Sir Simon Rattle

Biografie

Im Jahr 2002 trat Sir Simon Rattle sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker an, nachdem er hier 15 Jahre zuvor debütiert hatte. Damit übernahm er ein anspruchsvolles Erbe, muss in dieser Position doch auf besondere Weise zwischen Tradition und Innovation vermittelt werden. Ein bedeutender Dirigent Mahlers und der Komponisten der zweiten Wiener Schule wie sein direkter Vorgänger Claudio Abbado, schärfte Rattle dessen kammermusikalisches Klangideal – nicht nur in Symphoniekonzerten, sondern auch in der von ihm neu eingeführten Serie intimer »Late Night«-Programme. Auch das Kernrepertoire der Karajan-Ära pflegt Sir Simon mit viel beachteten Aufführungen großer Werke der Klassik und Romantik. Darüber hinaus hat er mit den Osterfestspielen in Salzburg und seit 2013 in Baden-Baden die Musiktheater-Tradition der Berliner Philharmoniker weitergeführt, unter anderem mit der ersten Gesamtaufführung von Wagners Ring des Nibelungen seit Karajans Zeiten.

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Zugleich verbinden sich mit dem Namen Rattle wesentliche Neuerungen. So hat der in Liverpool gebürtige Künstler das anglo-amerikanische Repertoire der Berliner Philharmoniker um Werke von Britten, Elgar, Bernstein und Gershwin bereichert. Zum Zweiten ist Rattle seit Langem in der historischen Aufführungspraxis zu Hause. Deren Erkenntnisse hat er in hochgelobten Aufführungen von Haydns Symphonien und Bachs Passionsmusiken zum Klingen gebracht. Und schließlich haben sich die Berliner Philharmoniker unter Rattle verstärkt für neuere und neueste Musik engagiert; dafür stehen neben regelmäßigen Uraufführungen Konzerte mit Werken von Lutosławski über Ligeti bis hin zu Adès, Widman, Gubaidulina und Goebbels. Neben seiner künstlerischen Arbeit ist die Vermittlung von klassischer Musik an Jugendliche ein zentrales Anliegen Simon Rattles, weshalb er mit seinem Amtsantritt in Berlin ein philharmonisches Education-Programm initiierte, das unter anderem durch den Kinofilm Rhythm Is It! weltweit für Aufsehen sorgte.

Sir Simon zeichnet eine rare Kombination aus Neugier, stilistischer Vielseitigkeit und Detailgenauigkeit aus – Qualitäten, die seine ganze Laufbahn prägen. Mit noch nicht zwanzig Jahren war er 1971 Sieger des John-Player-Dirigierwettbewerbs. Engagements in England und in den USA folgten. Zu internationaler Bekanntheit gelangte Simon Rattle 1980 bis 1998 als Leiter des City of Birmingham Symphony Orchestra, der das Ensemble mit bis heute anhaltender Wirkung aus der Peripherie ins Zentrum des Musiklebens geführt hat. Nicht zuletzt für dieses Verdienst wurde Simon Rattle 1994 von Queen Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. 2007 wurde er gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern zum Internationalen UNICEF-Botschafter ernannt. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt er 2009 das deutsche Verdienstkreuz erster Klasse.

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So, 20. Dezember 2015, 20 Uhr
»Pelléas et Mélisande« mit Simon Rattle, Christian Gerhaher und Magdalena Kožená

»Alle Sterne stürzen nieder«, singt Pelléas im vierten Akt von Claude Debussys Maeterlinck-Oper Pelléas et Mélisande. »Auf dich und mich!«, antwortet Mélisande. Kurz zuvor hatten sich beide ihre verbotene Liebe gestanden. Was folgt, ist der Showdown: Das Paar sieht aus dem Dunkel Mélisandes Mann Golaud mit gezogenem Degen auf sich zustürmen. Er streckt seinen Halbbruder Pelléas wutentbrannt nieder, während Mélisande verwundet flieht. Als Debussys Drame lyrique am 30. April 1902 an der Pariser Opéra-Comique über die Bühne ging, wurde ein neues Kapitel der Musikgeschichte aufgeschlagen. Denn in dem durchkomponierten Bühnenwerk, in dem die rätselhafte Geschichte der beiden Liebenden in einer geheimnisvoll-zeitlosen Traumwelt erzählt wird, gibt es weder Arien noch Ensembles.
Auch die Orchesterzwischenspiele sind organisch in das Ganze integriert – und das, obwohl sie Debussy erst während der Probenarbeit für die Premiere auf die jetzige Ausdehnung brachte, da sie in einer ersten Version für die nötigen Bühnenumbauten nicht lang genug waren. Dabei besteht ihre Funktion nicht nur darin, den Hörer von Szene zu Szene zu geleiten, sondern auch all das zu artikulieren, was der gesungene Text nicht auszudrücken vermag. Schließlich schwebte Debussy bei der Komposition »eine dramatische Form« vor, »in der die Musik dort beginnt, wo das Wort seine Ausdrucksfähigkeit verloren hat«.

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Interviews mit Sir Simon Rattle

kostenlos 28.02.2014 - Sir Simon Rattle und Peter Sellars mit Andy King-Dabbs (32:46) zum Interview
kostenlos 08.09.2013 - Sir Simon Rattle über Witold Lutosławski (10:09) zum Interview
kostenlos 23.08.2013 - Sir Simon Rattle stellt die neue Saison vor (18:23) zum Interview
kostenlos 18.01.2013 - Sir Simon Rattle spricht über in vain von Georg Friedrich Haas (00:13:06) zum Interview
kostenlos 15.06.2013 - Sir Simon Rattle im Gespräch mit James Jolly (24:46) zum Interview
kostenlos 07.04.2013 - Sir Simon Rattle über Mozarts »Zauberflöte« (00:20:18) zum Interview
kostenlos 09.11.2012 - Interview mit Sir Simon Rattle und Simon Halsey (00:15:12) zum Interview
kostenlos 15.09.2012 - Sir Simon Rattle und Sir Willard White im Gespräch mit Sarah Willis (17:49) zum Interview

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