Brett Dean dirigiert Brett Dean

14 Jahre spielte Brett Dean als Bratschist bei den Berliner Philharmonikern – dann schlug er mit großem Erfolg die Komponistenlaufbahn ein. 2026/27 kehrt er als Composer in Residence zurück und stellt nicht nur seine Musik, sondern auch sich selbst als Dirigent vor: In seinen Conversations with Schumann spürt Dean dem komplexen Seelenleben des Romantikers nach, And once I played Ophelia ist ein Porträt von Hamlets Geliebter und Beggars and Angels schöpft Spannung aus dem Gegensatz von irdischen und himmlischen Wesen.

Sein Dirigierdebüt bei den Berliner Philharmonikern betrachtet Brett Dean als »ganz eigene Herausforderung: Wäre man mit einem klassischen Philharmoniker-Programm auf mich zugekommen, hätte ich wahrscheinlich gesagt: Danke, aber das macht besser jemand anderes. Aber ein Programm, das vor allem auf mich als Komponist zugeschnitten ist, mit Werken von mir, die ich bereits dirigiert habe – ich denke, das kann ich dem Orchester mit einigem Selbstbewusstsein vermitteln.« Das maßgeschneiderte Programm, das zugleich Teil des Musikfest Berlin ist, stellt den Composer in Residence in drei Werken vor. Von Musik, Literatur und bildender Kunst inspiriert, tragen sie dem Unmittelbarkeitsanspruch Brett Deans Rechnung: »Wie wäre es, wenn man ein neues Stück im Radio hört, ohne den Titel zu kennen oder das Programmheft gelesen zu haben? Auch in diesem Fall sollte die Musik mitreißend und stimmig sein.«

Gemeinsam mit Sopranistin Jennifer France bringen die Berliner Philharmoniker und ihr ehemaliges Mitglied zunächst dessen Conversations with Schumann zu Gehör. Das Ehepaar Schumann und deren künstlerisches Umfeld spiegeln sich hier in bruchstückartigen, mikrotonal verfremdeten Echos romantischer Musik. Analog zu Robert Schumanns Fantasie-Charakteren – dem impulsiven Florestan und dem sensiblen Eusebius – treten Vergangenheit und Gegenwart so in einen spannungsvollen Dialog. In And once I played Ophelia verkörpert die Sopranistin die Geliebte von Shakespeares Hamlet, die, dem Wahnsinn verfallen, ertrinkt. Der Gesangspart ist enorm anspruchsvoll, sowohl technisch als auch im Ausdruck.

Als eine Art atmosphärisches Intermezzo erklingt anschließend Debussys La Cathédrale engloutie in einer leuchtenden Instrumentation von Colin Matthews, bevor das Programm mit Brett Deans Beggars and Angels schließt. Die Idee zu seinem Orchesterwerk kam dem Australier beim Besuch einer Ausstellung, die Skulpturen von Bettlern mit Gemälden von Engeln kontrastierte. Dass diese beiden Sphären mitnichten klar getrennt sind – die Engel womöglich sogar zur Bedrohung werden könnten –, suggeriert Brett Dean unter anderem durch flirrende Flageoletts und gewaltige Klangeruptionen. Besonders dieses Stück zeigt, was der Composer in Residence über seine Beziehung zu den Berliner Philharmonikern sagt: »Der Klang dieses Orchesters steckt beim Komponieren immer noch in mir, selbst nach 25 Jahren.«

Berliner Philharmoniker
Brett Dean
Jennifer France

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Künstler*innen

Brett DeanKomponist
Jennifer FranceSopran
Claude DebussyKomponist

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