So, 26. Juni 2011

Berliner Philharmoniker
Emmanuelle Haïm

Vivienne Newport

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    Jean-Philippe Rameau
    »Die Launen der Natur« (1:03:39)

    Vivienne Newport Choreografie

Zum ersten Mal stand die Musik eines Barock-Meisters auf dem Programm, als im Juni 2011 über 100 Schüler zum alljährlichen Tanz-Projekt des Education-Programms der Berliner Philharmoniker zusammenkamen. Zu erleben war eine neu zusammen gestellte Suite nach Bühnenwerken von Jean-Philippe Rameau. Am Dirigentenpult der Berliner Philharmoniker stand bei diesem Projekt die Alte-Musik-Expertin Emanuelle Haïm; die Choreographie stammte von Vivienne Newport, lange Jahre Tänzerin und enge Mitarbeiterin von Pina Bausch.

Rameaus Musik erschöpft sich keineswegs in barocker Grazie, sondern ist von aufregender Expressivität und Vielfalt - genau das richtige für ein Schüler-Ballett. Neben Sarabanden, Märschen und Chaconnes gibt es da Gewitter, Sturmbilder und Kriegslärm, dazu Improvisationen Berliner Musikschüler. All das verschmilzt mit dem unablässigen Bewegungsfluss der Tänzer. Deren Dynamik und Begeisterung, die geballte Kraft ihrer Auftritte, mal rennend, mal mit höfisch­ironischer Gemessenheit einherschreitend, ist so vielgestaltig wie die Musik. Und so wie die Musik die Stimmung wechselt zwischen Wildheit, weher Melancholie und Zärtlichkeit, so spiegelt auch die Bewegungssprache die ganze Skala von »himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt«, die nicht wenigen Jugendlichen vertraut sein dürfte. Auf jeden Fall ist in jedem Moment zu spüren, dass die jungen Tänzer ganz in ihrer Aufgabe aufgehen - und wie schon viele vor ihnen bei diesen Tanzprojekten erleben, welch unmittelbare, bereichernde Erfahrung die Auseinandersetzung mit klassischer Musik sein kann.