So, 11. April 2010

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

Peter Sellars, Rundfunkchor Berlin

  • Johann Sebastian Bach
    Matthäus-Passion BWV 244 · Erster Teil (01:18:30)

    Camilla Tilling Sopran, Magdalena Kožená Mezzosopran, Topi Lehtipuu Tenor (Arien), Mark Padmore Tenor (Evangelist), Thomas Quasthoff Bariton (Arien), Christian Gerhaher Bariton (Christus), Simon Halsey Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung, Peter Sellars Ritualisierung, Rundfunkchor Berlin

  • Johann Sebastian Bach
    Matthäus-Passion BWV 244 · Zweiter Teil (01:56:04)

    Camilla Tilling Sopran, Magdalena Kožená Mezzosopran, Topi Lehtipuu Tenor (Arien), Mark Padmore Tenor (Evangelist), Thomas Quasthoff Bariton (Arien), Christian Gerhaher Bariton (Christus), Simon Halsey Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Kai-Uwe Jirka Einstudierung, Peter Sellars Ritualisierung, Rundfunkchor Berlin

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    Peter Sellars im Gespräch mit Simon Halsey (50:15)

    Peter Sellars, Simon Halsey

Mit vielen Superlativen bedachten Rezensenten die Aufführung der Matthäus-Passion in der Philharmonie. Das RBB Kulturradio befand: »Eine Rattle-Sternstunde! Und einer der besten Abende bei den Philharmonikern seit Jahren.« Das Lob der Medien galt nicht allein den Berliner Philharmonikern und ihrem Chefdirigenten, sondern auch der so genannten »Ritualisierung« des amerikanischen Star-Regisseurs Peter Sellars. Diese halbszenische Inszenierung habe – so die Berliner Zeitung – »das schönste und ergreifendste Konzert- und Musiktheater-Ereignis der Saison« hervorgebracht.

Für den Tagesspiegel wiederum waren »die Stars dieser dreieinhalb Stunden ... die gleißend hell und lungenkräftig intonierenden Knaben des Staats- und Domchors Berlin (Einstudierung Kai-Uwe Jirka) sowie der von Simon Halsey grandios präparierte Rundfunkchor. Die berüchtigten Chaosstellen etwa in ›Ja nicht auf das Fest‹ oder in den Kreuzigungsrufen gelingen auf eine Weise durchsichtig und frei, ja aus der Erregung heraus fast improvisatorisch, dass man nur mehr staunt.« 

Selbstverständlich hatten auch die Gesangssolisten ihren Anteil am Erfolg des Abends. Über sie heißt es in der Berliner Morgenpost: »Christian Gerhaher singt die Opferpartie des Heilands meisterhaft und unbeirrbar, inmitten des Publikums, vom Balkon zur Linken der Bühne herab. ... Die Bühne regiert derweil Mark Padmore mit seinem schier unerschöpflichen Tenor als Evangelist. Er sät Ausdrucksnuancen die Fülle. ... Zu Padmore treten wechselnd ... die wundervoll lautere schwedische Sopranistin Camilla Tilling ... und die grandiose Magdalena Kožená mit ihrer üppig ausladenden Altstimme ...: ein Singwunder gesellt sich dem nächsten. Die Bassbariton-Arien trägt aufs Eindringlichste Thomas Quasthoff vor. ... Er singt sie mit unüberbietbarer innerer Größe heraus. Topi Lehtipuu, der ausgezeichnete finnische Sänger, nimmt sich rank und schlank der Tenor-Arien an.«

Liebende Betrachtung zur Leipziger Karfreitagsvesper

Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach

Als die Gemeinde der Thomaskirche zu Leipzig am Karfreitag 1727 in die Vesper strömte, hatte sie hohe Erwartungen. Erst seit sechs Jahren – später als in anderen lutherischen Zentren – war es in der Messestadt üblich, die Vesper des Karfreitags mit einer »musicirten Passion« zu verschönern. An diesem einzigen Tag im Kirchenjahr konnte man ein »abendfüllendes« Oratorium hören und nicht nur geistliche Historien in Kantatenform, die in den Gottesdienst integriert waren wie später Bachs Himmelfahrtsoratorium oder die sechs Teile seines Weihnachtsoratoriums. Der Thomaskantor hatte ausschließlich an diesem einen Tag Gelegenheit, von Amts wegen ein langes Oratorium zu dirigieren, und zwar eines, das »poetisch und prosaisch zugleich eingerichtet« war, wie es der Leipziger Musikschriftsteller Johann Adolf Scheibe 1737 in seinem Critischen Musicus beschrieb: »Diese Einrichtung scheint zwar mehr episch, als dramatisch zu seyn. Da aber der Evangelist, welcher in dergleichen Stücken den Zusammenhang erhält, allemal ausdrücklich bemerket wird, [...] so halte ich auch diese Einrichtung mehr für dramatisch, als episch.«

