Ein Geburtstagskonzert für Friedrich den Großen

  • Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz, Friedrich II. von Preußen, Johann Gottlieb Graun u. a. (01:54:57)

    Berliner Barock Solisten, Gottfried von der Goltz Violine und Leitung, Jacques Zoon Flöte, Akademie für Alte Musik Berlin, Midori Seiler Violine und Leitung, Christoph Huntgeburth Flöte, Armin Mueller-Stahl Sprecher, Burghart Klaußner Sprecher

Der 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen am 24. Januar 2012 gibt Anlass zu einem künstlerischen Gipfeltreffen. Zu hören sind Werke vom Hofe des musikliebenden Monarchen, interpretiert von gleich zwei Spitzenensembles für Alte Musik: auf der einen Seite die aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bestehenden Berliner Barock Solisten, auf der anderen Seite die Akademie für Alte Musik Berlin. Als Sprecher treten darüber hinaus Burghart Klaußner und Armin Mueller-Stahl auf.

Die beiden Star-Schauspieler, bekannt aus deutschen wie internationalen Filmerfolgen, lesen aus dem vier Jahrzehnte währenden Briefwechsel zwischen Friedrich und Voltaire - ein beispielloses Dokument nonchalant kommentierter Zeitgeschichte, voll von hochkarätiger Ironie, Anekdoten und Philosophie. Dass der König nicht nur über Esprit und eine geschliffene Sprache verfügte, sondern auch ein vorzüglicher Musiker war, zeigt sich in den Orchesterwerken des Abends. Deren Soloflötenstimmen pflegte Friedrich bei seinen berühmten Hofkonzerten auf Schloss Sanssouci nämlich selbst zu übernehmen. Der englische Musikschriftsteller Charles Burney, der bei einer solchen Soiree dabeisein durfte, notierte verblüfft: »Sein Spielen übertraf in manchen Puncten alles, was ich bisher unter Liebhabern, oder selbst von Flötenisten von Profession gehört hatte.« In unserem Konzert übernehmen die Flötisten Christoph Huntgeburth und Jacques Zoon den Part des Königs. Auf dem Programm steht Musik von Friedrichs Flötenlehrer und Lieblingskomponist Johann Joachim Quantz, von seinem Kammercembalisten Carl Philipp Emanuel Bach und nicht zuletzt aus seiner eigenen Feder. Ein Abend voller Atmosphäre, Geist und Grazie.

Kunst und Gunst

Musik von, für und wider König Friedrich II.

Von Wolfgang Stähr

Willkommen in Potsdam! Als der reisende Gelehrte und englische Musikhistoriker Charles Burney die Stadt besuchen wollte, musste er sich beim Grenzübergang schikanösen Kontrollen und peinlich genauen Befragungen aussetzen: nach Herkunft und Gewerbe, Zweck und Dauer des Aufenthalts, der Adresse des Logis, dem Namen des Gastgebers und dergleichen mehr. Alles wurde akkurat notiert. Burney war konsterniert – nirgends und niemals hatte er auf seinen ausgedehnten Reisen ein solches Examen bei der Ankunft erdulden müssen. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Der Vorgang datiert nicht aus der Zeit der deutschen Teilung mit ihrem berüchtigten DDR-Grenzregime, sondern aus der Epoche Friedrichs II., des großen Preußenkönigs, der heute seinen 300. Geburtstag feiern würde, wenn Monarchen unsterblich wären. Unvergessen bleibt er allemal, auch als Figur der Musikgeschichte, und wenngleich eben dieses Nachleben vor allem Adolph Menzel und dessen Gemälde Das Flötenkonzert in Sanssouci zu verdanken ist, existieren doch auch Dokumente aus erster Hand, Erinnerungen von Augen- und Ohrenzeugen, die ihn noch selbst gesehen und sein legendäres Flötenspiel gehört haben: den musizierenden König im Kreise seiner Kapelle.

