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Die Komponisten der großen Klavierkonzerte des 19. und 20. Jahrhunderts waren fast alle selbst überragende Pianist*innen. Ihre Werke für Klavier und Orchester dienten nicht zuletzt dem Zweck, dem zeitgenössischen Publikum die eigene Virtuosität vorzuführen. Indessen gibt es Ausnahmen, die auch in der vorliegenden Sammlung vertreten sind – etwa Robert Schumann, der nach ehrgeizigen Plänen seine Pianistenlaufbahn früh aufgeben musste und seinen einzigen Gattungsbeitrag Ehefrau Clara in die Finger komponierte. Oder man denke an Maurice Ravel, dessen eigene manuelle Fähigkeiten für die horrenden technischen Herausforderungen, die er sich einfallen ließ, nicht ausreichten. Aus demselben Grund wurde Peter Tschaikowskys erstes und berühmtestes Klavierkonzert von Hans von Bülow uraufgeführt, dem späteren ersten Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker.

In allen anderen Fällen vermitteln die Werke in Aufführungen kompetenter Interpret*innen einen Eindruck davon, wie die Komponisten selbst musiziert haben mögen: von Ludwig van Beethovens Fähigkeit, auf dem Klavier zu singen einerseits, seinen markanten Akzentuierungen andererseits, von der majestätischen Souveränität Franz Liszts, der mühelosen Fingerfertigkeit und zarten Ausdrucksintensität Frédéric Chopins, von der Kraft und Wucht Johannes Brahms’, dessen Hände – wie die geforderten Akkordgriffe verraten – ungewöhnlich groß und spannkräftig waren. Im 20. Jahrhundert erweiterte sich der Kreis dieser Komponisten: etwa um Béla Bartók, in dessen Werken perkussive Passagen neben herb-lyrischen stehen, um den für seine entfesselte Spiellaune berühmten Sergej Prokofjew und um Sergej Rachmaninow, der in einer Umfrage unter den berühmtesten Klaviervirtuos*innen unserer Zeit zum besten Pianisten des 20. Jahrhunderts gewählt wurde. Zum Glück ist die Tradition von Interpret*innen, die sich diesen großartigen Werken gewachsen zeigen, bis in die Gegenwart nicht abgerissen.

Seit ihrer Gründung konzertieren die Berliner Philharmoniker mit den bedeutendsten Pianist*innen der Welt. Diese Auswahl reicht von Martha Argerich, Maurizio Pollini, Krystian Zimerman, Emanuel Ax, András Schiff und Mitsuko Uchida, die seit Jahrzehnten mit dem Orchester konzertieren, bis zu Boris Berezowski, Yuja Wang und Daniil Trifonov, die das Publikum bei ihren staunenswerten Philharmoniker-Auftritten mit stilistischer Reife, müheloser Technik und zauberhafter Klangfarbendelikatesse begeisterten. Jewgenij Kissin, der bereits als 17-Jähriger mit den Berliner Philharmonikern aufgetreten ist und bei dieser Gelegenheit von Herbert von Karajan als »Genie« bezeichnet wurde, interpretierte beim Silvesterkonzert 2011 unter der Leitung von Sir Simon Rattle Griegs atmosphärisch dichtes Klavierkonzert.

Weitere hochgeschätzte Gäste sind in dieser Auswahl Jean-Yves Thibaudet und Arcadi Volodos, an deren Auftritten sich gleichzeitig die große stilistische Bandbreite der philharmonischen Klavierabende zeigt: auf der einen Seite die fragile französische Anschlagskultur in Ravels Klavierkonzert G-Dur, auf der anderen Seite das vollgriffig donnernde russische Sentiment in Tschaikowskys Erstem Klavierkonzert – ein Beleg für die ungeheure Wandlungsfähigkeit des Instruments wie seiner großen Interpreten, denen es niemals um Virtuosität als Selbstzweck, dagegen immer um die tiefgründige Erforschung musikalischer Meisterwerke geht.

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