Schönberg · Brahms / Abbado

Schönberg · Brahms / Abbado

So, 16. Mai 2010

Berliner Philharmoniker
Claudio Abbado

Christianne Stotijn, Jonas Kaufmann

  • Franz Schubert
    Gretchen am Spinnrade D 118, Nacht und Träume D 827, Erlkönig D 328 (14:07)

    Christianne Stotijn Mezzosopran, Herren des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey Einstudierung, Herren des Chors des Bayerischen Rundfunks, Michael Alber Einstudierung

  • Arnold Schönberg
    Aus Gurrelieder: Teil 1 Nr. 11: Orchester-Zwischenspiel und Lied der Waldtaube (21:30)

    Christianne Stotijn Mezzosopran, Herren des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey Einstudierung, Herren des Chors des Bayerischen Rundfunks, Michael Alber Einstudierung

  • Johannes Brahms
    Rinaldo, Kantate op. 50 (47:44)

    Jonas Kaufmann Tenor, Herren des Rundfunkchors Berlin, Simon Halsey Einstudierung, Herren des Chors des Bayerischen Rundfunks, Michael Alber Einstudierung

  • kostenlos

    Eine Einführung von Simon Halsey (16:49)

    Simon Halsey

Es gibt Dirigenten, die mit zunehmendem Alter ihr Repertoire kontinuierlich reduzieren – und es gibt Claudio Abbado, der das Publikum seiner Berliner Gastspiele unermüdlich mit erlesenen Raritäten bekannt macht. So auch bei diesem Konzert mit Werken von Schubert, Schönberg und Brahms. Mit dabei: Christianne Stotijn und Jonas Kaufmann.

Am Beginn stehen selten gehörte Orchester-Arrangements dreier Schubert-Lieder. Die Schönheit und eigenständige Substanz der originalen Klavierbegleitungen wird immer wieder gerühmt, und so ist es von besonderem Reiz, sie einmal in einer Interpretation der Berliner Philharmoniker zu hören. Originäre Orchesterlieder hingegen begegnen uns mit Schönbergs Gurreliedern, die dem Komponisten einst den größten Erfolg seines Lebens bescherten. Das Konzert endet mit einer weiteren Seltenheit: Brahms’ Kantate Rinaldo, die erstmals von den Berliner Philharmonikern aufgeführt wird und die ahnen lässt, wie wohl eine Oper dieses Komponisten geklungen hätte.

Die Solisten des Abends gehören zu den neuen Stars der Klassik-Szene. Über Christianne Stotijn schrieb die Times kürzlich, sie sei »unter den jungen Mezzosopranen eine Klasse für sich«, und Tenor Jonas Kaufmann wurde letztes Jahr in einer Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt zum »Sänger des Jahres« gekürt.

Dichtung – symphonisch!

Vokalwerke von Schubert, Schönberg und Brahms

Hector Berlioz gehörte zu den ersten, die Klavierlieder für Orchester bearbeiteten und ihnen damit den Weg in den großen Konzertsaal ermöglichten. Seine Orchesterfassung von Franz Schuberts Erlkönig D 328 wurde am 27. August 1860 in Baden-Baden uraufgeführt. Der französische Komponist und meisterhafte Instrumentator verstärkt in seiner Bearbeitung die Dramatik der Ballade, schafft aber auch neue Farben und Nuancen, wenn die atemlosen Triolenrepetitionen der Einleitung kurz vor dem Einsatz der Singstimme von den Streichern auf die Holzbläser übergehen oder fallende Streicherfiguren im vierfachen Piano die Verführungskraft des Erlkönigs (»Du liebes Kind, komm geh mit mir!«) andeuten.

Max Regers erste acht Instrumentationen von Schubert-Liedern stammen aus den Jahren 1913 und 1914. Bei Schuberts Gretchen am Spinnrade D 118 verlagert er die durchlaufende Sechzehntelkette, die die immer gleiche Bewegung des Spinnrads symbolisiert, in die Zweiten Violinen. Im Gegensatz zu Berlioz lässt Reger die Singstimme stets von Instrumenten colla parte begleiten: Zunächst sind es die Ersten Violinen, die die Gesangsstimme färben, später wechseln sich Holzbläser und Streicher in der Kolorierung ab. Bei den zwei großen Steigerungswellen des Liedes intensivieren gleich vier Instrumentengruppen den Gesang – Gretchens innere Erregung wird zur klanglichen Ekstase. In Nacht und Träume D 827 erreicht Reger mit gedämpften Streichern und einer pianissimo absteigenden Hornlinie eine verträumte, völlig kontemplative Stimmung.

