Sally Matthews, die noch während des Studiums mit dem renommierten Kathleen Ferrier Award ausgezeichnet wurde. Im Anschluss an jene »religiöse Musik« (Szymanowski) erklingt Beethovens Neunte Symphonie, die mit ihrem utopischen Gehalt von Einigkeit, Freude und Verbrüderung den kunstreligiösen Vorstellungen nachfolgender Generationen in idealer Weise entsprach. Neben Sally Matthews singen Bernarda Fink, Hanno Müller-Brachmann sowie Christian Elsner, der im Mai 2012 in der Philharmonie bei den von Sir Simon Rattle dirigierten konzertanten Aufführungen von Richard Wagners Walküre von Publikum und Presse gefeiert wurde.

Sally Matthews ist Gewinnerin des renommierten Kathleen Ferrier Award 1999. Sie studierte Gesang an der Guildhall School of Music and Drama in London und gehörte von 2001 bis 2003 zum Vilar Young Artist Programme des Royal Opera House, Covent Garden, in dessen Rahmen sie 2001 ihr Debüt als Nannetta in Verdis Falstaff gab (Dirigent: Bernard Haitink); seitdem sang sie an jenem Haus Partien wie Pamina (Die Zauberflöte), Fiordiligi (Così fan tutte), Sifare (Mitridate) und Anne Truelove (The Rake’s Progress). Weitere Engagements führten Sally Matthews u. a. an die Wiener Staatsoper, an die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an das Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel und an die Nederlandse Opera Amsterdam. Das facettenreiche Repertoire der Sängerin schlägt einen Bogen von der Alten Musik über Werke von Haydn, Mozart, Schumann, Dvořák, Mahler, Strawinsky und Messiaen bis hin zum Schaffen zeitgenössischer Komponisten. So brachte Sally Matthews im Oktober 2004 in der Londoner Wigmore Hall mit dem Nash Ensemble die von Mark-Anthony Turnage für sie geschriebenen Two Baudelaire Songs zur Uraufführung und sang Ende Juni 2007 an der Bayerischen Staatsoper München bei der Weltpremiere von Unsuk Chins Alice in Wonderland die Titelpartie. Nach ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern in den Konzerten zum Jahresende 2004 mit Orffs Carmina Burana war Sally Matthews zuletzt auch an der Open-Air-Aufführung dieses Werks Mitte Juni 2014 im Rahmen des Fests am Kulturforum beteiligt; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Bernarda Fink wurde als Kind slowenischer Eltern in Buenos Aires geboren. Dort erhielt sie ihre musikalische Ausbildung am Instituto Superior de Arte des berühmten Teatro Colón, an dem sie auch regelmäßig auftrat. 1985 übersiedelte sie nach Europa. Mit einem Repertoire, das sich von Werken des Frühbarocks bis zu zeitgenössischen Kompositionen erstreckt, gastiert die Mezzosopranistin als Opern-, Konzert- und Liedinterpretin in den internationalen Musikzentren sowie im Rahmen bedeutender Festivals in Europa, Japan, Australien und den USA. Führende Symphonieorchester und viele Ensembles im Bereich der Alten Musik laden Bernarda Fink regelmäßig zur Mitwirkung ein; sie arbeitet mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Riccardo Muti, Sir Simon Rattle und Franz Welser-Möst. Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab Bernarda Fink Mitte Januar 1995 im Kammermusiksaal in einer konzertanten Aufführung von Monteverdis Orfeo, die René Jacobs dirigierte. Seitdem sang sie wiederholt in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker, zuletzt Anfang Oktober 2012 im Rahmen eines von Anthony Spiri begleiteten Liederabends, bei dem Werke von Dvořák, Mahler und Schumann auf dem Programm standen. Im Februar 2006 wurde Bernarda Fink vom österreichischen Bundeskanzler mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet; im Februar 2013 erhielt die Künstlerin mit dem Preis der Prešeren-Stiftung die höchste kulturelle Auszeichnung Sloweniens.

