Französische Musik mit den Berliner Philharmonikern

Französische Musik mit den Berliner Philharmonikern
  • Claude Debussy
    Prélude à l’après-midi d’un faune (10 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Herbert von Karajan

  • Camille Saint-Saëns
    Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 »Orgelsymphonie« (42 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Zubin Mehta

    Thierry Escaich Orgel

  • Maurice Ravel
    La Valse, Poème chorégraphique für Orchester (17 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Andris Nelsons

  • Jean-Philippe Rameau
    Les Indes galantes, Suite (14 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Maurice Ravel
    Le Tombeau de Couperin (19 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Pierre Boulez

  • Hector Berlioz
    Symphonie fantastique op. 14 (62 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Claudio Abbado

  • Claude Debussy
    Jeux, Poème dansé (20 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Gabriel Fauré
    Pelléas et Mélisande, Orchestersuite op. 80 (20 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Tugan Sokhiev

  • Francis Poulenc
    Les Biches, Ballettsuite (20 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Claude Debussy
    Nocturnes (28 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Christian Thielemann

    RIAS Kammerchor Berlin, Hans-Christoph Rademann Einstudierung

  • Paul Dukas
    La Péri, Poème dansé (18 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

  • Edgard Varèse
    Ionisation für 13 Schlagzeuger (6 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    François-Xavier Roth

  • Maurice Ravel
    Boléro (15 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Daniel Barenboim

  • Pierre Boulez
    Mémoriale (... explosante-fixe ... Originel) für Flöte und acht Instrumente (8 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Daniel Harding

    Emmanuel Pahud Flöte

  • Claude Debussy
    Prélude à l’après-midi d’un faune (Bearbeitung von Benno Sachs) (11 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

Im Zeitalter des europäischen Nationalismus – vom 19. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts – hatte die französische Musik in Deutschland einen schweren Stand. Dabei hört man in Beethovens Werken deutliche Anklänge an Kompositionen der französischen Revolutionszeit. Robert Schumann, der ohnehin europäisch empfindende Franz Liszt und Richard Strauss waren ebenso von Hector Berlioz beeindruckt wie Richard Wagner. Und im literarischen Symbolismus hatten die französischen Impressionisten und die zweite Wiener Schule einen gemeinsamen Bezugspunkt: Maurice Maeterlincks Schauspiel Pelléas et Mélisande inspirierte Claude Debussy zu einer Oper und Arnold Schönberg zu einer symphonischen Dichtung. Aber die politischen Konflikte der Zeit gingen eben auch auf das ästhetische Verständnis der Künstler über, was Wagners Frankreich-Hass ebenso belegt wie die Abneigung Debussys gegen den Herrschaftsanspruch der deutsch-österreichischen Musik.

Die Zeiten haben sich zum Glück geändert: Längst gehört natürlich auch für die Berliner Philharmoniker die französische Musik zum »täglichen Brot«; auch wenn diese Metapher der Delikatesse dieser Werke vielleicht nicht gerecht wird. Schon Furtwängler dirigierte das Repertoire regelmäßig, und Herbert von Karajan war ein Meisterinterpret der Kompositionen von Ravel und Debussy. Ebenso Claudio Abbado, der zudem als letztes Werk bei den Berliner Philharmonikern in einer umjubelten Aufführung Berlioz’ Symphonie fantastique interpretierte. Der Fokus erweiterte sich dann noch einmal beträchtlich, nachdem Sir Simon Rattle Chefdirigent des Orchesters geworden war. Die von ihm dirigierte französische Musik reicht von Jean-Philippe Rameau bis zu Pierre Boulez, mit dem ihn eine Freundschaft verband. Boulez selbst gehörte von seinem Debüt 1961 bis zu seinem letzten Konzert mit den Berliner Philharmonikern 2010 für ein knappes halbes Jahrhundert zu den wichtigsten Gastdirigenten des Orchesters. Sir Simon hat zudem während seiner Amtszeit zwei Mal Debussys Pelléas et Melisande in szenischen Produktionen präsentiert, Messiaen und Bizet aufgeführt und in der Spielzeit 2015/2016 einen Schwerpunkt mit französischer Musik ausgerufen. Kirill Petrenko schließlich leitete im April 2018 als designierter philharmonischer Chefdirigent eine Aufführung von Paul Dukas’ Ballettmusik La Péri und brachte damit ein faszinierendes, über Jahrzehnte hinweg fast vergessenes Werk in Erinnerung.

Mittlerweile vermittelt die Arbeit der Berliner Philharmoniker ein eindrucksvolles Bild vom ganzen Reichtum der französischen Musik und ihrer wichtigsten Komponisten: Hector Berlioz, Revolutionär des Orchesterklangs und Autor der bis heute einflussreichen »Instrumentationslehre« sowie Miterfinder der symphonischen Dichtung und des Orchesterlieds; Claude Debussy, der mit seiner nur ungefähr 10 Minuten in Anspruch nehmenden Studie Prélude à l’après-midi d’un faune eine Art Manifest der Stimmungs- und Klangfarbenzauberei schrieb; und Maurice Ravel, der vielleicht größte Multilinguist der Musikgeschichte, der den französischen ebenso wie den spanischen, orientalischen und wienerischen Tonfall beherrschte und mit Le Tombeau de Couperin eine hinreißend eigenwillige Hommage an die französische Barockmusik schuf. Daneben treten auch lange unterschätzte Komponisten aus dem Schatten wie der wunderbar eigensinnige Gabriel Fauré oder Camille Saint-Saëns, ein Meister so effektvoller Schöpfungen wie der Orgelsymphonie. Im 20. Jahrhundert sind etwa Francis Poulenc oder Darius Milhaud zu erwähnen, die wie schon Ravel und Debussy Jazz-Elemente in ihren Kompositionen verarbeiteten. Schließlich dürfen in einer Auswahl auch die französischen Avantgardisten nicht fehlen: Der Raumklang-Pionier Edgard Varèse, der mit Ionisation ein kurzes Stück ausschließlich für Perkussions-Instrumente schrieb und der erwähnte Pierre Boulez. In seinen konzisen Werken gibt er sich als Nachfolger zugleich von Claude Debussy und Anton Webern zu erkennen.