Charles Burney, zum Beispiel, wurde 1772 die Ehre zuteil, an den exklusiven Konzerten in Sanssouci als Gasthörer teilnehmen zu dürfen. Nach erfolgter Überprüfung, versteht sich. »Ich ward des Abends zwischen fünf und sechs Uhr von einem Gardeofficier hineingeführt; ohne eine solche privilegirte Person wäre es für einen Fremden, wie ich war, unmöglich, in einen Pallast zu kommen, worin der König residirt; und selbst mit meinem Führer wurde ich scharf befragt, nicht nur wie ich aus dem Thore zu Potsdam ging, sondern an jeder Pforte des Pallastes.« Schließlich aber gelangte Burney doch ins Allerheiligste des Schlosses, in das sagenhafte und hermetische Zentrum der königlichen Musikpflege. »Ich ward nach einem innern Zimmer des Pallastes geführt, worin die Herrn von des Königs Kapelle auf seinen Befehl warteten. Dieses Zimmer war dicht an dem Concertgemache, in welchem ich Se. Majestät ganz deutlich Solfeggi spielen und sich so lange mit schweren Passagien üben hören konnte, bis Sie die Musik hereinzutreten befohlen.«

Flötenkonzerte – exklusiv für den König

Nachdem die Musik hereingetreten war und mit ihr der gelehrte Gast aus England, begann die Soiree mit einem Flötenkonzert aus der Feder des betagten Johann Joachim Quantz, Friedrichs Flötenlehrer seit den seligen Rheinsberger Tagen. Nach dieser traditionellen Eröffnung musizierte der König zur Abwechslung noch ein weiteres Konzert von Quantz, ehe der Abend mit einem dritten Konzert von Quantz gekrönt wurde. Bei dieser Einseitigkeit des Programms handelte es sich nicht um eine Ausnahme, sondern um die Regel, wie Burney aus berufenem Munde erfuhr. Quantz selbst erklärte ihm, »sein königlicher Herr und Scholar spielte keine andre Concerte, als die er ausdrücklich für ihn gesetzt hätte, deren Anzahl sich auf dreyhundert erstreckte, und diese spielte er nach der Reihe«. Mit anderen Worten: Friedrich verhielt sich in Fragen des musikalischen Repertoires konservativ bis zum Altersstarrsinn, sofern man in der Rotation der ewig gleichen Konzerte nicht eher einen Zug ins Rituelle erblicken wollte, musikalische Exerzitien gegen den Lauf der Zeit. Von des Königs kultiviertem Flötenspiel allerdings zeigte sich der kritisch hellhörige Burney aufrichtig beeindruckt: »Ich war sehr erfreut, und sogar erstaunt, über die Nettigkeit seines Vortrags, in den Allegro’s sowohl, als über seinen empfindungsvollen Ausdruck in den Adagio’s. Kurz, sein Spielen übertraf in manchen Puncten alles, was ich bisher unter Liebhabern, oder selbst von Flötenisten von Profession gehört hatte.«

Das Flötenkonzert in Sanssouci: Auf Adolph Menzels Gemälde erscheint er nur als Randfigur, tatsächlich jedoch war er für die Geschichte der Querflöte und der Flötenmusik im 18. Jahrhundert eine Autorität von höchsten Graden: Johann Joachim Quantz. Er ist auf der äußersten rechten Bildseite zu erkennen, gegen die Wand gelehnt, in Uniform mit umgeschnalltem Degen. Quantz war 1728 gerade als Flötist in die glamouröse Dresdner Hofkapelle Augusts des Starken aufgenommen worden, als er die Bekanntschaft des damaligen preußischen Kronprinzen Friedrich machte, den er fortan für mehrere Wochen im Jahr besuchen und ihm Unterricht auf der Querflöte erteilen durfte. 1741 folgte Quantz dem Ruf seines Schülers – nunmehr König Friedrich II. – nach Preußen. Ein wahrhaft fürstliches Gehalt von 2.000 Reichstalern per annum erleichterte ihm den Weggang aus Dresden. Für jede Traversflöte, die er im Auftrag seines Dienstherrn verfertigte, für jedes Konzert, jede Sonate, die er für Friedrich komponierte, empfing er noch ein zusätzliches Honorar. Nach Charles Burneys Bericht von 1772 übte Quantz bei den musikalischen Soireen des preußischen Herrschers eine diskrete Leitungsfunktion aus, die zugleich seine bevorzugte Stellung in Friedrichs Hofstaat betonte: »Herr Quantz hatte bey dem Concert heute Abend nichts zu thun, als bey dem Anfange eines jeden Satzes mit einer kleinen Bewegung der Hand den Tackt anzugeben, ausser daß er zuweilen am Ende der Solosätze und Cadenzen Bravo! rief; welches ein Privilegium zu seyn scheint, dessen sich die übrigen Herrn Virtuosen von der Kapelle nicht zu erfreuen haben.«

