Sa, 25. April 2009

Berliner Philharmoniker
Peter Eötvös

  • Johann Sebastian Bach
    Choralvorspiele »Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist« und »Schmücke Dich, o liebe Seele« (08:46)

  • Richard Wagner
    Siegfried-Idyll (20:59)

  • Bernd Alois Zimmermann
    Requiem für einen jungen Dichter (01:09:48)

    Caroline Stein Sopran, Claudio Otelli Bariton, Michael Rotschopf Sprecher, Thomas Wittmann Sprecher, Rundfunkchor Berlin, James Wood Einstudierung, MDR Rundfunkchor Leipzig, Howard Arman Einstudierung, Herren des WDR Rundfunkchors Köln, Philipp Ahmann Einstudierung, Herren des SWR Vokalensembles Stuttgart, Celso Antunes Einstudierung, João Rafael Klangregie

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    Peter Eötvös über Zimmermanns »Requiem für einen jungen Dichter« (12:59)

    Peter Eötvös

Traurig und einsam ist dieser Tod. Abschied aus eigenem Willen, in völliger Verzweiflung zur Entscheidung gereift. So war es auch im Fall von Bernd Alois Zimmermann, der sich wenige Zeit nach Vollendung seines Requiems für einen jungen Dichter selbst das Leben nahm – und damit den gleichen Weg wählte wie jene Dichter, die seinem Werk den Namen gaben. Einen davon kennt man gut, seine Verse sind vielen vertraut: Wladimir Majakowski, der bei Ausbruch der russischen Revolution der jungen Generation eine Stimme gab und eine zeitlang als sowjetischer Vorzeigedichter galt. Schon den zweiten kennen nur wenige, es ist Sergej Jessenin, der große russische Volkspoet, der sich 1925 in Leningrad die Pulsadern aufschnitt und dann erhängte. Und beim dritten Dichter (und Schriftsteller) fängt die Vergessenheit an, absolut zu sein. Dabei stehen Worte des Österreichers Konrad Bayer, Mitglied der so genannten Wiener Gruppe, im Zentrum des zimmermannschen Werks. Worte, die beispielhaft sind für den vergeblichen Kampf, den dieser heute beinahe namenlose Dichter ein kurzes Leben lang geführt hat: »frage: worauf hoffen? / es gibt nichts was zu erreichen wäre, außer dem tod.«

Wie jeder weiß. Wie jeder Mensch sehen kann.

I. Eine disparate Chronik der Fakten und Ereignisse zu diesem Konzert

Im Mai 1723 tritt Johann Sebastian Bach sein Amt als Leipziger Thomaskantor an. Er war erst ernannt worden, nachdem drei favorisierte Kandidaten kurzfristig abgesprungen waren. In seinem letzten Lebensjahrzehnt – Bach stirbt am 28. Juli 1750 in Leipzig – unterzieht der Komponist eine Reihe älterer Choralvorspiele für Orgel einer gründlichen Revision, darunter »Schmücke Dich, o liebe Seele«BWV 654 und »Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist«BWV 667.

Am 25. August 1870 heiratet Richard Wagner die 24 Jahre jüngere Cosima von Bülow. Seit 1864 leben Richard und Cosima in »wilder Ehe« zusammen und haben bereits drei gemeinsame Kinder: die Töchter Isolde und Eva sowie den Sohn Siegfried. Am Morgen des 25. Dezember 1870 wird im Landhaus Tribschen bei Luzern »als symphonischer Geburtstagsgruß seiner Cosima dargebracht von ihrem Richard« das später so genannte Siegfried-Idyll uraufgeführt. Sein Hauptthema bildet Brünnhildes Phrase »Ewig war ich, ewig bin ich« aus dem dritten Akt des Siegfried.

Am 13. Februar 1883 stirbt Wagner in Venedig.