Gleich mit seiner ersten Passionsmusik nach dem Evangelisten Johannes hatte der neue Thomaskantor und Musikdirektor Bach die Erwartungen an dieses Genre in mitreißender Weise erfüllt. Die Gemeinde der Thomaskirche war allerdings genötigt gewesen, bis 1725 warten, um dieses Werk zu hören, denn der Vortritt gebührte der Nikolaikirche, die in den geraden Jahren mit der Passionsmusik an der Reihe war. Bach hatte diese Regelung 1724 nur mit Murren zur Kenntnis genommen, musste er doch seinen Aufführungsapparat auf der engen Empore der Nikolaikirche zusammenpferchen. Die geräumige Westempore der Thomaskirche bot ganz andere Möglichkeiten, und er war fest entschlossen, sie auszunutzen.

Neue Dimensionen

Schon die Neufassung der Johannes-Passion 1725 für Sankt Thomas war größer disponiert als die Erstfassung. Dennoch ließ sie kaum erahnen, was Bach den Leipzigern zwei Jahre später in Form seiner Matthäus-Passion zumutete. Beim Eintritt oder im »Vorverkauf« konnte man das Textheft erwerben, und schon hier musste auffallen, dass man auf den Abdruck des Evangelientextes verzichtet hatte. Zu viele betrachtende Teile waren in den Gang der Handlung eingelegt, als dass noch genug Platz für den gesamten Text gewesen wäre. Nur knappe Stichworte verwiesen auf die betreffende Szene des Passionsberichtes. Und sofort fiel den Leipzigern ins Auge, dass diese Passion nicht erst mit der Gefangennahme Jesu begann, wie sonst üblich, sondern viel früher: mit der Ankündigung seines Leidens und der Salbung in Bethanien. Für die frommen Lutheraner bedeutete dies vor allem zweierlei: Die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl und das verzweifelte Ringen Jesu im Garten Gethsemane waren nun Teil der Passionsmusik. Zugleich vertonte Bach auch die Geschichte des Verräters Judas vom Verrat bis zur bitteren Konsequenz des Selbstmords vollständig.

Im üblichen Gang der Vesper am Karfreitag verschoben sich durch diese Anlage die Gewichte: Vor der Predigt hörte man nicht nur eine gute halbe Stunde Musik wie in der Johannes-Passion, sondern nahezu eineinhalb Stunden, danach sogar ganze zwei. Der erste Teil war dem Geschehen des Gründonnerstags gewidmet, der zweite dem des Karfreitags. Schon die zeitlichen Dimensionen des neuen Werks sprengten alles bislang Dagewesene.

Tochter Zion und die Gläubigen

Ein zweiter Umstand dürfte die Leipziger irritiert haben: Die wichtigsten Betrachtungen zur Passion waren im Textbuch als Dialoge zwischen der »Tochter Zion« und den »Gläubigen« ausgewiesen. Gleich im Eingangschor heißt es im Originaltextbuch: »Die Tochter Zion und die Gläubigen. – Aria. – Z. Kommt, ihr Töchter, helfft mir klagen, / Sehet! Gl. Wen? Z. den Bräutigam. / Seht ihn; Gl. Wie? Z. als wie ein Lamm.« Den frommen Lutheranern der Bachzeit erschloss sich sofort der theologische Zusammenhang: Die Tochter Zion war die allegorische Verkörperung der Kirche als Braut Christi, abgeleitet aus dem Hohen Lied Salomonis und anderen einschlägigen Texten des alten Testaments. Jesus ist ihr Bräutigam. In der Passion wird er zum Lamm, das sich stumm zur Schlachtbank führen lässt und das für unsere Sünden geopfert wird, so wie die Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten die Lämmer opferten, um von Gottes Zorn verschont zu bleiben. Während der Bräutigam geduldig sein Leiden auf sich nimmt, während er »aus Lieb und Huld« selbst das Kreuz nach Golgatha trägt, sollen wir unsere Schuld erkennen und Reue zeigen. Um diese theologischen Zusammenhänge zu verstärken, sind die einzelnen Zeilen des Chorals »O Lamm Gottes unschuldig« in den Text eingeschoben.