Virtuos, brillant und doch rational

Der Name Quantz aber verbindet sich nicht zuletzt mit seinem 1752 veröffentlichten Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen, einem epochalen Lehrwerk, das natürlich »Dem Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friederich, Könige in Preußen« gewidmet ist. Dieses Buch, »der Quantz«, beinhaltet weitaus mehr als nur eine Schule für angehende oder fortgeschrittene Flötisten. Es fasst die gesammelten Erfahrungen und Einsichten eines Musikers, Pädagogen und Komponisten zusammen, der mit allen Höhenflügen der Theorie und allen Widrigkeiten der Praxis bestens vertraut war. Gleichwohl änderte auch die respektgebietende Lebensleistung des in Ehren ergrauten Quantz nichts an dem ungünstigen Urteil, das der unbestechliche Burney über die anachronistische Setzkunst des preußischen Cammercompositeurs fällte: »Man kann nicht leugnen, daß verschiedene Passagien in Herrn Quantzens Concerten nach gerade alt und gemein werden; allein das beweist nicht, daß solche nicht neu gewesen wären, als diese Concerte komponirt wurden; denn einige davon sind schon vor vierzig Jahren gemacht.« Das Flötenkonzert e-Moll ist womöglich noch älter und geht auf die Zeit vor 1730 zurück, als sich der Preußenprinz und der sächsische Hofmusiker erstmals begegneten. In diesem vergleichsweise frühen Werk lebte Quantz das Vergnügen an der Virtuosität, an Rasanz und Brillanz des Flötenspiels noch ungehemmt aus, um andererseits doch schon eine auffallende Rationalität und Planmäßigkeit des Komponierens an den Tag zu legen: gute Voraussetzungen für eine hohe und krisenfeste Produktivität. Und für die lebenslange Gunst eines Königs, der in der Musik weder die Extreme des Affekts noch die kontrapunktischen Komplikationen schätzte.

Ein »unpreußischer« Komponist

Als Charles Burney ins streng bewachte Potsdam kam, weilten die Gebrüder Graun, zwei der treuesten musikalischen Diener des Königs, nicht mehr unter den lebenden Protagonisten dieser zur vorzeitigen Musealisierung tendierenden Hofmusik. Carl Heinrich Graun, Friedrichs Hofkapellmeister, mit dessen Cleopatra e Cesare die Oper Unter den Linden ihre Eröffnung gefeiert hatte, war schon 1759 gestorben. Sein älterer Bruder Johann Gottlieb, geboren 1701 oder 1702 im kursächsischen Wahrenbrück in der Niederlausitz, gehörte bereits der Kapelle des Kronprinzen in Ruppin und Rheinsberg an, einem 17-köpfigen Ensemble, das mit dem Regierungsantritt Friedrichs II. um 20 Instrumentalisten erweitert wurde. Bis zu seinem Tod im Herbst 1771 fungierte Johann Gottlieb Graun als Konzertmeister des Königs, doch schrieb er den Löwenanteil seiner Kompositionen nicht für die verschwiegene Privatmusik in Sanssouci, sondern für die offiziellen Hofkonzerte, die bei der Königinmutter auf Schloss Monbijou oder bei der regierenden Königin Elisabeth Christine in Schönhausen veranstaltet wurden: in großer, festlicher, repräsentativer Besetzung wie im Fall der Gottlieb Graun’schen Sinfonia D-Dur mit reichem Bläserornat, mit Pauken und Trompeten (sogar drei an der Zahl) und überhaupt einem Hang zu den glanzvollen, opulenten und verschwenderischen Seiten der Musik. Gänzlich unpreußisch, sollte man meinen.

