Lili Boulanger

Komponistin

Mozart und Schubert starben bereits im Alter von 35 beziehungsweise 31 Jahren – man kann nur spekulieren, welche Meisterwerke der Musikgeschichte dadurch nie geschrieben wurden. Lili Boulanger wurde sogar nur 24 Jahre alt. Die Komponistin, die 1913 als erste Frau überhaupt mit dem Prix de Rome die wichtigste musikalische Auszeichnung ihres Heimatlandes erhielt, gehörte in der frühen musikalischen Moderne zu den hoffnungsvollsten Talenten Frankreichs. Bereits in der Wettbewerbs-Kantate Faust et Hélène gelang es ihr, originell zwischen den damals dominanten und als gegensätzlich empfundenen Einflüssen Wagners und Debussys zu vermitteln.

Die Voraussetzungen für eine Karriere als Musikerin waren in der Familie Boulanger ideal: Der Großvater von Lili und ihrer Schwester Nadja war Cellist und Gesangsprofessor, der bei der Geburt seiner beiden Töchter bereits über 70-jährige Vater Ernest erfolgreicher Komponist. 1835 wurde er mit 19 Jahren – im selben Alter wie später Lili – ebenfalls mit dem Prix de Rome ausgezeichnet. Von früher Kindheit an litt Lili Boulanger unter verschiedenen chronischen Krankheiten, die ihr Immunsystem schwächten. Dennoch studierte sie mit großem Fleiß Harmonielehre und lernte, verschiedene Instrumente zu spielen. Ihr in wenigen Jahren entstandenes Œuvre umfasst Lieder und Chorwerke sowie die farbenreichen Tondichtungen D’un soir triste und D’un matin de printemps. Ihre einzige Oper La princesse Maleine konnte sie nicht mehr vollenden. Nach dem Tod ihrer jüngeren Schwester setzte sich Nadja Boulanger als Interpretin unermüdlich für deren Werke ein. Sie überlebte Lili um mehr als 60 Jahre.

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