Christian Elsner, in Freiburg (Breisgau) geboren, studierte bei Martin Gründler, Dietrich Fischer-Dieskau und Neil Semer. Der Preisträger diverser internationaler Wettbewerbe gastiert als Konzert-, Lied- und Opernsänger bei renommierten Festivals sowie in allen wichtigen Opern- und Konzertsälen von Berlin, Wien, Mailand und London bis nach New York und Tokio. Christian Elsner arbeitete zuletzt mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Manfred Honeck, Mariss Jansons, Lorin Maazel, Kent Nagano, Yannick Nézet-Séguin und Sir Simon Rattle zusammen. Nach seinem Debüt im Februar 2010 an der Semperoper Dresden als Siegmund (Die Walküre) hat sich der Sänger mit einer gefeierten Interpretation des Parsifal in einer konzertanten Aufführung der gleichnamigen Oper mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Marek Janowski Anfang April 2011 in der Berliner Philharmonie als Wagnertenor etabliert. Mit seinem festen Duopartner Burkhard Kehring gab Christian Elsner Liederabende in Frankfurt, Hamburg, Bonn, Dresden, Würzburg, Brüssel, Ravinia und bei der Schubertiade Feldkirch. Bei den Berliner Philharmonikern trat er erstmals Mitte April 2004 in drei von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Konzerten mit Franz Schuberts Messe Es-Dur D 950 auf. Zuletzt gastierte der Künstler im Mai 2012 als Siegmund in drei konzertanten Aufführung der Walküre bei dem Orchester (Dirigent: Sir Simon Rattle). Als Professor für Gesang unterrichtet Christian Elsner an der Hochschule für Musik in Würzburg.

Hanno Müller-Brachmann studierte in Freiburg und Mannheim; außerdem besuchte er in Berlin die Liedklasse von Dietrich Fischer-Dieskau. Nach Erfolgen bei internationalen Wettbewerben – er war u. a. Preisträger beim Bundeswettbewerb Gesang (1992 und 1994) und beim ARD-Wettbewerb in München (1996) – singt der Bassbariton heute auf Konzertpodien und Opernbühnen in Europa, Israel, Japan und den USA sowie im Rahmen renommierter Festivals. Von 1998 bis 2011 gehörte Hanno Müller-Brachmann zum Ensemble der Deutschen Staatsoper Berlin, wo er die großen Mozartrollen seines Fachs und Partien wie Orest (Elektra), Amfortas (Parsifal) oder Wotan (Das Rheingold) sang. Außerdem wirkte er dort z. B. in den Uraufführungen von Elliott Carters What next? (1999) und Pascal Dusapins Faustus – The Last Night (2006) mit. Hanno Müller-Brachmann hat mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs, Zubin Mehta, Andris Nelsons und Sir Simon Rattle zusammengearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit ist der Liedgesang in Zusammenarbeit mit Pianisten wie Graham Johnson, Malcolm Martineau und Eric Schneider. Sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab Hanno Müller-Brachmann im Mai 1999 unter der Leitung von Daniel Barenboim in Mozarts Messe C-Dur KV 317. Zuletzt gastierte der Sänger Anfang Januar 2013 in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker: Begleitet von András Schiff sang er u. a. Robert Schumanns Liederzyklus Dichterliebe. Nach Lehraufträgen an beiden Berliner Hochschulen ist Hanno Müller-Brachmann seit Herbst 2011 Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Der Rundfunkchor Berlin ist ein gefragter Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen bestehen in Berlin mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. In rund 50 Konzerten jährlich sowie mit Gastauftritten bei Festivals stellt der Chor sein breites Repertoire und reich nuanciertes Klangbild unter Beweis. Gemeinsam mit Künstlern unterschiedlicher Disziplinen erschließt der Chor jedes Jahr mit einer spartenübergreifenden Produktion neue Erlebnisweisen von Chormusik: So stieß z. B. die szenische Umsetzung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms durch Jochen Sandig 2012 auf große Resonanz. 1925 in Berlin gegründet und von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe und Robin Gritton geprägt, wird der Rundfunkchor Berlin seit 2001 von Simon Halsey geleitet. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen, darunter drei »Grammy Awards«, dokumentieren den großen Erfolg dieser Arbeit. Simon Halsey, der im Januar 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, initiierte außerdem zahlreiche Aktivitäten des Chors im Bildungs- und Erziehungsbereich, so das jährliche Mitsingkonzert in der Philharmonie oder die Liederbörse für Kinder und Jugendliche. 2011 startete der Rundfunkchor Berlin das Projekt SING!, welches das Ziel verfolgt, in Berliner Grundschulen das Singen als selbstverständlichen Teil des Schulalltags zu etablieren. Mit den Berliner Philharmonikern war der Rundfunkchor Berlin zuletzt Mitte Juni 2014 im Rahmen einer Open-air-Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana auf dem Kulturforum zu erleben; Dirigent war Sir Simon Rattle.

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