Doppelchörigkeit

Die wichtigsten Momente der Matthäus-Passion werden durch große doppelchörige Dialoge herausgehoben: Jesu Gebet in Gethsemane durch das Tenorrezitativ »O Schmerz« mit der Choralstrophe »Was ist die Ursach aller solcher Plagen« und durch die Tenorarie »Ich will bei meinem Jesu wachen« mit dem Chor der Gläubigen »So schlafen unsre Sünden ein«; die Gefangennahme durch das einzige Duett des Werks mit Choreinwürfen und den anschließenden wutschnaubenden Doppelchor »Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden?«; der Beginn des zweiten Teils durch die Altarie »Ach, nun ist mein Jesus hin« mit den Einschüben aus dem Hohen Lied »Wo ist denn dein Freund hingegangen?«; und schließlich die Kreuzigung durch das erschütternde Rezitativ »Ach Golgatha, unselges Golgatha« und die Altarie »Sehet, Jesus hat die Hand«. Diese vorletzte Arie der Passion ist die Antwort auf den Eingangschor: Sie verkündet die Erlösungsbotschaft noch vor dem Ende des Leidensweges. Deshalb kehrt hier das Frage-Antwort-Muster wieder: »Z. Kommt! Gl. Wohin? Z. in Jesu Armen / sucht Erlösung, nehmt Erbarmen. / Suchet! Gl. Wo? Z. In Jesu Armen.«

Der leidende Menschensohn

In keiner zweiten Passionsmusik des 18. Jahrhunderts wird uns der Mensch Jesus von Nazareth so greifbar nahe gerückt wie in diesem Werk, ganz besonders in Gethsemane. Wir erleben, wie Jesus Schritt für Schritt auf seinen Kreuzestod zugeht, und wie die Jünger dieses Geschehen zunehmend ratlos begleiten. Die Worte des Heilands, von Bach mit dem Nimbus des Streicherklangs umhüllt, in dem doch immer wieder die düsteren Farben der Passion durchbrechen, stehen im Zentrum. Seine Ankündigung des Leidens, die Einsetzung der Eucharistie, die Unterwerfung unter den Willen des Vaters und die willentlich herbeigeführte Festnahme lassen uns den Menschen und Gottessohn auf einem vorgezeichneten, mutig angenommenen Weg erkennen: »Sehet ihn aus Lieb und Huld Holz zum Kreuze selber tragen«, wie es im Eingangschor heißt. Die Gesprächspartner Jesu sind die Jünger: opponierend, fragend, dem Heilsgeschehen lange Zeit verständnislos gegenüberstehend, wie man gleich in der Bethanienszene sieht. Im zweiten Teil dagegen verstummt der Heiland – wie das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird – und spricht erst wieder im erschütternden »Eli lama« ohne Streicher-Aureole. In den Szenen dazwischen sehen wir Menschen, die mit dem Leiden konfrontiert werden und darauf mit allen auch uns eigenen Schwächen reagieren.

Karl Böhmer


Christian Gerhaher studierte Gesang sowie Philosophie und Medizin. Im Fach Liedgesang waren u. a. Helmut Deutsch, Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf seine Lehrer. Mit Liedrecitals und als Solist bei führenden Orchestern (z. B. Wiener, Münchner und Berliner Philharmoniker, Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, NHK Symphony Orchestra, Cleveland Orchestra) gastierte Christian Gerhaher auf zahlreichen bedeutenden Podien im In- und Ausland. Neben seiner umfangreichen Arbeit im Lied- und Konzertbereich ist er in ausgewählten Opernproduktionen tätig, so z. B. in der Titelrolle von Monteverdis Orfeo und als Wolfram im Tannhäuser. Nikolaus Harnoncourt, Riccardo Muti, Mariss Jansons und Sir Simon Rattle zählen zu den Dirigenten, mit denen der Sänger bislang zusammengearbeitet hat. Bei den Berliner Philharmonikern war er seit seinem Debüt im Dezember 2003 mit der Baritonpartie in Brittens War Requiem (Dirigent: Donald Runnicles) mehrfach zu hören; zuletzt trat er mit ihnen im Februar 2009 in Schumanns Das Paradies und die Peri auf. Als Honorarprofessor für Liedgesang lehrt Christian Gerhaher an der Hochschule für Musik und Theater in München und gibt Meisterklassen beispielsweise an der Yale University und im Amsterdamer Concertgebouw. Seine Lied-Einspielungen mit Gerold Huber als Klavierbegleiter wurden mehrfach ausgezeichnet; u. a. mit einem »Gramophone Award« (2006).

