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Beethovens Violinkonzert mit Leonidas Kavakos und Zubin Mehta

06. Dez 2009

Berliner Philharmoniker
Zubin Mehta

Leonidas Kavakos

  • Franz Schubert
    Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200 (26 Min.)

  • Béla Bartók
    Der wunderbare Mandarin Sz 73, Suite (22 Min.)

  • Ludwig van Beethoven
    Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 (54 Min.)

    Leonidas Kavakos Violine

  • kostenlos

    Interview
    Leonidas Kavakos im Gespräch mit Walter Küssner (17 Min.)

Der legendäre Violin-Professor Josef Gingold glaubte zuerst an Betrug, als er eine Aufnahme mit Leonidas Kavakos hörte. Kaum vorstellbar erschien es ihm, dass man ohne aufnahmetechnische Tricks derart schnell und makellos spielen kann. Indessen geht es dem griechischen Geiger weniger um Virtuosität als um Wahrhaftigkeit des Ausdrucks. Davon konnte sich auch 2009 das Publikum der Berliner Philharmoniker überzeugen, als Kavakos mit dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven gastierte.

Es ist von speziellem Reiz, wenn Kavakos, der von klein auf mit der griechischen Klassik vertraut ist, die Wiener Klassik durchleuchtet. Beide Epochen sind für ihn eng verknüpft durch das Streben nach zeitloser Perfektion – das auch Kavakos in seiner Arbeit inspiriert: »Die griechische Klassik gibt ein ästhetisches Niveau vor, das nie wieder erreicht wurde und vielleicht auch nie wieder erreicht werden wird. Dieses ästhetische Niveau treibt mich an – als menschliches Wesen, Violinist und Musiker.«

Dirigent ist Zubin Mehta, der so regelmäßig wie kaum ein anderer Gast mit den Berliner Philharmonikern musiziert. Er eröffnet den Abend mit Schuberts Dritter Symphonie – ein Werk, das formal noch der Welt Haydns verhaftet ist, aber bereits ein unterschwelliges romantisches Sehnen anklingen lässt. An zweiter Stelle steht die Suite aus Bartóks bildkräftiger Pantomime Der wunderbare Mandarin.

Verkannt oder verboten

Meisterwerke von Schubert, Bartók und Beethoven

Franz Schubert war eine musikalische Frühbegabung – als ausübender Instrumentalist und Sänger wie auch als Komponist. Der Vater lehrte ihn das Geigenspiel, der älteste Bruder Ignaz unterrichtete ihn am Klavier und brachte ihm das Notenlesen bei. Mit der Aufnahme ins Wiener k. k. Stadtkonvikt wurde er 1808 Sängerknabe in der Hofkapelle und Mitglied im Orchester des Konvikts. Kammermusikalische Erfahrungen sammelte der junge Schubert im häuslichen Kreis, wo er beim Streichquartettspiel den Violapart übernahm. Die musikalische »Lehrzeit« wurde vervollständigt durch Unterricht bei zwei Hofmusikern: zunächst beim Organisten und Theaterbratschisten Wenzel Ruzicka, dann beim Hofkapellmeister Antonio Salieri.

Schuberts kompositorisches Talent regte sich früh. 1811 entstand eine Ouvertüre in D-Dur, eine Symphonie in D-Dur blieb nur Fragment. 1812/13 folgten zwei weitere Ouvertüren in D-Dur und drei geistliche Kompositionen. Ende Oktober 1813 vollendete Schubert mit 16 Jahren seine Erste Symphonie, die er – wie auch die 1815 fertiggestellte Zweite – für das Konviktsorchester schrieb. Die Symphonie Nr. 3 D-Dur komponierte Schubert 1815, zur ersten öffentlichen Aufführung kam sie erst im Februar 1881 in London. Hier finden sich keine formalen Experimente, wie in der Zweiten, dafür ein neuer wienerischer, besser gesagt schubertscher Ton. Der Kopfsatz beginnt, dem Vorbild Joseph Haydns folgend, mit einer langsamen Einleitung; allerdings überrascht Schubert damit, dass er dort, wo man den raschen Hauptsatz erwartet, einen zweiten Einleitungsabschnitt einfügt. Das bewegte Allegro con brio mit regelgerechtem Hauptthema (Klarinetten) und Seitensatz (Oboen) bietet dem Orchester Gelegenheit zu intensiver klanglicher Entfaltung.

Der dreiteilige, kammermusikalisch angelegte zweite Satz ist ein liedförmiges Allegretto. Sehr akzentuiert beginnt dann das Menuetto, das häufig als »verkapptes Scherzo« in beethovenscher Manier gedeutet wird: Erst im kontrastierenden Trio stellt sich das tänzerische Element ein. Die Opera buffa scheint der Komponist im temperamentvollen Finale zu beschwören. Der Satz ist zwar nur auf einem Thema aufgebaut, birgt aber überraschende Wendungen und motivische Einfälle. Er endet nach einem strettaartigen Abschnitt fast abrupt mit vier Schlussakkorden.

