Eine »Late Night« mit Schlagzeugern der Berliner Philharmoniker

Eine »Late Night« mit Schlagzeugern der Berliner Philharmoniker

Philharmonie »Late Night«

Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker

  • Gérard Grisey
    Le Noir de l'Étoile

Pythagoras glaubte, unsere Planeten bewegten sich auf Kristallschalen. Deren Reibung erzeuge (so ähnlich, wie ein feuchter Finger, den man über einen Glasrand kreisen lässt) die Klänge der Sphärenmusik: sie fiele nur deshalb nicht auf, weil sie schon immer unser Ohr erfüllt habe. Heute wissen wir: Im Vakuum ist es unendlich still. Deshalb war es eine Sensation, als Ende der 1960er-Jahre erstmals aus den Tiefen des Weltalls mysteriöse Radiosignale geortet wurden. Die vermeintlichen Botschaften einer fremden Intelligenz entpuppten sich als Pulsare – als Rotationssignale implodierter Sonnensysteme, die als nur wenige Kilometer große Neutronensterne von immenser Schwerkraft um sich selbst kreisen und elektromagnetische Wellen aussenden. Überträgt man diese Wellen in Klänge, entsteht eine interstellare Rhythmusmaschine, mit komplex ratternden und pumpenden Geräuschen, die den französischen Spektralisten Gérard Grisey zu seinem Schlagzeugstück Le Noir de l’Étoile inspirierten.

In dieser Late Night präsentieren die Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker Griseys selten aufgeführtes Werk, das mit seinen kosmischen Klangkaskaden für eine neue Erfahrung von Raum und Zeit sorgt. Das rund einstündige Stück, bei dessen Aufführung die sechs Instrumentalisten um das Publikum herum platziert werden, gliedert sich in drei Abschnitte, zwischen denen per Zuspielband im 6-Kanal-Surround-System die Wellen des Pulsars Vela erklingen, dann die des Pulsars 0329+54. Griseys Partitur entfaltet sich auf der Basis von deren Rotationsimpulsen, wobei die Musiker – oft mehr als zwei Schlegel gleichzeitig bedienend – Griseys nuancenreiche Klangketten mit Kraft und Schnelligkeit durch den Raum tanzen lassen.

 

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