Maxime Pascal debütiert mit Berlioz’ »L’Enfance du Christ«
Ein Weihnachtsoratorium à la française: In L’Enfance du Christ erzählt Hector Berlioz die Geschichte nach Jesu Geburt – den Besuch der Heiligen Drei Könige beim grausamen König Herodes sowie die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Berlioz’ Musik verbindet opernhafte Dramatik mit stiller Andacht, leuchtende Orchesterfarben mit grandiosen Chören. Maxime Pascal, einer der musikalischen Leiter der Deutschen Oper Berlin, gibt mit diesem Werk sein Debüt bei den Philharmonikern.
Die Entstehungsgeschichte von L’Enfance du Christ ist kurios: Hector Berlioz komponierte nämlich zunächst ein kurzes Stück für Chor und Orgel von »ländlich-naiver Mystik«, das er einem fiktiven Pierre Ducré zuschrieb, einem »Musikmeister der Sainte-Chapelle von Paris aus dem 17. Jahrhundert«. Berlioz hegte die Idee, der Musik so bei ihrer Präsentation »den ganzen Wert einer archäologischen Merkwürdigkeit« zu geben. Die angeblich erst kurz vor der Uraufführung im Jahr 1850 in einem zugemauerten Kirchenschrank wiederentdeckte Komposition begeisterte wie erhofft: »In den Proben fassten die Choristen sogleich große Liebe zu dieser Musik aus der Zeit ihrer Vorfahren«, berichtet Berlioz. Selbst die Kritiker, die dem Komponisten bizarren Manierismus vorgeworfen hatten, ließen sich hinters Licht führen und priesen den anmutigen und melodiösen Stil des vermeintlich alten Werks.
Später fügte Berlioz ein weiteres Vokalwerk sowie eine Ouvertüre hinzu und führte die drei Stücke – nun unter eigenem Namen – mehrmals mit großem Erfolg in Paris auf. Anschließend ergänzte er dieses »Fragment eines Mysteriums im alten Stile« um eine Fortsetzung (L’arrivée à Saïs) und einen umfangreichen musikalischen Vorspann (Le songe d’Hérode), der von der Geburt Jesu und der Flucht nach Ägypten handelt. Das Ergebnis war die »Trilogie sacrée« L’Enfance du Christ – eine »schlichte und sanfte Musik«, deren vom Komponisten selbst verfasstes Libretto viel bibelferne, romantisierte Fantasie enthält. Ein durch und durch spannendes Werk, mit dem der Chormusikspezialist Maxime Pascal seinen Einstand bei den Berliner Philharmonikern gibt.
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