Brahms Ensemble Berlin: Bruckner, Brahms und Mendelssohn
Brahms und Bruckner liebten beide »Gselchtes mit Knödel«, aber damit endeten auch schon die Gemeinsamkeiten. »Bei Bruckner handelt es sich nicht um Werke, sondern um einen Schwindel«, meinte Brahms – und die Abneigung war durchaus gegenseitig. Von Bruckner erklingt hier das Intermezzo voller Ländlerrhythmen, von Brahms das zwischen Lebensfreude und Melancholie changierende Zweite Streichquintett. Flankiert wird diese Gegenüberstellung durch Mendelssohns überschäumendes Streichquintett Nr. 2.
Bruckner schrieb nur ein einziges wichtiges kammermusikalisches Werk: das Streichquintett in F-Dur, das auf Anregung des Geigers Joseph Hellmesberger entstand. Weil diesem das Scherzo nicht zusagte, lieferte der Komponist mit dem Intermezzo eine klanglich delikate Miniatur seiner symphonischen Scherzi nach, hier voll tänzerischer Anmut.
Ganz anders als für Bruckner spielte die Kammermusik für Brahms eine zentrale Rolle. So ist es sicherlich kein Zufall, dass er sich mit einem Werk für eine kleine Besetzung vom Komponieren verabschieden wollte. Zu seinem Zweiten Streichquintett schrieb er dem Verleger: »Sie können Abschied nehmen von meinen Noten – weil es überhaupt Zeit ist aufzuhören.« Brahms kehrte zwar zum Glück wenige Monate später aus dem selbst verordneten Frühruhestand zurück; das Quintett lässt sich aber trotzdem als geglückter Versuch verstehen, mit einer Fülle an verschiedenen Tonfällen musikalisch Bilanz zu ziehen. Das vom Cello vorgetragene Eingangs-Thema ist von Brillanz und Enthusiasmus, der langsame Satz von tiefer Trauer geprägt; und während das Werk mit feurigen ungarischen Klängen schließt, erinnern charmante Walzer-Reminiszenzen an den von Brahms verehrten Johann Strauss.
Mendelssohn widmete sein 1845 komponiertes Zweites Streichquintett – wie schon das zuvor entstandene Violinkonzert – dem Geiger Ferdinand David. Bei den virtuos-konzertanten Passagen des ersten Satzes bot Mendelssohn zweifellos den herausragenden Fähigkeiten seines Freundes eine Bühne. Veröffentlicht wurde das Quintett allerdings erst nach Mendelssohns überraschend frühem Tod, da der Komponist die geplante Überarbeitung des Finales nicht mehr realisiert hatte. Die Ecksätze versprühen Verve und Eleganz, schmerzhafte Dissonanzen prägen das Adagio und mit dem zauberhaften, aus Staccato- und Pizzicato-Klängen gewobenen Andante schrieb Mendelssohn eines seiner schönsten Scherzi.
© 2026 Berlin Phil Media GmbH