Luigi Dallapiccola

Komponist

Erst nachdem Luigi Dallapiccola in Florenz unter Schönbergs Leitung eine Aufführung des Pierrot lunaire erlebt hatte, fasste der angehende Konzertpianist den Entschluss, die Komponistenlaufbahn einzuschlagen – und avancierte bis Ende der 1930er-Jahre zum wichtigsten Vertreter der Zwölftonmusik in Italien. Die große Resonanz auf die 1950 von Hermann Scherchen dirigierte Uraufführung seines Operneinakters Il prigioniero ebnete Dallapiccola den Weg in das Musikleben der neuen Bundesrepublik Deutschland, deren Orchester und Rundfunkanstalten zu wichtigen Auftraggebern wurden.

Luigi Dallapiccola wurde 1904 im damals österreichischen Pisino auf der Adria-Halbinsel Istrien geboren, die heute zu Kroatien gehört. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Familie aufgrund ihrer Nationalität in Graz interniert, wo Dallapiccola prägende musikalische Eindrücke erhielt. Nach dem Krieg studierte er in Triest Klavier und Harmonielehre, bevor er ans Konservatorium in Florenz wechselte, wo er 1924 das Klavierdiplom erhielt. Anschließend begann Dallapiccola eine internationale Pianistenkarriere, wobei seine Programme auch ausgewählte Stücke von Vito Frazzi enthielten, bei dem er 1932 sein Theorie- und Kompositionsstudium abschloss. Nachdem er bereits vertretungsweise am Florentiner Konservatorium die Klavierklasse seines verstorbenen Lehrers Ernesto Consolo übernommen hatte, erhielt Dallapiccola 1934 als »insegnante di pianoforte complementare« eine Festanstellung. Wichtige Eindrücke vermittelten ihm die großen Musikfeste in Florenz, Venedig, Prag und London, bei denen es zu wegweisenden Begegnungen mit den Komponisten des Schönberg-Kreises kam. Eine entscheidende Wendung bedeuteten die 1938 von Mussolini proklamierten Rassengesetze, wobei sich der Antisemitismus – Dallapiccolas Frau Laura Coen Luzzatto war Jüdin – durch die Besetzung von Florenz durch deutsche Truppen verschärfte. Die 1939 im Braunschweiger Staatstheater vorgesehene Premiere seines Operneinakters Volo di notte wurde vom deutschen Reichspropagandaministerium verboten. Mit den politischen Entwicklungen im faschistischen Italien spielten die Themen Unterdrückung und Freiheit eine immer größere Rolle in Dallapiccolas Schaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden seine Werke breite internationale Anerkennung. Als geschätzter Lehrer und Dozent und auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters starb Luigi Dallapiccola am 19. Februar 1975 in Florenz.

Konzerte