»Late Night«: Down Under
Nur wenige Tage nach seinem Dirigier-Debüt bei den Berliner Philharmonikern greift Composer in Residence Brett Dean zur Bratsche. Gemeinsam mit Mitgliedern des Orchesters und dem Pianisten Benjamin Hochman präsentiert er sein Imaginary Ballet: eine Suite voller rhythmischer Energie. Von Cathy Milliken – die wie Brett Dean aus Brisbane stammt – erklingt die Uraufführung ihres neuen Werks In Play. Den romantischen Schlusspunkt setzt Robert Schumanns Klavierquartett.
Reiche Erfahrungen in der zeitgenössischen Musik sammelte die international renommierte Komponistin Cathy Milliken als Oboistin durch ihre Zusammenarbeit mit Ligeti, Stockhausen und Boulez. Zu ihrem eigenen Schaffen gehören Vokalwerke ebenso wie Kompositionen für Orchester und unterschiedlich besetzte kleine Ensembles. In der Saison 2026/27 steht neben dem Klavierquartett In Play mit dem Englischhorn-Konzert eine zweite Uraufführung der Komponistin auf dem Programm. Millikens Stil ist geprägt von ihren Erfahrungen in der experimentellen, von Improvisation bestimmten Musik, wobei oft die menschliche Stimme eine zentrale Rolle spielt. Zugleich schlägt sie immer wieder klangsinnliche Brücken in populäre Genres.
Brett Dean bezeichnete sein Werk Imaginary Ballet, das aus neun kurzen, ohne Unterbrechung gespielten Abschnitten besteht, als eine »Suite aus schnellen, rhythmischen, tanzartigen Sätzen«. Die 2021 in Eindhoven uraufgeführte Komposition entstand während der Corona-Pandemie und bildet zu den leidvollen Erfahrungen dieser Zeit einen vitalen Kontrapunkt. Sie weist, so der Komponist, »sowohl treibende, beruhigende Wiederholungen als auch abrupte Kurswechsel« auf und ist »von brandenden Wellen quasi-orchestraler Energie und Splittern heimlicher Verborgenheit« gekennzeichnet.
Dean hat sich in mehreren eigenen Werken auf Robert Schumann bezogen, so auch in seiner Komposition Conversations with Schumann, deren Uraufführung er bei seinem Debüt am Pult der Berliner Philharmoniker dirigierte. Umso schöner, dass er in dieser Late Night auch als Interpret des Romantikers zu erleben ist. Schumanns Klavierquartett ist das bedeutendste Werk dieser Gattung, das zwischen denen von Mozart und Brahms komponiert wurde. Es entstand 1842, einem Jahr, in dem der Komponist vor allem Kammermusik schrieb. Das Quartett umfasst einen zwischen Entschlossenheit und Lyrik changierenden Eröffnungssatz, ein rasantes Scherzo, ein Finale mit Passagen in Fugentechnik und einen anrührenden langsamen Satz. Dessen sehnsüchtiges, von großen steigenden und fallenden Intervallen geprägtes Thema gehört zu den schönsten Eingebungen der romantischen Musik.
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