Zwischen Ende April und dem 24. Juni 1922 bearbeitet Arnold Schönberg in Mödling und Traunkirchen die beiden bachschen Choralvorspiele BWV 654 und 667 für Orchester. »Wir brauchen: Durchsichtigkeit um durchschauen zu können«, rechtfertigt er seine Instrumentationen; »unser heutiges musikalisches Auffassen verlangte Verdeutlichung des motivischen Verlaufes in der Horizontalen, sowie in der Vertikalen.«

Am 28. Dezember 1925 – zwei Monate nach seinem 30. Geburtstag – nimmt sich der Dichter Sergej Jessenin in einem Leningrader Hotelzimmer das Leben.

Am 1. April 1930 stirbt Cosima Wagner in Bayreuth.

Am 14. April 1930 – drei Monate vor seinem 37. Geburtstag – erschießt sich in Moskau der Dichter Wladimir Majakowski.

Am 4. August 1930 stirbt Siegfried Wagner in Bayreuth.

Am 16. September 1949 bedankt sich Schönberg in einem Brief für die Glückwünsche zu seinem 75. Geburtstag: »Andrerseits aber habe ich mich seit vielen Jahren damit abgefunden, daß ich auf volles und liebevolles Verständnis für mein Werk, für das also, was ich musikalisch zu sagen habe, bei meinen Lebzeiten nicht rechnen darf. [...] Ist es denn so selbstverständlich, daß man trotz dem Widerstand der ganzen Welt nicht aufgibt, sondern fortfährt aufzuschreiben, was man produziert?«

Schönberg stirbt am 13. Juli 1951 in Los Angeles

Am 20. Juni 1954 wird in Frankfurt/Main Bernd Alois Zimmermanns Klavierzyklus Metamorphosen uraufgeführt. Herbert Eimert – einer der Wegbereiter der Elektronischen Musik – stellt fest, dass Zimmermann mit diesem zwölftönig konzipierten Werk »völlig in die Linie der Punktuellen eingeschwenkt«, zieht aber zugleich die »Echtheit« dieser Stilwende in Zweifel. Es ist der Beginn einer kontinuierlichen Ausgrenzung Zimmermanns. 1960 kommt es zum Eklat, als der »Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen« zu gleichen Teilen an Zimmermann und Karlheinz Stockhausen verliehen werden soll und Stockhausen den Preis ablehnt, um nicht mit diesem »Gebrauchsmusiker« auf eine Stufe gestellt zu werden.

Im Februar 1964 erhält Zimmermann vom WDR den Kompositionsauftrag für eine »Kantate für Bariton solo, zwei Sprecher, Chor und großes Orchester Nachruf auf Sergej Jessenin«. Es ist der Anstoß, das alte Projekt eines Oratoriums wieder aufzugreifen, mit dem sich der Komponist seit Mitte der 1950er-Jahre getragen hatte.

Im September 1964 stellt der Wiener Schriftsteller Konrad Bayer auf der Jahrestagung der »Gruppe 47« im schwedischen Sigtuna sein Romanfragment der sechste sinn vor und erntet damit nichts als Ablehnung. Hans Mayer verurteilt Bayers »grausame« und »scheußliche« Prosa ebenso vehement wie Erich Fried, der dem Autor »Anti-Menschlichkeit« unterstellt.

Am 10. Oktober 1964 – zwei Monate vor seinem 32. Geburtstag – nimmt sich Bayer in Wien das Leben.

Am 11. Dezember 1969 wird Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter uraufgeführt. Bei dem Werk, so erklärt der Komponist, »ist nicht an einen bestimmten jungen Dichter gedacht (obwohl drei Dichter, nämlich Majakowski, Jessenin und Bayer, in dem Werk besonders hervortreten), sondern gewissermaßen an den jungen Dichter schlechthin, wie wir ihn uns für den Zeitraum der vergangenen 50 Jahre vorstellen können, in seinen vielfältigen Beziehungen zu dem, was seine geistige, kulturelle, geschichtliche und sprachliche Situation bestimmt – und damit die unsrige, die europäische von 1920 –1970 meint«.

Am 10. August 1970 – knapp fünf Monate nach seinem 52. Geburtstag – nimmt sich Zimmermann in Frechen-Königsdorf bei Köln das Leben.