»Nie hat Schubert daran gedacht für jemanden bestimmten zu komponieren, für die Höfe oder den Klerus, die Finanz oder das Volk. Ihm genügte es für die Besten geschrieben zu haben und so ist es für alle worden«, notierte Arnold Schönberg 1928. In seiner künstlerischen Unabhängigkeit war Schubert stets ein Vorbild für Schönberg, dessen Werke vom Publikum meist lautstark abgelehnt wurden. Auch bei der Uraufführung der Gurre-Lieder am 23. Februar 1913 in Wien hatten Konzertbesucher ihre Schlüsselbunde schon griffbereit, um während des Konzertes damit Lärm zu machen. Aber der Abend wurde zu einem der wenigen grandiosen Erfolge des umstrittenen Komponisten: Vom ersten Takt an war das Publikum verzaubert von dieser farbigen, blühenden, üppigen Musik, mit der Schönberg, der sich 1913 längst von der Tonalität verabschiedet hatte, nochmals einen Blick zurück warf auf einen ganz im spätromantischen Duktus gehaltenen Kompositionsstil.

Im März 1900 hatte Schönberg mit der Vertonung der Gurre-Lieder begonnen. Er legte das Werk zunächst als Liedzyklus für Sopran, Tenor und Klavierbegleitung an. Damit wollte er sich an einem vom Wiener Tonkünstler-Verein veranstalteten Kompositionswettbewerb beteiligen. Das Werk nahm im Laufe der mehrfach unterbrochenen Arbeit allerdings immer größere Dimensionen an. Schönberg instrumentierte die Lieder und komponierte Zwischenspiele. 1903 legte er die noch immer unvollendeten Gurre-Lieder ganz beiseite, der Schlusschor war lediglich skizziert. Von Juli 1910 bis November 1911 nahm er sich das alle Dimensionen sprengende Werk, das rund 150 Orchestermusiker und vier Chöre erfordert, nochmals vor und komplettierte die Instrumentation.

Die vertonten Gedichte stammen aus dem 1869 entstandenen Zyklus Gurresange (Gurre-Lieder) des dänischen Dichters Jens Peter Jacobsen (1847 – 1885). Schönberg entdeckte den Text in der deutschen Übersetzung von Robert Franz Arnold und war fasziniert von der im Mittelalter angesiedelten, historisch verankerten Sage um den Dänenkönig Waldemar und seine heimliche Geliebte Tove Lille (kleine Taube), die von Waldemars eifersüchtiger Gattin Helwig getötet wird. Das Orchesterzwischenspiel und das direkt darauf folgende Lied der Waldtaube schließen den ersten Teil der insgesamt dreiteiligen Gurre-Lieder ab.

In den vorangegangenen neun Liedern sind Waldemar und Tove in großen klanglichen Steigerungswellen einander nähergekommen. Ekstatische Aufschwünge stehen neben dunklen, zweifelnden Linien – die Todesnähe ist in Toves abschließendem Lied »Du sendest mir einen Liebesblick« jederzeit spürbar. Von kurzen Zwischenspielen verbunden, fließen die Lieder ineinander. Waldemars letztes im ersten Teil (»Du wunderliche Tove«) mündet in ein großes Orchesterzwischenspiel, das wie in einer Erinnerung die Geschichte der Liebenden nochmals Revue passieren lässt. Der ruhige Beginn mit warmen Streicherfarben steigert sich hin zu einem ekstatischen Klangrausch im Fortissimo, der an diese unmögliche Liebe glauben lässt. Dann verkündet das mit Seufzern durchsetzte Lied der Waldtaube (»Tauben von Gurre!«) Toves Tod.

Marschrhythmen erinnern an den Trauerzug mit dem Sarg Toves, scharfe Punktierungen im Blech beschreiben die Welt König Waldemars. Die Spannung im das Lied abschließenden Vers »Helwigs Falke war’s, der grausam Gurres Taube zerriss!« kulminiert schließlich in einem dramatischen Ausbruch, ehe markige b-Moll-Akkorde der Blechblasinstrumente und dunkle Paukenschläge das Drama beschließen. Die heute aufgeführten Teile der Gurre-Lieder erklingen in der Fassung mit reduziertem Orchester von Erwin Stein aus den Jahren 1922/23.