Zu den Werken, die bei ihrer Uraufführung einen Skandal verursachten, gehört die Ballettpantomime Der wunderbare Mandarin von Béla Bartók. Der Komponist hatte 1918 mit dem Werk nach einem Text seines Landsmannes Menyhért Lengyel begonnen. Die Arbeiten zogen sich lange hin, denn noch 1923 bat der Direktor des Budapester Opernhauses den Komponisten, die Instrumentierung bald zu vollenden, damit das Werk in der Saison 1924/1925 aufgeführt werden könne. Anfang 1925 war die Partitur fertiggestellt. Die Uraufführung fand dann aber nicht in Budapest statt, sondern am 27. November 1926 am Kölner Opernhaus. Wegen ihre vermeintlich unsittlichen Inhalts löste sie einen Skandal aus. Nach heftigen Protesten konservativer Kreise ließ Oberbürgermeister Konrad Adenauer weitere Vorstellungen verbieten.

Vergegenwärtigt man sich das Sujet des Werks – Raub, Prostitution und Mord –, dann ist klar, warum es seinerzeit Aufsehen erregen musste: In einem schäbigen Hotelzimmer zwingen drei Ganoven ein junges, schönes Mädchen, Männer anzulocken, um diese später auszurauben. Mit aufreizenden Tänzen weckt das Mädchen so auch das Interesse eines zunächst teilnahmslosen Mandarins. Als dieser schließlich leidenschaftlich fordernd wird, schreckt die junge Frau vor ihm zurück. Nach einer wilden Verfolgungsjagd fängt er sie. Nun kommen die Verbrecher aus ihrem Versteck. Sie rauben den Mandarin aus, versuchen, ihn mit einem Kissen zu ersticken und mit einem Schwert zu erstechen – schließlich hängen sie ihn am Haken der Deckenlampe auf. Doch alle Versuche, ihn zu töten, scheitern. Erst als sich das Mädchen des schwer verletzten Mandarins erbarmt, ihn in die Arme nimmt, beginnen seine Wunden zu bluten, und er stirbt.

Bartók muss geahnt haben, dass sich weitere Bühnenaufführungen in naher Zukunft kaum realisieren lassen würden. 1927 erstellte er eine Konzertfassung des Werkes. Diese knapp 20 Minuten dauernde, ungemein kontrastreiche und wilde Suite ist im Vergleich mit dem Ballett weder vereinfachend noch mildernd und hat unmittelbare Eindringlichkeit auch ohne die getanzte szenische Handlung. Ihre Partitur, Bartóks »brillantestes Orchesterwerk« (Pierre Boulez), ist von elementarer Kraft, ja Gewalt. Die kompositorischen Mittel, die Bartók einsetzt, sind mit denen in Strawinskys Le Sacre du printemps oder Prokofjews Skythischer Suite vergleichbar. Deutlich scheinen überdies Einflüsse des Expressionismus und Bruitismus sowie Experimente mit Clustern auf, andererseits aber auch ein gewisser »ungarischer« Ton, den der Komponist nie aufgegeben hat.

Ludwig van Beethoven schrieb sein Violinkonzert D-Dur op. 61 1806 für Franz Clement, der bereits als Knabe Aufsehen mit seinem Geigenspiel erregt hatte. Nach der Uraufführung am 23. Dezember 1806 war in der Wiener Theaterzeitung zu lesen: »Der vortreffliche ... Clement spielte ... ein Violinkonzert von Beethoven, das seiner Originalität und mannigfaltigen schönen Stellen wegen mit ausnehmendem Beifall aufgenommen wurde. ... Das Urteil von Kennern ... gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, dass der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine, und die unendlichen Wiederholungen einiger gemeinen Stellen leicht ermüden könnten.«

Obwohl sich große Virtuosen des 19. Jahrhunderts für das Werk einsetzten, waren ihm in der Folgezeit nur mehr oder minder kühle Achtungserfolge beschieden. Der Umschwung kam rund 40 Jahre nach der Uraufführung, als der knapp 13-jährige Joseph Joachim das Konzert am 27. Mai 1844 erstmalig in London spielte. Seitdem gehört es »nicht nur zum eisernen Repertoire jedes Geigers, der mehr sein will als bloß Virtuose; es hat darüber hinaus zugleich die Bedeutung eines Prüfsteins für die künstlerische Reife des Ausführenden erlangt« (Andreas Moser in seiner 1923 veröffentlichten Geschichte des Violinspiels). Zur frühen Ablehnung des Violinkonzerts dürfte der Umstand beigetragen haben, dass Beethoven kein typisches Virtuosenkonzert komponierte, sondern ein Werk, in dem sich der Solist zwar einerseits exponieren muss, andererseits aber nicht mit seiner Virtuosität brillieren soll.