II. »Wissen das alle?«

Die disparate Chronik der Fakten und Ereignisse bricht sich – wie in einem Zerrspiegel der deutsch-österreichischen Geschichte – in Bayers Text über Wissen und Nicht-Wissen, Sehen und Wegsehen, mit dem Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter endet. Alles findet gleichzeitig statt in jener pluralistischen »Kugelgestalt der Zeit«, die für Zimmermann philosophisches und kompositions-ästhetisches Modell war: »Die Betrachtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist eine Frage des Aspektes. Der Zuschauer sitzt im Zentrum einer Kugel, rund um ihn herum die Zeit, ein Kontinuum, was er gerade betrachtet, ist von seinem Blickwinkel abhängig. Denn: was sich jetzt ereignet, ist bereits im Augenblick des Geschehens Vergangenheit, was immer wir tun – wir determinieren die Zukunft, und die Zukunft hat bereits die Vergangenheit bestimmt – die Tempora sind austauschbar.«

Wenn die bachschen Choralvorspiele bereits die Instrumentationen Schönbergs in sich tragen, dann verheißt Brünnhildes Ewigkeits-Anspruch im Siegfried-Idyll bereits eine »Erlösung« im Geiste der »arischen Reinrassigkeit« (im Sinne Houston Stewart Chamberlains). Winifred Wagner – die Ehefrau Siegfrieds – äußert sich schon 1923 über die »moralische Kraft und Reinheit dieses Menschen [Adolf Hitler], der restlos eintritt und aufgeht für eine Idee, die er als richtig erkannt hat, die er mit der Inbrunst und Demut einer göttlichen Bestimmung zu verwirklichen versucht«. Mit derselben »Inbrunst und Demut«, mit der Schönberg »trotz dem Widerstand der ganzen Welt nicht aufgibt«, seine musikalischen Ideen aufzuschreiben. Und wie (der jüdische Komponist) Schönberg nicht umhin kann, Wagners Musik zu bewundern, so schlägt der (jüdische Literaturwissenschaftler) Mayer, der sich 1964 über die »grausame« und »scheußliche« Prosa Bayers empört, zahllose rhetorische Volten, um Wagners Antisemitismus als zeittypische Haltung zu relativieren.

»wie jeder weiß«, war Johann Sebastian Bach Protestant. »wie jeder wusste«, war Richard Wagner Antisemit. »wie alle wussten«, war Arnold Schönberg Jude. »wie alle wissen«, war Bernd Alois Zimmermann Katholik. »wissen das alle? das können unmöglich alle wissen...«

Und vor allem: Was hilft uns dieses Wissen? »Eine Frage des Aspektes«. Jessenin, Majakowski und Bayer. Ludwig Wittgensteins Philosophische Untersuchungen und James Joyces Ulysses. Die Rede Papst Johannes XXIII. zum Zweiten Vatikanischen Konzil, die Rede Alexander Dubčeks zum Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag und eine Rede Andreas Georgiu Papandreous anlässlich des griechischen Militärputsches von 1967. Der Artikel 1 des Grundgesetzes und »Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung«. Aischylos und Kurt Schwitters, Albert Camus, Ezra Pound und Hans Henny Jahnn. Tonband-Collagen: Massendemonstrationen, weißes Rauschen, Kriegsgeräusche, Revolutionen. Wagners Tristan, Darius Milhauds Création du Monde, Beethovens Neunte, Olivier Messiaens L’Ascension, die Beatles mit Hey Jude. Hitler, Stalin, Chamberlain, Goebbels, Churchill. »Die Tempora sind austauschbar« – aber auch die Protagonisten? Auch die Sprachen: Lateinisch, Deutsch, Tschechisch, Russisch, Alt- und Neugriechisch, Englisch, Ungarisch? Auch die Worte ...?

