Silvesterkonzert 2026 mit Kirill Petrenko und Alexander Malofeev

Humorvoll verabschieden Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker das Jahr: Dmitri Schostakowitsch persifliert in seinem Konzert für Klavier und Trompete brillant das Genre. An der Seite von Solotrompeter David Guerrier debütiert Alexander Malofeev. Sergej Prokofjew wiederum reflektiert in der Symphonie classique ironisch die Wiener Klassik, und Richard Strauss porträtiert den Schelm Till Eulenspiegel.

Hartnäckig haftet der klassischen Musik der Ruf an, ihr wäre eine gewisse Ernsthaftigkeit immanent. Die Unterscheidung in E- (ernste) und U-Musik (Unterhaltungsmusik) führte in Deutschland gar zu unterschiedlichen Abrechnungskategorien seitens der Verwertungsgesellschaften. Erst 2026 wurde die Abschaffung der umstrittenen Trennung beschlossen. Chefdirigent Kirill Petrenko beweist in diesem Silvesterkonzert, wie unterhaltsam – ja lustig – die »ernste« Musik sein kann, die die Berliner Philharmoniker zur Aufführung bringen. Den Anfang macht die charmante Ouvertüre zu Otto Nicolais »komisch-phantastischer« Oper Die lustigen Weiber von Windsor. Im März 1849 am Königlichen Opernhaus in Berlin aus der Taufe gehoben, geriet das humorvolle Bühnenwerk über Geschlechterrollen und die Sehnsucht nach Liebe zum größten Erfolg des Komponisten.

25 Jahre jung ist Pianist Alexander Malofeev, der gemeinsam mit Orchestermitglied David Guerrier das Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester von Dmitri Schostakowitsch präsentiert – etwa gleich alt war der Komponist, als er bei der Uraufführung 1933 am Flügel saß. Als wolle er den konservativ-seriösen Charakter klassischer Konzerte aufs Korn nehmen, stellt der noch unbekümmerte Schostakowitsch in der Komposition selbstbewusst Beethoven-Zitate neben Music-Hall-Melodien, kokettiert mit einem Thema von Haydn, bevor »falsche« Harmonien am Klavier das Solo der Trompete »unterbrechen«. Laufend werden hier Hörerwartungen unterwandert und es scheint, als hätte jemand ganz genau verstanden, wie Humor funktioniert – und ein paar Pointen hochvirtuos musikalisch formuliert.

Auch Sergej Prokofjew war 25, als er 1917 mit der Symphonie classique ein Werk »im Stil von Haydn« vorlegte: Haydn, allerdings wenn dieser – so Prokofjew – bis ins 20. Jahrhundert weitergelebt, komponiert und seine Handschrift mit modernen Stilelementen angereichert hätte. Bis heute eine der beliebtesten Kompositionen Prokofjews, besticht sie durch überraschende Wendungen und eine meisterhafte Beherrschung der symphonischen Gepflogenheiten – bei gleichzeitiger lustvoller Missachtung derselben.

Dem wohl berühmtesten Spaßmacher der deutschen Literaturgeschichte setzte Richard Strauss 1895 in Till Eulenspiegels lustige Streiche ein klingendes Denkmal. Brillant instrumentiert, stellt auch diese Symphonische Dichtung für sehr große Besetzung althergebrachte Hörgewohnheiten auf den Kopf: Etwa ist ein Motiv rhythmisch so angelegt, dass es bei jeder Wiederholung auf einer anderen Zählzeit beginnt. Vortragsbezeichnungen wie »leichtfertig« und »schelmisch« akzentuieren die musikalische Erzählung.

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko
Alexander Malofeev
David Guerrier

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Kategorie

Künstler*innen

Kirill PetrenkoChefdirigent seit 2019
Otto NicolaiKomponist
Dmitri SchostakowitschKomponist
Alexander MalofeevKlavier
David GuerrierTrompete
Sergej ProkofjewKomponist
Richard StraussKomponist
Johann Strauss (Sohn)Komponist

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