Magdalena Kožená, in Brno (Brünn) geboren, studierte am dortigen Konservatorium sowie in Bratislava. Die Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe (u. a. des Internationalen Mozartwettbewerbs in Salzburg 1995) erhielt erste Engagements an der Janáček-Oper Brno und beim Musikfestival »Prager Frühling«. Seither sang sie z. B. in Paris am Châtelet-Theater (die weibliche Titelrolle in Glucks Orphée et Eurydice), an der Opéra Comique und am Théâtre des Champs Élysées (Mélisande), an der Metropolitan Opera in New York (Varvara in Kátja Kabanová) sowie in einer Inszenierung des Rosenkavaliers an der Berliner Staatsoper. Bekannt für ihre Interpretation von Mozartpartien (Cherubino, Idamante, Sesto, Zerlina), gastierte Magdalena Kožená bei renommierten Festivals wie in Edinburgh, Salzburg, Glyndebourne und an der Bayerischen Staatsoper München. Auch als Konzertsängerin und mit Liederabenden – begleitet von Pianisten wie Daniel Barenboim, Yefim Bronfman oder Mitsuko Uchida – feierte sie weltweit Erfolge. Von der französischen Regierung wurde Magdalena Kožená im Jahr 2003 mit dem Titel »Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres« geehrt; Gramophone wählte sie 2004 zur »Künstlerin des Jahres«. In Konzerten der Berliner Philharmoniker war sie seit September 2003 wiederholt zu erleben; in Berlin zuletzt Ende September 2008 unter der Leitung von Sir Simon Rattle in Afführungen von Maurice Ravels Oper L’Enfant et les sortilèges.

Der Finne Topi Lehtipuu wurde in Australien geboren. Er studierte Klavier und Violine sowie Chorleitung und Gesang an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Sein Operndebüt gab der Tenor als Albert Herring in der gleichnamigen Oper Benjamin Brittens auf der Bühne der Finnischen Nationaloper Helsinki; es folgten Engagements u. a. am Théâtre des Champs Elysées in Paris, am Théâtre de La Monnaie Brüssel sowie eine spektakuläre Rollenpremiere als Belmonte wiederum an der Finnischen Nationaloper. René Jacobs verpflichtete den Tenor für eine auch an der Berliner Lindenoper gezeigte Produktion von Monteverdis Orfeo. In Europa, den USA und in Japan arbeitet der Sänger auch mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, William Christie, Riccardo Muti und Emmanuelle Haïm. Topi Lehtipuus Repertoire beschränkt sich keineswegs auf barocke und klassische Werke, sondern spannt mit Kompositionen von Schönberg, Rautavaara und Pärt einen Bogen bis ins 20. Jahrhundert. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte er erstmals Mitte Juni 2005 unter der Leitung von Sir Simon Rattle in Konzerten mit Strawinskys Renard. Seine letzten Auftritte mit dem Orchester und Sir Simon Rattle in Berlin Anfang Februar 2009 galten dem schumannschen Werk Das Paradies und die Peri.