Das Wittgenstein-Zitat zu Beginn des Requiems für einen jungen Dichter dient durchaus jener von Schönberg postulierten »Verdeutlichung des motivischen Verlaufes«: »Die Wörter der Sprache benennen Gegenstände – Sätze sind Verbindungen von solchen Benennungen. – In diesem Bild von der Sprache finden wir die Wurzeln der Idee: Jedes Wort hat eine Bedeutung. Diese Bedeutung ist dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welchen das Wort steht.« Ein solches »Sprachspiel«, wie es Wittgenstein nennt, bildet das Konzept des Requiems: Kein Oratorium, keine Kantate, keine Messe, sondern ein »Lingual«.

Zimmermanns »Weltentwurf« (Klaus Ebbeke) des Requiems für einen jungen Dichter bedeutet – jenseits aller musikalischen Erfahrungen (oder doch weit über sie hinausgreifend) –die Umkehr des berühmten Schlusssatzes aus Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.« Worüber man nicht schweigen kann, davon muss man sprechen.

Was dann noch bleibt, ist ein letzter, verzweifelter Schrei nach Frieden: »Dona nobis pacem«. Und das ist weder eine Frage des Aspektes oder Blickwinkels noch des Zeit-Kontinuums.

Peter Eötvös, 1944 in Transsylvanien geboren, zählt als Komponist, Pädagoge und Dirigent zu den bedeutenden Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Er studierte an der Budapester Musikakademie (Komposition) und an der Musikhochschule in Köln (Dirigieren). Zwischen 1968 und 1976 arbeitete er regelmäßig mit dem Stockhausen Ensemble zusammen, von 1971 bis 1979 auch mit dem Studio für elektronische Musik des WDR in Köln. Bis 1991 war er Musikalischer Leiter des Ensembles Intercontemporain. Er stand am Pult führender Orchester in den USA, in Japan und in Europa (z. B. beim BBC Symphony Orchestra, beim Budapester Festival Orchester und bei den Münchner Philharmonikern). 1991 gründete der Musiker das Internationale Eötvös Institut und die Stiftung für junge Dirigenten und Komponisten in Budapest; in den Jahren 1992 bis 2008 lehrte er als Professor an den Musikhochschulen in Karlsruhe bzw. Köln. Eötvös’ Werke (u. a. Atlantis, zeroPoints,Three Sisters und Angels in America) werden in aller Welt aufgeführt; seine neueste Oper Love and Other Demons hatte im August 2008 in Glyndebourne Premiere. Zu den Auszeichnungen von Peter Eötvös zählen der vom ungarischen Staatspräsidenten verliehene Kossuth-Preis, der »Royal Philharmonic Society Music Award« sowie der Frankfurter Musikpreis (2007). In Konzerten der Berliner Philharmoniker gab Peter Eötvös sein Dirigierdebüt im Juni 1994 in einem Abend des Scharoun Ensembles. Zuletzt leitete er die Philharmoniker Mitte Mitte Januar 2007 in Konzerten mit Werken von Franz Liszt, Béla Bartók und György Ligeti. Im Herbst 2009 wird Peter Eötvös Erster Gastdirigent des Radio-Symphonieorchesters Wien.

Caroline Stein studierte zwischen 1983 und 1988 an der Musikhochschule Köln. Nach Engagements in Würzburg und Wiesbaden gehörte von 1991 bis 1999 zum Ensemble der Niedersächsischen Staatsoper Hannover. Dort erregte sie besondere Aufmerksamkeit durch ihre Mitwirkung in der deutschen Erstaufführung von Ligetis Le Grand Macabre, wofür die Opernwelt sie 1998 zur Sängerin des Jahres nominierte. Seit ein erster Gastvertrag sie 1990 als Königin der Nacht an die Deutsche Staatsoper Berlin und im Anschluss auf eine Tournee nach Japan führte, ist Caroline Stein an zahlreichen führenden Bühnen im In-und Ausland aufgetreten (Dresden, Leipzig, Frankfurt, München, Lausanne, San Francisco). 1999 sang sie in einer von Esa-Pekka Salonen geleiteten Produktion am Royal Opera House Covent Garden, bei ihrem Proms-Debüt ein Jahr später war Sir Simon Rattle der Dirigent. Als eines der Blumenmädchen in den von Claudio Abbado dirigierten Parsifal-Aufführungen gastierte sie im November 2001 erstmals bei den Berliner Philharmonikern; unter Sir Simons Leitung sang sie Ende August 2007 bei Philharmoniker-Konzerten in Salzburg und Luzern die Sopran-Partie in der Kammerorchesterfassung von Ligetis Mysteries of the Macabre.