Die festtägliche Symphonie des Konzertmeisters Graun, komponiert vor 1756, vor der einschneidenden Generalpause des Siebenjährigen Kriegs, überdauerte die Jahrhunderte in der berühmten Musikaliensammlung der preußischen Prinzessin Anna Amalia. Die hochgelehrte und mäzenatisch ambitionierte Schwester Friedrichs des Großen spielte selbst Flöte und Violine, Orgel und Klavier, ja sie nahm obendrein Kompositionsunterricht bei dem thüringischen Bach-Schüler Johann Philipp Kirnberger, ihrem Hof-Musicus, der es zuvor nur kurze Zeit in der königlich-preußischen Kapelle ausgehalten hatte (und zu allem Unglück auch noch mit Quantz über Kreuz lag). Kirnberger repräsentiert den Typus des intellektuellen, theoriebegeisterten und streitlustigen Musikers, mit dem Friedrich nichts anfangen konnte – seine diskursfreudige Schwester aber umso mehr. Kirnbergers mutmaßlich in den frühen 1750er-Jahren entstandene Sinfonia D-Dur sprüht vor Witz, Hintersinn und Pointenreichtum. Die besten Eigenschaften des 18. Jahrhunderts sprechen aus dieser Musik: die eines hellwachen, klaren, freien Geistes.

Ein passionierter Diener seines Herrn

Aber Friedrich II. wusste sie so wenig zu würdigen wie auf der anderen Seite die exzentrischen Werke seines Hofcembalisten Carl Philipp Emanuel Bach. Dabei hatte er selbst ihn »entdeckt« und noch vor der Thronbesteigung für die neu zu gründende königliche Kapelle gewonnen. »Gewisse Umständen machten jedoch«, erinnerte sich Emanuel Bach, »daß ich erst 1740 bei Antritt der Regierung Sr. preussischen Majestät förmlich in Dessen Dienste trat, und die Gnade hatte, das erste Flötensolo, was Sie als König spielten, in Charlottenburg mit dem Flügel ganz allein zu begleiten.« Von einer privilegierten Vertrauensstellung Bachs zu seinem Flöte spielenden Herrn und Herrscher konnte allerdings in den folgenden 27 Jahren keine Rede sein. Und als er 1767 endlich eine bessere Position fand – als Städtischer Musikdirektor in Hamburg – hätte ihm Seine Majestät am liebsten die Entlassung verweigert und den ersehnten beruflichen Aufstieg verbaut. Anna Amalia hingegen würdigte ihn zum Abschied aus Berlin mit dem Ehrentitel eines Hofkapellmeisters. Ob Friedrich II. jemals das Bach’sche Flötenkonzert d-Moll Wq 22 aus dem Jahr 1747 gespielt hat (das auch in einer Alternativfassung für Cembalo überliefert ist), muss daher höchst fraglich erscheinen – zu düster und dramatisch, labyrinthisch, unberechenbar, subjektiv und irrational war diese Musik für den auf Maß und Mitte ausgerichteten Geschmack des Königs. Immerhin blieb ein Übungsheft des großen Friedrich erhalten, mit kniffligen Stellen aus dem Finale des d-Moll-Konzerts, die zum Training des Zungenschlages in Artikulationssilben übersetzt sind: »ti ti di dl ti ti ri dl.«

Meister der gefälligen Kunst

Anders als Emanuel Bach hatte sein zeitweiliger Kollege in der Hofkapelle, der böhmische Geiger Georg Anton Benda, nicht den geringsten Grund, über den König verstimmt zu sein – ganz im Gegenteil. Nachdem seine älteren Brüder Franz und Johann schon seit Jahren in preußischen Diensten standen, durften 1742 auch die Eltern und die anderen Geschwister sich als Emigranten in Potsdam ansiedeln. Friedrich befreite sie aus der Leibeigenschaft und zugleich aus dem Zwang zum offiziellen katholischen Bekenntnis. Namentlich Georg Anton Benda, der zuletzt als Seminarist in einem Jesuitenkollegium gelebt und studiert hatte, empfand den Wechsel nach Preußen wie eine Erlösung: Er konvertierte zum Protestantismus und fand überdies Aufnahme in einer Berliner Freimaurerloge. 1750 folgte er dem Ruf als Kapellmeister an den Hof des Herzogs von Sachsen-Gotha. Seine 1765 (vor einer sechsmonatigen Studienreise nach Italien) komponierte Sinfonia A-Dur könnte man sich gut als sommerliche Serenadenmusik vorstellen, unter freiem Himmel mit doppeltem Hörnerschall, eine gefällige und gesellige Kunst. Als Herzstück erklingt in der Mitte ein Arioso für Oboe solo, von den gedämpften Streichern zart und empfindsam begleitet: Musik einer gefühlsbetonten Zeit, und doch meilenweit entfernt von den Passionen und Exaltationen eines »Originalgenies« wie Carl Philipp Emanuel Bach.