Bedeuteten die Gurre-Lieder für Schönberg einen seiner wenigen großen Erfolge vor großem Publikum, so suchte Johannes Brahms mit seinem Rinaldo op. 50 ebenfalls die Gunst der Massen. Im Oktober 1853 hatte Robert Schumann in seinem Aufsatz Neue Bahnen den noch völlig unbekannten Hamburger Komponisten als ein »junges Blut« gepriesen, »an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten. [...] Wenn er seinen Zauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der Massen, im Chor und Orchester, ihre Kräfte leihen, so stehen uns noch wunderbare Blicke in die Geheimnisse der Geisterwelt bevor.« Es waren Chorkompositionen mit Orchester wie das Deutsche Requiem op. 45, mit denen Brahms später den Durchbruch schaffte. Das erste Werk dieser Art war Rinaldo – wie die Gurre-Lieder eine weltliche Kantate für Chor, (allerdings nur einen) Solisten und Orchester. Aber zwischen den beiden Kompositionen gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten: Auch der Rinaldo entstand für einen Gesangswettbewerb; und wie Schönberg konnte Brahms das Werk zunächst nicht beenden und schrieb den Schlusschor erst einige Jahre später.

Die Textvorlage ist ein 1811 entstandenes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, das eine bekannte Episode aus Torquato Tassos Gerusalemme liberata (Befreites Jerusalem) reflektiert: Der Kreuzritter Rinaldo ist der Zauberin Armida verfallen, die ihn auf ihrer magischen Insel festhält. Erst ein diamantener Schild, in dem Rinaldo das Spiegelbild eines ehrlosen Ritters erkennt, lässt ihn zur Besinnung kommen und gemeinsam mit seinen Freunden Richtung Heiliges Land abreisen.

In der Orchestereinleitung zu Rinaldo verunklaren Synkopen den rhythmischen Puls, plötzliche Modulationen entziehen dem Hörer den sicheren Boden – Armidas Zauberinsel entfaltet ihre Wirkung. Da kann auch der erste, selbstbewusste Chor »Zu dem Strande!« wenig ausrichten: Rinaldo ist verliebt (»O lasst mich einen Augenblick noch hier!«). Erst ein eindringliches Fugato im Chor, mit dem das Überreichen des Schildes vorbereitet wird, lässt ihn innehalten. Die Zeit bleibt stehen, kein Metrum ist mehr spürbar. Dann kommt der Ritter zur Besinnung (»Ja, so sei’s! Ich will mich fassen«), erliegt jedoch ein zweites Mal Armidas Reizen. Am Ende siegt gleichwohl die Vernunft: Im doppelchörigen, erst 1868 komponierten Schlusschor »Auf dem Meere« lässt Brahms alle Zweifel schwinden und schildert die Aufbruchsstimmung in hellen Farben und hohen Tönen.

Mit Rinaldo hatte Brahms sein erstes Chorwerk mit Orchester verfasst, wenige Wochen später trat er in Wien die Stelle als Leiter der dortigen Singakademie an. Nun konnte er sich, wie es Schumann früh gefordert hatte, endlich den Massen zuwenden. Die Karriere des Hamburger Komponisten gewann an Fahrt, und auch der lang ersehnte gesellschaftliche Aufstieg war nun angelegt.