Claudio Otelli studierte an der Musikhochschule in Wien und war Ensemblemitglied der dortigen Staatsoper. Mit einem Repertoire, das ein breites Spektrum an Rollen der klassischen Opernliteratur wie auch herausragende Partien des zeitgenössischen Musiktheaters umfasst, ist der Bariton seit 1994 freischaffend an bedeutenden deutschen und internationalen Bühnen tätig, z. B. am Aalto-Theater Essen, an den Staatsopern in Berlin, München und Dresden, an den Opernhäusern Frankfurt und Leipzig, an der Mailänder Scala und am Teatro San Carlo in Neapel. In den USA sang Claudio Otelli in Neuproduktionen den Jochanaan (Salome) beim Festival in Santa Fe und den Grafen Almaviva in Los Angeles. Sein Japan-Debüt gab er als Ramiro in Ravels L’heure espagnole am Neuen Nationaltheater Tokio, wo er auch als Dr. Schön (Lulu) und Sharpless (Madama Butterfly) zu hören war. Claudio Otelli, der mit Dirigenten wie Riccardo Muti, Claudio Abbado, Michael Gielen und Lothar Zagrosek zusammenarbeitet, gastierte Mitte Oktober 1992 unter Abbados Leitung erstmals bei den Berliner Philharmonikern in konzertanten Aufführungen der Rossini-Oper Il viaggio a Reims.

Michael Rotschopf wurde im österreichischen Lienz geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Bereits während der Ausbildung spielte er am Wiener Burgtheater, dem er fünf Jahre lang angehörte. Michael Rotschopf arbeitete u. a. mit den Regisseuren Hans Hollmann, Adolf Dresen und Achim Benning. 1996 wurde ihm der O.-E.-Hasse-Preis der Berliner Akademie der Künste verliehen. Michael Rotschopf arbeitete in Wien am Burgtheater, am Volkstheater und am Akademietheater sowie am Frankfurter Schauspiel und am Berliner Ensemble. 2002 engagierte ihn Peter Stein für sein Faust-Projekt; 2007 und 2008 war er auch in Steins Wallenstein-Inszenierung zu sehen. Parallel zu seiner Theaterarbeit wirkte Michael Rotschopf seit 1998 in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit; zur Zeit steht er in Kleists Der zerbrochene Krug auf der Bühne des Berliner Ensembles. Mit den Berliner Philharmonikern arbeitet er in diesen Konzerten erstmals zusammen.

Thomas Wittmann stammt aus München. Nach seiner Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg führte ihn ein erstes Engagement ans Wiener Burgtheater. Weitere Stationen waren die Salzburger Festspiele und die Schauspielhäuser in Bochum, Düsseldorf und zuletzt in Köln. Er arbeitete mit Regisseuren wie Franz Xaver Kroetz, Claus Peymann, Andrea Breth und vor allem mit Jürgen Gosch zusammen – beispielsweise 2005 bei dessen herausragender Macbeth-Inszenierung. Nachdem er in den letzten zwei Jahren als Gast am Berliner Ensemble spielte, wechselt er zur Saison 2009/2010 in ein festes Engagement an diesem Haus. Thomas Wittmann ist regelmäßig sowohl für das Fernsehen als auch für den Hörfunk tätig; bei zahlreichen Orchestern trat er bereits als Sprecher auf. Bereits im Dezember 2006 war er in der Philharmonie bei einem Konzert des Scharoun Ensembles Berlin mit dem Klavierduo Katia und Marielle Labèque als Erzähler in Camille Saint-Saëns’ Karneval der Tiere zu erleben.