Dass auch Friedrich II. höchstselbt komponierte, diese musikhistorische Tatsache ist im Prinzip unstrittig. Nur bleibt die Frage, ob assistierende Geister und helfende Hände zur Ausarbeitung und satztechnischen Entfaltung der königlichen Inspirationen beitrugen – und in welchem Maße. Friedrichs Sinfonia D-Dur, vermutlich aus dem Jahr 1743 (also noch vor der Grundsteinlegung des Weinbergschlosses Sanssouci), zeigt den Regenten jedenfalls und die friderizianische Epoche von ihrer sympathischsten Seite. Die Flötensoli des Andante dürfte er persönlich im Duo mit seinem Lehrer Quantz uraufgeführt haben. Von allen urheberischen Aspekten abgesehen: Diese Musik vermittelt eine Aufbruchstimmung, ein Hochgefühl, eine Festtagslaune, dass selbst eingefleischte Preußenskeptiker ihr kaum widerstehen können. Gratulieren wir also dem gediegenen Flötisten und mutmaßlichen Symphoniker Friedrich zu seinem 300. Geburtstag – nicht »untertänigst« zwar, aber gleichwohl doch respektvoll: Die deutsche Geschichte, auch die Musikgeschichte, hat wahrlich schlechtere Tage erlebt.

Friedrich II. verhielt sich in Fragen des musikalischen Repertoires konservativ bis zum Altersstarrsinn.
»Sein Spielen übertraf in manchen Puncten alles, was ich bisher unter Liebhabern, oder selbst von Flötenisten von Profession gehört hatte.«
Charles Burney über die musikalische Virtuosität Friedrichs II.
In seinem vergleichsweise frühen Flötenkonzert e-Moll lebt Johann Joachim Quantz das Vergnügen an der Virtuosität, an Rasanz und Brillanz des Solospiels noch ungehemmt aus.
Johann Philipp Kirnberger repräsentiert den Typus des intellektuellen, theoriebegeisterten und streitlustigen Musikers, mit dem Prinzessin Anna Amalia entschieden mehr anfangen konnte als ihr Bruder Friedrich II.
Die Musik Carl Philipp Emanuel Bachs war zu düster und dramatisch, labyrinthisch, unberechenbar, subjektiv und irrational für Friedrichs II. auf Maß und Mitte ausgerichteten Geschmack.
Die vermutlich 1743 entstandene Sinfonia D-Dur Friedrichs II. zeigt den Regenten und seine Epoche von ihrer sympathischsten Seite.