Mark Padmore, ein gebürtiger Londoner, wurde zunächst als Klarinettist ausgebildet, bevor er am King’s College in Cambridge ein Gesangsstudium aufnahm. Bekannt wurde er vor allem mit den Evangelistenpartien in Aufführungen der Bach-Passionen unter Leitung von Dirigenten wie Philippe Herreweghe und Paul McCreesh. Der Tenor ist jedoch nicht nur im Liedgesang und im Konzertfach, sondern auch als Opernsänger international anerkannt. So wirkte er an der Aufführung von Les Troyens am Théâtre du Châtelet in Paris und von Händels Jephtha an der English National Opera mit. Er ist u. a. bei den Wiener und New Yorker Philharmonikern, beim London und beim BBC Symphony Orchestra sowie beim Concertgebouworkest Amsterdam aufgetreten, konzertiert regelmäßig mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment sowie dem Nash Ensemble, das mit ihm im März 2009 A Constant Obsession von Mark-Anthony Turnage uraufführte. Als Kammermusiker arbeitet er mit Künstlern wie Julius Drake, Roger Vignoles, Imogen Cooper und Till Fellner. Im Mai 2008 veranstaltete er auf Einladung der Londoner Wigmore Hall dort drei Zyklen mit Schubertliedern. Sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab Mark Padmore im Juni 2005 in Konzerten mit Joseph Haydns Harmoniemesse, die Sir Simon Rattle dirigierte. Zuletzt war er hier Mitte Dezember 2007 unter der Leitung von William Christie in Aufführungen von Händels Messiah zu erleben.

Thomas Quasthoff zählt zu den führenden Lied- und Konzertsängern unserer Zeit. Seine musikalische Ausbildung erhielt er bei Charlotte Lehmann und Ernst Huber-Contwig; außerdem absolvierte er ein Jurastudium. 1995 trat er erstmals in den USA und in Japan auf, was den Grundstein für eine erfolgreiche internationale Karriere legte. 1996 berief die Musikhochschule Detmold Thomas Quasthoff auf eine Professur für Gesang; in gleicher Position wechselte er zum Wintersemester 2004/2005 an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Als Gast der Spitzenorchester in aller Welt verbinden den Bassbariton künstlerische Partnerschaften mit einer Vielzahl bedeutender Dirigenten. Seit 1997 regelmäßig in Konzerten der Berliner Philharmoniker zu erleben, gab Thomas Quasthoff im April 2003 bei den Salzburger Osterfestspielen sein Operndebüt als Minister in einer Produktion von Beethovens Fidelio mit den Philharmonikern, die Sir Simon Rattle dirigierte. Ebenfalls unter Rattles Leitung sang er in Berliner Konzerten des Orchesters Anfang September 2009 die Basspartie in Haydns Jahreszeiten. Thomas Quasthoff erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Im Oktober 2005 verlieh ihm Bundespräsident Horst Köhler den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland; im Folgejahr erhielt er in der Dresdner Frauenkirche den Europäischen Kulturpreis. Der Künstler wurde außerdem zum »Österreichischer Kammersänger « ernant und 2009 mit der Goldmedaille der Royal Philharmonic Society in London ausgezeichnet.

Camilla Tilling stammt aus Linköping in Schweden. Sie studierte an der Universität in Göteborg sowie am Royal College of Music in London. Die Sopranistin hat bereits an vielen bedeutenden Opernhäusern in Europa und den USA sowie bei den Festivals in Glyndebourne, Drottningholm und Aix-en-Provence gesungen, wobei sie mit Dirigenten und Dirigentinnen wie Marc Minkowski, Antonio Pappano, Sir John Eliot Gardiner, Emmanuelle Haïm und Semyon Bychkov zusammengearbeitet hat. Ihr Opernrepertoire umfasst Partien von Händel, Mozart, Rossini, Verdi und Strauss ebenso wie Werke von Debussy und Britten. Im Konzertfach, aber auch mit Recitals gastiert sie weltweit auf den bedeutendsten Bühnen, so bei den Promenadenkonzerten der BBC, in der Wigmore Hall in London und der Carnegie Hall in New York. Bei den Berliner Philharmonikern gab Camilla Tilling ihr Debüt Mitte Dezember 2007 in Konzerten mit Händels Messiah unter der Leitung von William Christie. Bei ihrer jüngsten Begegnung mit dem Orchester Anfang März 2008 sang sie in Werken von Webern und Händel, die Susanna Mälkki bzw. Emanuelle Haїm dirigierten.