Georg Rudiger

Claudio Abbado stand 1966 zum ersten Mal als Gast am Pult der Berliner Philharmoniker, die ihn im Oktober 1989 zu ihrem Künstlerischen Leiter wählten. In den Jahren bis 2002 prägte er das Profil des Orchesters und seiner Konzertprogramme entscheidend: Er stellte den Werken der Klassik und Romantik die Musik des 20. Jahrhunderts gleichberechtigt an die Seite und war Spiritus rector der alljährlichen Themenschwerpunkte. 1994 übernahm er außerdem die künstlerische Leitung der Salzburger Osterfestspiele. Dem Wirken Abbados als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker waren andere bedeutende Tätigkeiten vorausgegangen: Von 1968 bis 1986 leitete er als Musikdirektor das Teatro alla Scala in seiner Heimatstadt Mailand, wo er 1960 sein Debüt als Dirigent gegeben hatte. Zwischen 1986 und 1991 war er Musikdirektor der Wiener Staatsoper, von 1987 an auch Generalmusikdirektor der Stadt Wien; 1988 rief er das Festival Wien Modern ins Leben. Der musikalische Nachwuchs war Claudio Abbado stets ein besonderes Anliegen: Er gründete das European Community Youth Orchestra (heute: European Union Youth Orchestra) und das Gustav Mahler Jugendorchester; seit 2005 arbeitet er auch mit dem Simón Bolívar Jugendorchester in Venezuela. Claudio Abbado wurde u. a. mit der Goldmedaille der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft und dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 2003 erhielt er die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society in London; im Sommer 2005 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Luzern verliehen: Dort hatte er 2003 das Lucerne Festival Orchestra erneut ins Leben gerufen, an dessen ersten Pulten Solisten wie Kolja Blacher, Wolfram Christ, Sabine Meyer sowie die Musiker des Hagen Quartetts spielen. Seit 2004 steht Claudio Abbado wieder regelmäßig am Pult der Berliner Philharmoniker: Zuletzt war er hier im Mai des vergangenen Jahres mit Werken von Franz Schubert, Gustav Mahler und Claude Debussy zu erleben.


Christianne Stotijn, in Delft geboren, begann ihre Musikausbildung zunächst mit Geigenunterricht; ein Violinstudium schloss sie im Jahr 2000 am Konservatorium von Amsterdam mit dem Solistendiplom ab. Gesang studierte sie anschließend in Metz, London und Amsterdam; darüber hinaus war sie Schülerin von Udo Reinemann, Jard van Nes und Dame Janet Baker. Die Mezzosopranistin wurde 2005 mit einem Borletti-Buitoni-Preis ausgezeichnet, zählte im selben Jahr zu den Mitgliedern des »New Generation Artist Scheme« der BBC und erhielt 2008 den Niederländischen Musikpreis. Christianne Stotijn war als Opernsängerin bislang auf den Bühnen in Brüssel, Paris und Amsterdam sowie bei den Festspielen in Aix en Provence zu erleben. Im von ihr besonders favorisierten Liedfach und als Konzertsolistin gastiert sie an führenden Häusern der internationalen Musikmetropolen und Festpielorte. Christianne Stotijn ist u. a. mit den Symphonieorchestern von Boston und Chicago, dem Orchestre des Champs-Elysées in Paris und mit Concerto Köln aufgetreten; René Jacobs, Gennadi Roschdestwensky, Philippe Herreweghe und Gustavo Dudamel zählen zu den Dirigenten, mit denen sie zusammengearbeitet hat. Große Erfolge feierte Christianne Stotijn mit Gustav Mahlers Rückertliedern beim Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam und dem Orchestre National de France unter der Leitung von Bernard Haitink, mit dem sie eine intensive künstlerische Partnerschaft verbindet. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Christianne Stotijn ihr Debüt Mitte Dezember 2008, als sie gemeinsam mit der Pianistin Mitsuko Uchida im Kammermusiksaal Das Buch der hängenden Gärten op. 15 von Arnold Schönberg interpretierte.