Die Akademie für Alte Musik Berlin, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert, wurde 1982 im Ostteil Berlins abseits des herrschenden Kulturbetriebs gegründet und gehört inzwischen zur Weltspitze der Kammerorchester. Außerhalb von Berlin tritt das Ensemble regelmäßig in Wien, Paris, Amsterdam, Zürich, London und Brüssel auf. Tourneen führten es bislang in fast alle europäischen Länder, nach Asien sowie nach Nord- und Südamerika; in diesem Jahr steht zum ersten Mal auch China auf dem Reiseplan. In Besetzungsgrößen vom Kammerensemble bis zum symphonischen Orchester absolviert die Akademie für Alte Musik Berlin rund 100 Auftritte pro Jahr unter der wechselnden Leitung seiner Konzertmeister Midori Seiler, Stephan Mai, Bernhard Forck und Georg Kallweit sowie ausgewählter Dirigenten. Im Jahr der Wiedereröffnung des Konzerthauses (ehemals Schauspielhaus) am Gendarmenmarkt 1984 rief die Akademie für Alte Musik dort eine eigene Konzertreihe ins Leben; seit 1994 ist sie überdies der Berliner Staatsoper Unter den Linden und den Innsbrucker Festwochen eng verbunden. Das Ensemble arbeitet oft und intensiv mit Dirigenten wie René Jacobs, Marcus Creed, Daniel Reuss und Peter Dijkstra, mit dem von Hans-Christoph Rademann geleiteten RIAS Kammerchor, dem Countertenor Andreas Scholl und der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli zusammen. Gemeinsam mit der Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests beschreitet die Akademie für Alte Musik Berlin neue künstlerische Wege, die beispielsweise zu dem choreografischen Konzert 4 Elemente – 4 Jahreszeiten geführt haben. Das Kammerorchester wurde mit vielen internationalen Schallplattenpreisen sowie im März 2006 mit dem Telemann-Preis der Stadt Magdeburg ausgezeichnet. In der Reihe Originalklang der Stiftung Berliner Philharmoniker war die Akademie für Alte Musik Berlin zuletzt Ende Oktober 2011 im Kammermusiksaal zu erleben.

Christoph Huntgeburth, Jahrgang 1956, studierte bei Winfried Michel in Münster und bei Hans-Martin Linde in Basel. 1982 wurde er Professor am Konservatorium Bern; 1984 folge er einer Berufung an die Hochschule (heute: Universität) der Künste Berlin. Neben seiner Lehrtätigkeit – auch als Dozent im Rahmen internationaler Meisterkurse – konzertiert Christoph Huntgeburth regelmäßig als Solist und Solo-Flötist der Akademie für Alte Musik Berlin; kammermusikalische Aktivitäten führen ihn überdies in die Musikmetropolen Europas, des fernen Ostens sowie Nord- und Südamerikas. Zahlreiche CD-Aufnahmen des barocken, klassischen und romantischen Flötenrepertoires geben Zeugnis von der Vielseitigkeit des Künstlers. Neben selbstgebauten Kopien aus eigener Werkstatt spielt Christoph Huntgeburth auf Originalinstrumenten der jeweiligen Epoche.

Midori Seiler ist die Tochter einer japanisch-deutschen Musikerfamilie und wuchs in Salzburg auf. Ihre musikalische Ausbildung – u. a. bei Helmut Zehetmair und Sándor Végh – führte sie von dort über Basel und London nach Berlin. Seit 2000 ist Midori Seiler Konzertmeisterin des Ensembles Anima Eterna und der Akademie für Alte Musik Berlin, der sie bereits seit 1991 angehört. Sie war u. a. Gastkonzertmeisterin des Orchestra of the Age of Enlightenment und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Darüber hinaus ist sie auch als Solistin und Kammermusikerin sehr erfolgreich in Erscheinung getreten. Sie gab Meisterkurse für Barockgeige in Brügge, Antwerpen und Chemnitz sowie für Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts am Königlichen Konservatorium Den Haag. Seit dem Frühjahr 2010 ist sie Professorin für Barockvioline und -viola an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar.


Die Berliner Barock Solisten wurden 1995 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und führenden Musikern der Alte-Musik-Szene Berlins mit dem Ziel gegründet, die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts auf künstlerisch höchstem Niveau aufzuführen. Dabei wollte man auf die reiche Erfahrung zurückgreifen, welche die Musikwelt in den vergangenen Jahrzehnten mit »authentischen« Aufführungen gemacht hat. Die bewusste Entscheidung für das Spiel auf modernen oder modernisierten alten Instrumenten steht dabei der Annäherung an eine »historische« Aufführungspraxis nicht entgegen. Art und Größe der Besetzung variieren mit Rücksicht auf die Werke der jeweiligen Konzertprogramme. Mit Rainer Kussmaul hatte das Ensemble von seiner Gründung bis 2009 einen besonders auf dem Gebiet der Barockmusik international erfahrenen Solisten als Künstlerischen Leiter an seiner Seite. Seit Beginn des letzten Jahres legen die Berliner Barock Solisten die Künstlerische Leitung in unterschiedliche Hände: Neben den von Bernhard Forck geleiteten Konzerten tritt das Ensemble auch unter der Leitung von Frank Peter Zimmermann, Daishin Kashimoto und Daniel Sepec auf. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Engagement für zu Unrecht vergessene Werke – insbesondere Georg Philipp Telemanns – sowie für Kompositionen unbekannter alter Meister. Zu ihren Konzerten in aller Welt lädt das Ensemble regelmäßig Gastkünstler ein, u. a. Thomas Quasthoff, Sandrine Piau, Maurice Steger, Reinhold Friedrich und Andreas Staier. Die Berliner Barock Solisten wurden bereits mehrfach mit renommierten Schallplattenpreisen ausgezeichnet; in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker brachten sie zuletzt Mitte März 2011 mit den Hornisten Radek Baborak und Andrej Žust Werke von Hasse, Telemann und Zelenka zur Aufführung.