Der Rundfunkchor Berlin, 1925 gegründet, prägte unter Dirigenten wie George Szell, Hermann Scherchen, Otto Klemperer und Erich Kleiber musikalische Sternstunden der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er mit seinem Chefdirigenten Helmut Koch die Oratorien Händels erstmals in der Originalgestalt international bekannt. Dietrich Knothe (1982 – 1993) formte den Chor zu einem Präzisionsinstrument für schwierigste Literatur; Robin Gritton (1994 – 2001) bereicherte und verfeinerte die Farbpalette des Ensembles. Seit 2001 leitet Simon Halsey den Rundfunkchor. Er legt besonderes Gewicht auf die stilistisch und sprachlich perfekte, dabei lebendige und mitreißende Wiedergabe von Werken aller Epochen und Stile. Eine rege Aufnahmetätigkeit dokumentiert diese Arbeit: So erhielt die Einspielung von Strawinskys Psalmensymphonie unter Sir Simon Rattle den Grammy Award 2009 als beste Choraufnahme. Das Vokalensemble ist Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen verbinden ihn mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Bei den Philharmonikern gastierte der Chor zuletzt im Februar 2009 in Konzerten mit Schumanns Das Paradies und die Peri, die Sir Simon Rattle dirigierte.

Der MDR Rundfunkchor ist der traditionsreichste und größte professionelle Konzertchor innerhalb der ARD; 1946 wurde er dem Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig angegliedert. Geprägt durch seinen ersten Chefdirigenten der Nachkriegszeit, Herbert Kegel, entwickelte das Ensemble eine Klangkultur, die es in die Reihe europäischer Spitzenchöre aufrücken ließ, wo es sich bis heute behauptet. Dazu trugen später auch die Chorleiter Dietrich Knothe, Horst Neumann, der Chordirektor Gert Frischmuth sowie die Chefdirigenten Wolf-Dieter Hauschild und Jörg-Peter Weigle bei. 1998 übernahm Howard Arman die Leitung des Chores, dessen Repertoire A-cappella-Literatur und vokalsymphonische Werke aus beinahe einem Jahrtausend Musikgeschichte umspannt. Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen weisen den Chor auch als Spezialensemble für die zeitgenössische Musik aus. Dirigenten wie Herbert von Karajan, Kurt Masur, Wolfgang Sawallisch, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Seiji Ozawa und Bernard Haitink haben mit dem Ensemble gearbeitet; nahezu 200 Produktionen auf Schallplatte und CD dokumentieren sein umfassendes Wirken. Gastspielreisen führten den MDR Rundfunkchor auf die Podien der Musikmetropolen und renommierten Festspielorte in ganz Europa sowie nach Israel und Japan. Er wirkt regelmäßig in den Konzerten des MDR Sinfonieorchesters und des Gewandhausorchesters Leipzig mit. Seit der Saison 2004/2005 lädt der Chor jährlich dreimal unter dem Motto Nachtgesang zu vokalen Entdeckungsreisen in die Leipziger Peterskirche ein.

Der WDR Rundfunkchor Köln wurde 1948 gegründet und ist ein Berufschor mit 48 Sängerinnen und Sängern. Rupert Huber, der seit 1986 mit dem Ensemble arbeitet, übernahm mit Beginn der Spielzeit 2004/2005 dessen Leitung als Chefdirigent in der Nachfolge von Bernhard Zimmermann, Herbert Schernus, Helmuth Froschauer und Anton Marik. Das musikalische Spektrum des WDR Rundfunkchors Köln reicht von mittelalterlichen bis zu zeitgenössischen Kompositionen, von geistlicher Musik bis zur Operette, vom groß besetzten Oratorium mit Orchester bis zum solistisch besetzten Vokalwerk. Besonders hervorzuheben ist die Beschäftigung des Chores mit zeitgenössischer Musik; seine Repertoireliste verzeichnet mehr als 140 Ur- und Erstaufführungen, u. a. Schönbergs Moses und Aron, Henzes Novae de infinito laudes, Stockhausens Momente, Nonos Il canto sospeso, Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter, Pendereckis Lukas-Passion und Eötvös‘ IMA. Als ein in aller Welt geschätztes Ensemble gastierte der WDR Rundfunkchor Köln bislang u. a. bei den Berliner und Wiener Festwochen, den Salzburger Festspielen und bei der Biennale in Venedig sowie in Mailand, Paris, London, Athen, Rom, Brüssel, Jerusalem, Tel Aviv, Boston, Cleveland, New York, Tokio und Osaka. In Konzerten, im Studio für Radio und Fernsehen und bei CD-Produktionen ist der WDR Rundfunkchor Köln auch regelmäßig als vokaler Partner des WDR Sinfonieorchesters Köln und des WDR Rundfunkorchesters Köln tätig.

