Sakari Oramo dirigiert »Das Lied von der Erde« beim Mahler Festival Amsterdam

Über 100 Jahre gibt es das Mahler Festival Amsterdam bereits – Willem Mengelberg, Chefdirigent des Concertgebouw Orchesters und glühender Unterstützer Gustav Mahlers, gründete es 1920. Den Berliner Philharmonikern wurde 2025 die Ehre zuteil, die letzten beiden Konzerte des Festivals zu gestalten. Unter der Leitung von Sakari Oramo präsentierten sie das Adagio aus der unvollendeten Zehnten Symphonie sowie, zusammen mit Dorottya Láng und Benjamin Bruns, das Lied von der Erde.

Anders als viele Musikfeste findet das Mahler Festival Amsterdam mitnichten jährlich statt: Nach der Premiere 1920, bei der es Willem Mengelberg darum ging, dem von ihm verehrten Komponisten und seinen Werken in den Niederlanden »eine zweite musikalische Heimat« zu schaffen, wurde das Festival erst 1995 zum 75. Jubiläum wiederholt. Zum dritten Mal hätte das Großereignis eigentlich 2020 – zum 100. Gründungstag – stattfinden sollen, doch die Pandemie führte zur Verlegung ins Jahr 2025. Warum das Festival nicht öfter stattfindet, erschließt sich, wenn man seinen enormen Umfang und den damit verbundenen Aufwand betrachtet: An zehn Tagen führen namhafte Orchester und Solist*innen aus der ganzen Welt sämtliche Symphonien Mahlers sowie das Lied von der Erde auf.

Während die Berliner Philharmoniker mit Chefdirigent Kirill Petrenko im vorletzten Konzert des Festivals 2025 Mahlers Neunte Symphonie präsentierten, oblag es Sakari Oramo, den Zyklus abzuschließen. Der dem Orchester seit zwei Jahrzehnten verbundene finnische Dirigent war für den erkrankten Daniel Barenboim eingesprungen, der ursprünglich die Zehnte Symphonie und das Lied von der Erde in Berlin und Amsterdam hätte leiten sollen.

Nur den ersten Satz seiner letzten Symphonie brachte Mahler 1910 in Gänze zu Papier. Doch in diesem knapp halbstündigen Adagio meint man das emotionale Substrat seiner privaten Krise zu hören: die Trauer über den Verlust seiner Tochter, die Angst vor dem eigenen Tod angesichts eines diagnostizierten Herzfehlers und – ganz akut – der brennende Schmerz, der ihn überfiel, als er von der Affäre seiner Frau Alma mit Walter Gropius erfuhr. Ein katastrophisch-dissonanter Aufschrei bildet den Klimax des Adagios – für einen weiteren Satz hatte Mahler den bezeichnenden Titel Purgatorio vorgesehen. Versöhnlicher gibt sich das zwei Jahre zuvor entstandene symphonieartige Lied von der Erde. Es umkreist zwar die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz, eröffnet am Ende jedoch in der »irdischen Ewigkeit« der von Mahler so geliebten Natur eine tröstliche Perspektive.

Vorschau
Berliner Philharmoniker
Sakari Oramo
Dorottya Láng
Benjamin Bruns

© 2025 PolyCast Productions for The Royal Concertgebouw

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Künstler*innen

Sakari OramoDirigent
Gustav MahlerKomponist
Benjamin BrunsTenor

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