Kirill Petrenko dirigiert Respighi und Martucci

Rom! Stadt der Cäsaren und Gladiatoren, Zentrum des Christentums, Schauplatz fröhlicher Feste. Auch glitzernde Brunnen, geheimnisvolle Katakomben und Parks mit schattigen Pinien gibt es hier. Mit seiner Trilogie Fontane di Roma, Feste romane und Pini di Roma schuf Ottorino Respighi eine musikalische Hommage an die Ewige Stadt, deren schillernde Klangwelt Kirill Petrenko hier zum Leben erweckt. Stimmungsvoll beginnt das Konzert mit einem kantablen Notturno von Giuseppe Martucci.

»Prima le parole, poi la musica« – erst das Wort, dann die Musik. Mit diesem Diktum stellte Claudio Monteverdi bereits an der Wende zum Barock eine Weiche für die italienische Musik: Die folgenden 300 Jahre sollten ganz im Zeichen der Oper stehen. Auch das atmosphärische Notturno Giuseppe Martuccis, mit dem Chefdirigent Kirill Petrenko dieses Konzert einleitet, weist Anklänge an einen der großen Musikdramatiker auf: Richard Wagner. Der 1856 in Kampanien geborene Komponist, Pianist und Dirigent bewunderte ihn und leitete unter anderem die italienische Erstaufführung des Tristan. Außerdem bildete Martucci am Liceo in Bologna selbst Komponisten aus – darunter Ottorino Respighi.

Weltruhm erlangte Respighi durch drei Symphonische Dichtungen, die die Berliner Philharmoniker hier als Zyklus präsentieren: Fontane di Roma, Feste romane und Pini di Roma. Die Musik selbst ist zwar »senza parole« – und doch so plastisch, dass die in Tönen beschriebenen Szenen der Ewigen Stadt vor dem inneren Auge lebendig zu werden scheinen. Bevor Respighi für eine feste Anstellung in die italienische Hauptstadt zog, hatte er in Sankt Petersburg gearbeitet und beim Meister der Instrumentation, Nikolaj Rimski-Korsakow, Unterricht genommen. Dessen Einfluss ist offenkundig in der raffiniert schillernden Musik, die das Sprudeln der römischen Brunnen in herrlichste Lautmalerei verwandelt. Noch realistischer wünschte sich Respighi den Nachtigallengesang in den Pini – die Partitur verlangt die Einspielung echter Vogelstimmen von einer Schallplatte.

Und doch geht es in diesen Werken um sehr viel mehr als pure Illustration, wie Respighi – dann doch in Worten – darlegte: In den Fontane »hat der Komponist Empfindungen und Gesichte ausdrücken wollen, die beim Anblick von vier römischen Fontänen in ihm wach wurden, und zwar jedes Mal zu der Tageszeit, wenn ihre Eigenart am meisten mit der betreffenden Umgebung übereinstimmt, oder ihre Schönheit auf den Betrachter den größten Eindruck macht.« Der impressionistische Ansatz verleiht den Tongemälden emotionale Tiefe; Respighi beschwört Sinneswahrnehmungen von der »Hirtenlandschaft in frischfeuchtem Dunst« bis zum Himmel, der »finster über dem Circus Maximus« steht. Und mehr noch: Raum und Zeit fließen ineinander. So führt der Anblick der morgendlichen Fontana del Tritone Respighis Fantasie in die griechische Mythenwelt, und die in vorchristlicher Zeit gepflanzten Pinien werden zum Ausgangspunkt, »um Erinnerungen und Visionen wachzurufen«, da die alten Bäume »Zeugnis für die wichtigsten Ereignisse im römischen Leben ablegen«.

Die Begegnung der Jahrhunderte ist bedeutsam für Respighi, der sich Zeit seines Lebens intensiv mit Alter Musik befasste und durch Arrangements wiederbelebte – darunter seine Orchestertranskription von Monteverdis Lamento d’Arianna, die die Berliner Philharmoniker unter Arthur Nikisch mit der Solistin Julia Culp 1908 aufführten.

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko

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Künstler*innen

Kirill PetrenkoChefdirigent seit 2019
Giuseppe MartucciKomponist
Ottorino RespighiKomponist

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