Befremdlich kann selbst heute noch der Beginn des Werkes erscheinen: Fünf leise Viertel-Paukenschläge, die den rhythmischen Kern des gesamten Satzes bilden, sowie ein kantables Motiv der Holzbläser eröffnen das ausgedehnte Allegro ma non troppo. Am Ende der Orchesterexposition wird von den Geigen und tiefen Streichern ein drittes Thema in verwandtem Rhythmus eingeführt. Erst dann tritt die Solovioline mit quasi improvisatorischen Phrasen hinzu. Die bekannten Viertel-Passagen durchziehen auch die Durchführung, bevor nach einer Kadenz der Solovioline eine 25-taktige Coda den Satz beschließt.

Das folgende Larghetto ist ein verkappter Variationssatz, wobei das variierende Element vor allem die Ebene der klanglichen Färbung betrifft, während das Thema melodisch und harmonisch bei allen Wiederholungen weitgehend unverändert bleibt. Eine weitere Kadenz der Violine leitet über zu dem symphonisch angelegten, wenngleich thematisch einfachen Final-Rondo. Die Violine eröffnet und dominiert diesen tänzerischen Schluss-Satz, das Orchester gibt ihrem lebhaften Spiel einen Rahmen durch den Refrain. Nach einer dritten und letzten Kadenz führt die Coda das Rondothema aus Pianissimo-Regionen mit raffinierten harmonischen Wendungen zum lebensfrohen Fortissimo-Schluss.

Helge Grünewald


Zubin Mehta und die Berliner Philharmoniker verbindet eine langjährige musikalische Partnerschaft, die im September 1961 ihren Anfang nahm. 1936 in Bombay geboren, hatte Zubin Mehta an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowsky studiert. Der Preisträger des Dirigentenwettbewerbs in Liverpool (1958) und des Kussewitzky-Wettbewerbs in Tanglewood war mit Mitte zwanzig bereits Chefdirigent in Montreal (1961 – 1967) sowie in Los Angeles (1962 – 1978), hatte zudem bei den Wiener Philharmonikern debütiert und den erkrankten Eugene Ormandy beim Israel Philharmonic Orchestra vertreten. Von 1978 bis 1991 war er Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Bereits seit 1977 ist er Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra, seit 1985 betreut er als Chefdirigent das Teatro del Maggio Musicale in Florenz: Beide Institutionen haben ihn zum Dirigenten auf Lebenszeit ernannt. Neben seinen Konzertverpflichtungen hat Zubin Mehta auch stets Opernaufführungen an den bedeutenden Häusern der Welt geleitet; zwischen1998 und 2006 stand er als Generalmusikdirektor an der Spitze der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsorchesters in München. Zu den Auszeichnungen des Künstlers zählen der »Preis für Frieden und Toleranz« der Vereinten Nationen (1999), die Mitgliedschaft in der französischen Ehrenlegion (2001) und der Bayerische Verdienstorden (2005). 2007 wurde er zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde Wien ernannt und 2008 vom japanischen Kaiserhaus mit dem »Praemium Imperiale« geehrt. Die Berliner Philharmoniker dirigierte Zubin Mehta zuletzt im Januar 2009 mit Werken von Elliott Carter, Ludwig van Beethoven und Richard Strauss.



Leonidas Kavakos wurde 1967 in Athen geboren und begann im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen. Nach einem Studium am Konservatorium in seiner Heimatstadt konnte er als Stipendiat der Onassis-Stiftung Meisterkurse bei Josef Gingold an der Universität von Indiana (USA) besuchen. 1985 gewann Leonidas Kavakos den Sibelius-Wettbewerb in Helsinki sowie drei Jahre später den Paganini-Wettbewerb in Genua; anschließend machte er sich dem Publikum durch zahlreiche Auftritte in amerikanischen und europäischen Musikmetropolen bekannt. Inzwischen arbeitet er mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten in aller Welt zusammen. Für die Ersteinspielung des Violinkonzerts von Sibelius in der Originalfassung von 1903/04 wurde der Geiger 1991 mit dem »Gramophone Concert Award« ausgezeichnet. Zu seinen Partnern im Bereich der Kammermusik zählen Natalia Gutman, Heinrich Schiff, Emanuel Ax und Lars Vogt. Seit 2002 »Principal Guest Artist« der Camerata Salzburg, war er von 2007 bis Herbst 2009 deren Künstlerischer Leiter. Bei den Berliner Philharmonikern debütierte Kavakos im Mai 2003 als Solist im Violinkonzert von Jean Sibelius (Dirigent: Paavo Berglund). Zuletzt war er in ihren Konzerten Ende Februar 2006 unter der Leitung von Donald Runnicles mit dem Violinkonzert von Brahms zu hören. Die Instrumente, mit denen Leonidas Kavakos auftritt, sind die sogenannte Falmouth Stradivari aus dem Jahr 1692 und eine Violine von Giovanni Battista Guadagnini (Turin, 1782).


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