Jonas Kaufmann studierte Gesang an der Musikhochschule seiner Heimatstadt München. Während der Ausbildung wirkte er in kleineren Partien an der Bayerischen Staatsoper und am Gärtnerplatztheater mit; außerdem besuchte er Meisterkurse u. a. bei Hans Hotter und Josef Metternich. Als Schüler von Michael Rhodes perfektionierte er seine Gesangstechnik. Der Preisträger beim Meistersingerwettbewerb in Nürnberg (1993) war von 1994 bis 1996 am Staatstheater Saarbrücken engagiert; seit 2001 pflegt er eine enge Verbindung zum Ensemble des Opernhauses Zürich. Mit einem breit gefächerten Repertoire ist er darüber hinaus als Gast an den führenden Bühnen in Europa und den USA, bei Festspielen (z. B. in Salzburg und Edinburgh) und auf bedeutenden Konzertpodien zu erleben. In dieser Spielzeit feierte er Erfolge als Don José in Bizets Carmen an der Mailänder Scala, in der Titelrolle von Massenets Werther an der Pariser Opéra Bastille und als Cavaradossi in Tosca von Puccini an der New Yorker Metropolitan Opera. Für seine Interpretation des Lohengrin in Wagners gleichnamiger Oper anlässlich der Münchner Opernfestspiele 2009 wurde er von der Zeitschrift Opernwelt zum Sänger des Jahres gekürt. Zu den Dirigenten, mit denen Jonas Kaufmann bisher gearbeitet hat, zählen Sir Colin Davis, Riccardo Muti, Michael Gielen und Nikolaus Harnoncourt. Ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit sind Liederabende mit dem Klavierbegleiter Helmut Deutsch, die den Tenor regelmäßig durch Europa und nach Japan führen. Bei den Berliner Philharmonikern gab Jonas Kaufmann sein Debüt im Dezember 2003 in La Damnation de Faust von Hector Berlioz (Dirigent: Charles Dutoit). In einem ihrer Berliner Konzerte sang er zuletzt Ende August 2004 bei der Saisoneröffnung unter der Leitung von Sir Simon Rattle als Solist in Beethovens Neunter Symphonie.


Der Rundfunkchor Berlin, 1925 gegründet, prägte unter Dirigenten wie George Szell, Hermann Scherchen, Otto Klemperer und Erich Kleiber musikalische Sternstunden der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er mit seinem Chefdirigenten Helmut Koch die Oratorien Händels erstmals in der Originalgestalt international bekannt. Dietrich Knothe (1982 – 1993) formte den Chor zu einem Präzisionsinstrument für schwierigste Literatur; Robin Gritton (1994 – 2001) bereicherte und verfeinerte die Farbpalette des Ensembles. Seit 2001 leitet Simon Halsey den Rundfunkchor Berlin. Er legt besonderes Gewicht auf die stilistisch und sprachlich perfekte, dabei lebendige und mitreißende Wiedergabe von Werken aller Epochen und Stile. Eine rege Aufnahmetätigkeit dokumentiert diese Arbeit: So erhielt die mit den Berliner Philharmonikern entstandene CD-Veröffentlichung von Strawinskys Psalmensymphonie unter der Leitung von Sir Simon Rattle den »Grammy Award« 2009 als beste Choraufnahme. Simon Halsey initiierte außerdem zahlreiche Projekte des Chores im Bildungs- und Erziehungsbereich sowie einmal im Jahr ein großes Mitsingkonzert. Das Vokalensemble ist Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen verbinden ihn mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Bei den Philharmonikern gastierte der Rundfunkchor Berlin zuletzt Mitte April unter der Leitung von Sir Simon Rattle mit einer Aufführung von Bachs Matthäus-Passion.


Der Chor des Bayerischen Rundfunks, 1946 gegründet, ist der älteste der drei Klangkörper dieser Sendeanstalt. Sein künstlerischer Aufschwung verlief parallel zur Entwicklungsgeschichte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, dessen Chefdirigent – derzeit Mariss Jansons – in gleicher Position auch an der Spitze dieses Vokalensembles steht und dessen künstlerische Arbeit gemeinsam mit dem Chorleiter prägt. Unter der Führung von Michael Gläser in den Jahren 1990 bis 2005 zu einem Spitzenensemble gereift und zu höchster internationaler Anerkennung gebracht, wird der Chor seither von dem 1978 geborenen Niederländer Peter Dijkstra als Künstlerischem Leiter betreut. Aufgrund seiner besonderen klanglichen Homogenität sowie der stilistischen Vielseitigkeit, die alle Epochen und Gattungen des Chorgesangs umfasst, ist der Chor des Bayerischen Rundfunks ein begehrtes Gast-Ensemble bei den Spitzenorchestern in vielen europäischen Ländern. Seit 1998 präsentiert sich der Chor mit einer eigenen Abonnementreihe im Münchner Prinzregententheater. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte der Chor zuletzt Mitte März dieses Jahres unter der Leitung Mariss Jansons in Konzerten mit der Messa da Requiem von Giuseppe Verdi.


Jonas Kaufmann tritt in der Digital Concert Hall mit freundlicher Genehmigung von Decca Classics auf.

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Sehen Sie ein Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 1 und Beethovens Symphonie Nr. 4, dirigiert von Sir Simon Rattle.

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