Ralph Vaughan Williams
Komponist
Ralph Vaughan Williams gehört zu den großen Erneuerern der britischen Musik im 20. Jahrhundert. In Aufsätzen wie Who Wants the English Composer? (1912), National Music (1934) und Nationalism and Internationalism (1953) wurde er nicht müde, die zentrale Rolle der einheimischen Folklore bei der Schaffung eines nationalen Musikidioms zu betonen. Frühzeitig wandte er sich von den stark verbreiteten spät- beziehungsweise neoromantischen Einflüssen vom europäischen Kontinent ab und fand schließlich zu einem neuen »englischen« Idiom.
Ralph Vaughan Williams, 1872 in Down Ampney im Südwesten Englands geboren, studierte ab 1890 am Royal College of Music in London bei Hubert Parry und Charles Villiers Stanford, bevor er in die Klasse von Charles Wood am Trinity College der Universität Cambridge wechselte. Nach einem Bachelor in Musik und Geschichte arbeitete er zwei Jahre lang als Organist im Süden Londons, bevor er 1896 zu weiteren Studien ans Royal College of Music zurückkehrte, wo er Gustav Holst kennenlernte. Zusätzlich nahm Vaughan Williams 1897 Unterricht bei Max Bruch in Berlin, erlangte zwei Jahre später seinen Doctor of Music, wobei er erst nach weiteren Studien bei Maurice Ravel in Paris das Gefühl hatte, ausreichend ausgebildet zu sein. In diesen Jahren war Vaughan Williams als Organist, Chor- und Orchesterleiter in London tätig. Ab 1904 betrieb er zudem vor allem in Norfolk, Essex und Sussex Feldforschung, bei der er mehr als 800 englische Volkslieder sammelte, die er edierte und veröffentlichte. Von 1919 an lehrte er Komposition am Royal College of Music – zu seinen Schülern gehörten Arthur Bliss, Edmund Rubbra und Constant Lambert. Von 1920 bis 1928 leitete er den Bach Choir, dessen Aufführungen als nationale Ereignisse galten. Zudem war Vaughan Williams Präsident der English Folk Dance and Song Society sowie der Royal Scottish Academy of Music. Sein umfangreiches Œuvre enthält neun Symphonien, zahlreiche weitere Orchesterkompositionen, mehrere Opern und Bühnenmusiken, Kammermusik, Lieder, Chor- sowie Filmmusik.