Gottfried von der Goltz hat sich als Barockgeiger und als Künstlerischer Leiter des Freiburger Barockorchesters weltweit einen Namen gemacht. Wie im 18. Jahrhundert üblich, leitet er dieses Ensemble vom Pult des Konzertmeisters aus. Darüber hinaus wechselt er gelegentlich von der Geige zum Dirigentenstab, wie beispielsweise bei den Aufführungen des auf mehrere Jahre angelegten Beethoven-Zyklus’ des Freiburger Barockorchesters. Mit erfolgreichen CD-Einspielungen von lange zu Unrecht vergessenen Werken des Dresdner Barocks und der Söhne Johann Sebastisn Bachs ließ Gottfried von der Goltz nicht nur die Fachwelt aufhorchen. Gleichwohl beschränkt sich der Musiker nicht auf ein bestimmtes Repertoire: Seine umfangreiche Diskografie, die Kompositionen der Gegenwart ebenso einschließt wie diejenigen des 17. Jahrhunderts, weist ihn vielmehr als einen ungemein vielseitigen und flexiblen Künstler aus. Gottfried von der Goltz kommt auch vielfältigen kammermusikalischen Verpflichtungen nach und hat überdies die Künstlerische Leitung des Norsk Barokkorkester inne. Außerdem lehrt er an der Hochschule für Musik Freiburg als Professor für barockes und modernes Violinspiel.


Christoph Huntgeburth, Jahrgang 1956, studierte bei Winfried Michel in Münster und bei Hans-Martin Linde in Basel. 1982 wurde er Professor am Konservatorium Bern; 1984 folge er einer Berufung an die Hochschule (heute: Universität) der Künste Berlin. Neben seiner Lehrtätigkeit – auch als Dozent im Rahmen internationaler Meisterkurse – konzertiert Christoph Huntgeburth regelmäßig als Solist und Solo-Flötist der Akademie für Alte Musik Berlin; kammermusikalische Aktivitäten führen ihn überdies in die Musikmetropolen Europas, des fernen Ostens sowie Nord- und Südamerikas. Zahlreiche CD-Aufnahmen des barocken, klassischen und romantischen Flötenrepertoires geben Zeugnis von der Vielseitigkeit des Künstlers. Neben selbstgebauten Kopien aus eigener Werkstatt spielt Christoph Huntgeburth auf Originalinstrumenten der jeweiligen Epoche.


Der in Berlin geborene Burghart Klaußner studierte zuerst Germanistik und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin; 1969 begann er eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule Berlin. Im Anschluss war er an vielen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen engagiert, beispielsweise am Hamburger Schauspielhaus oder am Schiller-Theater in Berlin. 1983 gab Burghart Klaußner unter der Regie von Dietrich Schubert sein Leinwanddebüt in dessen erstem Spielfilm Ziemlich weit weg, zahlreiche ambitionierte Kinoproduktionen folgten. Seither hat er in über 50 Film- und TV-Produktionen mitgewirkt, z. B. in Die fetten Jahre sind vorbei, wofür er 2005 den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller erhielt, oder als Richter in der Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser. Im Herbst 2009 brillierte Burghart Klaußner als Pfarrer in Michael Hanekes preisgekröntem Drama Das weiße Band. Für seine darstellerische Leistung wurde Burghart Klaußner nicht nur mit dem Preis der deutschen Filmkritik, sondern auch als Bester Schauspieler mit dem Deutschen Filmpreis 2010 ausgezeichnet. Neben seiner Schauspieltätigkeit widmet er sich mit Leidenschaft auch der Musik: z. B. den Chansons von Charles Trenet oder – unterstützt von seiner eigenen Band – mit dem Programm »Zum Klaußner«. In Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker tritt Burghart Klaußner erstmalig als Sprecher auf; im Mai 2012 wird er auch im Philharmonischen Salon mit dem Titel Soirée bei Amalie Beer, Berlin um 1820 zu erleben sein.