Das SWR Vokalensemble Stuttgart, 1946 als Spezialensemble für die besonderen Bedürfnisse des Rundfunks gegründet, widmet sich seit mehr als 50 Jahren in Konzerten und Rundfunkproduktionen der Verbreitung von neuer, wenig bekannter oder virtuoser Chormusik. Als einer von fünf ARD-Chören und Teil einer in Qualität und Dichte wohl beispiellosen Chorlandschaft in Baden-Württemberg hat der aus 36 Sängerinnen und Sängern bestehende Chor ein ganz spezifisches künstlerisches Profil entwickelt und künstlerische Maßstäbe gesetzt: So ist das Ensemble für Aufführungen auch technisch anspruchsvollster Werke für Veranstalter im In- und Ausland sowie für viele Komponisten, Dirigenten und Orchester ein unentbehrlicher Partner. Damit hat sich der Chor den Ruf als eines der international besten Ensembles seiner Art erworben, dessen Qualität von Dirigenten wie Sir Roger Norrington, Ingo Metzmacher, Peter Eötvös, Michael Gielen, Pierre Boulez und Sir John Eliot Gardiner geschätzt wird. Die lange Liste der vom SWR Vokalensemble Stuttgart uraufgeführten Werke verzeichnet u. a. Kompositionen von Wolfgang Rihm, Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann, Isang Yun und Mauricio Kagel, aber auch Musik von Künstlern der jüngeren Generation wie Toshio Hosokawa und Hanspeter Kyburz. Bei seinen zahlreichen Auftritten im In- und Ausland arbeitet der Chor häufig mit führenden Ensembles der Modernen Musik und im chorsymphonischen Bereich mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR sowie dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg zusammen.

João Rafael stammt aus Caldas da Rainha in Portugal. Nach Studien in Lissabon (Klavier,Komposition und Elektronik-Ingenieurwissenschaften) setzte er – gefördert durch Stipendien der Calouste Gulbenkian Stiftung, des DAAD und der Heinrich-Strobel-Stiftung – seine Ausbildung in Paris und in Freiburg fort, wo Emmanuel Nunes (Komposition) und Mesias Maiguashca (Elektronische Musik) zu seinen Lehrern zählten. João Rafaels Kompositionen bieten ein breites Spektrum von Solo-, Ensemble- und Orchestermusik bis hin zu Tonbandstücken und Instrumentalwerken mit Live-Elektronik. Sein Transition für Soloklarinette gewann 1990 den Ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb »Camillo Togni« in Brescia; es folgten begehrte Auszeichnungen auch für spätere Werke. João Rafael erhält regelmäßig Kompositionsaufträge bedeutender Institutionen und steht mit seinem Schaffen auf den Programmen führender Solisten, Ensembles und Orchester wie auch von Rundfunkanstalten in aller Welt. Seine Tätigkeit als Komponist, Interpret und Klangregisseur wird bereichert durch Kompositionskurse, Analyse-Seminare, Workshops und Veröffentlichung von Texten in europäischen und amerikanischen Medien. Seit 1993 war João Rafael bereits mehrfach als Klangregisseur an Aufführungen von Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter beteiligt; in den Jahren 2000 und 2005 hat er Digital-Kopien der zwei analogen 4-Spur-Original-Tonbänder erstmals werkgetreu in ein neues digitales 8-Spur-Tonband synchronisiert und restauriert.

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Sehen Sie ein Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 1 und Beethovens Symphonie Nr. 4, dirigiert von Sir Simon Rattle.

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