Der Rundfunkchor Berlin, 1925 gegründet, prägte unter Dirigenten wie George Szell, Hermann Scherchen, Otto Klemperer und Erich Kleiber musikalische Sternstunden der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er mit seinem Chefdirigenten Helmut Koch die Oratorien Händels erstmals in der Originalgestalt international bekannt. Dietrich Knothe (1982 – 1993) formte den Chor zu einem Präzisionsinstrument für schwierigste Literatur; Robin Gritton (1994 – 2001) bereicherte und verfeinerte die Farbpalette des Ensembles. Seit 2001 leitet Simon Halsey den Rundfunkchor. Er legt besonderes Gewicht auf die stilistisch und sprachlich perfekte, dabei lebendige und mitreißende Wiedergabe von Werken aller Epochen und Stile. Eine rege Aufnahmetätigkeit dokumentiert diese Arbeit: So erhielt die mit den Berliner Philharmonikern entstandene CD-Veröffentlichung von Strawinskys Psalmensymphonie unter der Leitung von Sir Simon Rattle den »Grammy Award« 2009 als beste Choraufnahme. Simon Halsey initiierte außerdem zahlreiche Projekte des Chores im Bildungs- und Erziehungsbereich sowie einmal im Jahr ein großes Mitsingkonzert. Das Vokalensemble ist Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen verbinden ihn mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Bei den Philharmonikern gastierte der Rundfunkchor Berlin zuletzt im Dezember 2009 unter der Leitung von Christian Thielemann mit Werken von Johannes Brahms.

Der Staats- und Domchor Berlin ist einer der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands mit einer Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Im 19. Jahrhundert gelangte der damalige Königliche Domchor unter den Direktoren Felix Mendelssohn Bartholdy, Otto Nicolai und Heinrich August Neidhardt zu einer ersten Blütezeit. 1923 wurde das Ensemble in den »Staats- und Domchor Berlin« umbenannt und der Hochschule für Musik zugeordnet. Heute übernimmt der Chor die musikalische Ausgestaltung von Gottesdiensten im Berliner Dom und von politischen Festakten. Er hat außerdem Anteil an Aufführungen der Opern- und Konzerthäuser Berlins und veranstaltet eigene Konzerte mit einem Repertoire, das die großen Werke der abendländischen Chorkultur vom Mittelalter bis zur Moderne umfasst. An der Spitze des Chors steht seit 2002 Kai-Uwe Jirka, Professor für Chorleitung an der Universität der Künste Berlin. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt der Staats- und Domchor Berlin den Europäischen Jugendchorkulturpreis des Jahres 2002. Konzertreisen führten ihn in durch Europa, Asien, die USA und nach Israel.

Peter Sellars ist für seine innovativen, wegweisenden Theaterinszenierungen bekannt. Hauptaugenmerk seiner Arbeit mit literarischen Stoffen ist der Versuch, einen Bezug zu den heutigen politischen und sozialen Fragen herzustellen. 1975 Absolvent der Phillips Academy in Massachusetts, studierte er anschließend Literatur und Musik an der Harvard University. 1980 debütierte er in New York als Bühnenregisseur. Nach weiteren Theaterstudien in Asien wurde Peter Sellars 1983 Theaterleiter der Boston Shakespeare Company und im Jahr darauf des American National Theatre in Washington D. C.. Internationales Renommee als Regisseur moderner Interpretationen verschaffte ihm die Übertragung seiner Inszenierungen von Così fan tutte, Le nozze di Figaro und Don Giovanni im amerikanischen Fernsehen. Es folgten viele weitere Operninszenierungen an namhaften Bühnen, u. a. bei den Festspielen in Salzburg und Glyndebourne, den Wiener Festwochen, an der San Francisco Opera und der Opéra National de Paris. Großen Zuspruch erhielten seine Interpretationen von Strawinskys Oedipus Rex und Symphonie des psaumes sowie von Shakespeares Othello. Leiter mehrerer internationaler Kunstfestivals, beispielsweise des Theaterfestivals in Los Angeles (1990 und 1993) und desjenigen der Biennale in Venedig (2003), wurde Peter Sellars 2006 von Peter Marboe, dem Intendanten des Wiener Mozartjahres, beauftragt, in dessen Rahmen das Festival »New Crowned Hope« zu organisieren. Peter Sellars ist Resident Curator des Telluride Film Festivals. Erst kürzlich wurde er in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.


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EMISir Simon Rattle tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von EMI Classics auf.

 

Magdalena Kožená tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von Deutsche Grammophon auf.

 

EMIChristian Gerhaher tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von Sony Classical auf.

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Sehen Sie ein Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 1 und Beethovens Symphonie Nr. 4, dirigiert von Sir Simon Rattle.

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