Seiji Ozawa und die Berliner Philharmoniker

Eine außergewöhnliche Partnerschaft auf Augenhöhe verband Seiji Ozawa mit den Berliner Philharmonikern. Schon bei seinem Debüt 1966 überzeugte der Dirigent mit genauester Partiturkenntnis, klarer Körpersprache und einer Nahbarkeit, die ihm sogleich den Respekt und die Zuneigung des Orchesters einbrachte. 50 Jahre und zahlreiche gemeinsame Konzert- und Aufnahmeprojekte später ernannten die Berliner Philharmoniker den Japaner zum Ehrenmitglied. Am 1. September 2025 wäre Seiji Ozawa 90 Jahre alt geworden – unsere Playlist ist eine Hommage.
»Mit Seiji Ozawa«, so Cellist und Orchestervorstand Knut Weber 2016 bei der Ernennung Ozawas zum Ehrenmitglied, »verbinden uns viele Jahrzehnte des gemeinsamen, beglückenden Musizierens. Als ehemaliger Assistent Herbert von Karajans lebt in ihm diese Ära weiter. Als erster japanischer Dirigent von internationalem Rang schlug er eine weitere Brücke zu einem Land, das den Berliner Philharmonikern eine zweite Heimat geworden ist. Und als Dirigent vieler philharmonischer Erstaufführungen hat er uns immer wieder spannende musikalische Entdeckungen ermöglicht«.
Ozawa studierte Dirigieren und Komposition in Tokio, bevor er über ein Stipendium als Meisterschüler zu Herbert von Karajan nach Berlin kam. Prägende Erfahrungen sammelte er als Assistent von Leonard Bernstein in New York sowie durch weitere Engagements in den USA. Er war musikalischer Leiter des Boston Symphony Orchestra und der Wiener Staatsoper. Bei den Berliner Philharmonikern begeisterte er besonders durch die Freiheit und Spontaneität, die in seinen Interpretationen immer Raum behielten, ebenso wie seine schier grenzenlose Energie – ein wunderbares Beispiel hierfür bieten die Auszüge aus Strawinskys Feuervogel.
Dass der Dirigent das Orchester immer wieder mit weniger vertrautem Repertoire in Berührung brachte, zeigt die gemeinsame Aufführung der Ersten Symphonie Anton Bruckners. Ein Vierteljahrhundert hatte sie nicht mehr auf einem Programm der Philharmoniker gestanden. Die Presse beschrieb anschließend ein Bild des Dirigenten, das bei Publikum und Orchester bis heute nicht verblasst ist und noch lange über seinen Tod hinaus in Erinnerung bleiben wird: Ozawa als »zeitlos-geheimnisvollen Magier am Dirigentenpult« und – da er auswendig dirigierte – seine »liebevolle Hinwendung zu den Musikern, die er am Ende mit vielfachem Händeschütteln verabschiedete« (Klassikinfo).
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