Armin Mueller-Stahl wuchs in Ostpreußen auf; später studierte er Geige und Musikwissenschaften in Berlin, 1949 schloss er das Examen zum Musiklehrer und Konzertgeiger ab. 1952 engagierte ihn das Berliner Theater am Schiffbauerdamm, 1954 kam er an die Berliner Volksbühne. Von 1955 an machte sich Armin Mueller-Stahl auch in Film- und Fernsehproduktionen einen Namen – nicht zuletzt mit dem Film Flucht aus der Hölle von 1960 – und avancierte zum meistbeschäftigten Schauspieler der DDR. Im Herbst 1979 übersiedelte er in den Westteil Berlins; in der Folge arbeitete er mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und Roland Emmerich zusammen. 1989 spielte er erstmals in einem amerikanischen Film (Music Box) mit; für seine Rolle in Shine erhielt er eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. Zu seinen Auszeichnungen zählen überdies der Deutsche Darstellerpreis (1986), das große Bundesverdienstkreuz (2008) sowie die Goldene Kamera für sein Lebenswerk (2011). Armin Mueller-Stahl ist auch als Schriftsteller und Maler aktiv; mit seinen Zeichnungen tritt er seit 2001 zunehmend in die Öffentlichkeit. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Armin Mueller-Stahl nun erstmals als Sprecher zu erleben.

Midori Seiler ist die Tochter einer japanisch-deutschen Musikerfamilie und wuchs in Salzburg auf. Ihre musikalische Ausbildung – u. a. bei Helmut Zehetmair und Sándor Végh – führte sie von dort über Basel und London nach Berlin. Seit 2000 ist Midori Seiler Konzertmeisterin des Ensembles Anima Eterna und der Akademie für Alte Musik Berlin, der sie bereits seit 1991 angehört. Sie war u. a. Gastkonzertmeisterin des Orchestra of the Age of Enlightenment und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Darüber hinaus ist sie auch als Solistin und Kammermusikerin sehr erfolgreich in Erscheinung getreten. Sie gab Meisterkurse für Barockgeige in Brügge, Antwerpen und Chemnitz sowie für Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts am Königlichen Konservatorium Den Haag. Seit dem Frühjahr 2010 ist sie Professorin für Barockvioline und -viola an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar.

Jacques Zoon, in den Niederlanden geboren, studierte am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam bei Koos Verheul und Harrie Starreveld. Er setzte seine Ausbildung in Kanada am Banff Centre for the Arts mit Meisterkursen bei Geoffrey Gilbert und András Adorján fort. 1988 wurde Jacques Zoon Solo-Flötist des Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, nachdem er den Concours Jean-Pierre Rampal in Paris und den Internationalen Wettbewerb in Scheveningen gewonnen hatte. Bis 1997 spielte er auch als Erster Flötist im Chamber Orchestra of Europe. Von 1997 bis 2001 war er Solo-Flötist des Boston Symphony Orchestra – 1998 kürte ihn der Boston Globe zum »Musiker des Jahres«. Jacques Zoon ist seit 2001 freischaffend tätig und konzertiert weltweit als Solist. Überdies gehört er als Solo-Flötist dem Lucerne Festival Orchestra an. Nach Lehraufträgen in Rotterdam, den USA und in Genf wurde er 2008 als Professor an die Escuela Superior de Música Reina Sofia in Madrid berufen. Im Februar 1993 trat Jacques Zoon erstmals in einem Kammerkonzert der Berliner Philharmoniker auf; zuletzt wirkte er Anfang März 2008 in der Reihe Alla turca – ein kultureller Dialog bei einem Abend unter dem Motto Preußisch-osmanische Begegnung mit.


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