29. Mai 2021

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

Andrew Staples, Stefan Dohr

  • Alberto Ginastera
    Variaciones concertantes op. 23 (25 Min.)

  • Benjamin Britten
    Serenade für Tenor, Horn und Streicher op. 31 (27 Min.)

    Andrew Staples Tenor, Stefan Dohr Horn

  • Benjamin Britten
    The Young Person’s Guide to the Orchestra op. 34 (18 Min.)

  • kostenlos

    Interview
    Sir Simon Rattle, Andrew Staples und Stefan Dohr im Gespräch (14 Min.)

Benjamin Britten schrieb zahlreiche Werke für seinen Lebensgefährten, den Tenor Peter Pears. Hierzu zählt auch die atmosphärisch dichte Serenade für Tenor, Horn und Streicher. Seine ungewöhnliche Besetzung verdankt das Werk zudem einer Begegnung des Komponisten mit Dennis Brain, einem Hornisten, dessen Virtuosität und Ausdruckskraft Britten beeindruckten. Als Interpreten waren in diesem Konzert der philharmonische Solo-Hornist Stefan Dohr und der Tenor Andrew Staples zu erleben, der bereits vielfach mit Sir Simon Rattle zusammengearbeitet hat.

Sechs Gedichte aus fünf Jahrhunderten vertonte Britten in der Serenade. Ein Horn-Solo umrahmt als Prolog und Epilog die gesungenen Texte, die durch das Thema der Nacht miteinander verbunden sind. Besonders eindringlich ist dabei William Blakes Elegy über eine von Krankheit befallene Rose gestaltet. 

Während Britten die Serenade noch im Zweiten Weltkrieg schrieb, entstand The Young Person’s Guide to the Orchestra kurz nach dessen Ende. In den so gewitzten wie brillanten Variationen, die auf einem Thema Henry Purcells basieren, stellt Britten zunächst nacheinander die einzelnen Instrumente und Instrumenten-Gruppen des Orchesters vor, um sie anschließend in einer Fuge miteinander wetteifern zu lassen. Einen ähnlichen dramaturgischen Verlauf und eine ähnliche Virtuosität in der Instrumentation zeigen die Variaciones concertantes des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Das nur von Solo-Cello und Harfe eröffnete Werk spielten die Berliner Philharmoniker in diesem Konzert zum ersten Mal.

Sir Simon Rattle war von September 2002 bis Juni 2018 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmonie. Bereits vor seinem Amtsantritt als Chefdirigent verband ihn eine 15-jährige, regelmäßige Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern: Bei seinem Debüt am Pult des Orchesters Mitte November 1987 dirigierte er Mahlers Sechste Symphonie. Seit September 2017 leitet Sir Simon als Musikdirektor das London Symphony Orchestra. Er ist zudem Erster Gastdirigent des Orchestra of the Age of Enlightenment, designierter Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (ab der Saison 2023/24) und arbeitet mit führenden Klangkörpern sowohl in Europa als auch in den USA.
Simon Rattle, 1955 in Liverpool geboren, studierte an der Royal Academy of Music in London. Von 1980 bis 1998 arbeitete er – zunächst als Erster Dirigent und künstlerischer Berater, dann als Musikdirektor – mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) und führte es an die internationale Spitze. Sein Repertoire im Konzert- und Opernfach ist vielseitig und reicht vom Barock bis zur Musik der Gegenwart. In Aix-en-Provence, London, Salzburg, Baden-Baden und Berlin dirigierte er unter anderem Opern von Rameau, Mozart, Bizet, Puccini, Wagner, Debussy, Janáček, Poulenc und Britten. Musikvermittlung ist ein besonderes Anliegen Sir Simons, dem auch die Gründung des Education-Programms der Berliner Philharmoniker zu verdanken ist. Für dieses Engagement sowie für seine künstlerische Arbeit wurde Simon Rattle vielfach ausgezeichnet. 1994 erhob ihn die englische Königin in den Ritterstand; zudem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Ritterordens der französischen Ehrenlegion und des britischen Order of Merit.

Andrew Staples sang als Knabe im Chor der Londoner St. Paul’s Cathedral, bevor er ein Musikstudium am King’s College in Cambridge absolvierte. Als Stipendiat der Britten-Pears Foundation setzte er seine Ausbildung am Royal College of Music in London und an der Britten International Opera School fort. Mit einem Repertoire, zu dem Werke von Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Britten und Tavener zählen, gastiert der Tenor an den führenden Opern- und Konzerthäusern sowie bei renommierten Festivals. Am Londoner Royal Opera House, Covent Garden, sang er u. a. Jaquino (Fidelio), Flamand (Capriccio), Artabenes (in Thomas Arnes Artaxerxes) und Narraboth (Salome). Darüber hinaus ist er z. B. am Nationaltheater in Prag, an der Hamburgischen Staatsoper, der Lyric Opera Chicago sowie am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel zu erleben; bei den Salzburger Festspielen übernahm er die Partie des Don Ottavio in Don Giovanni. Außerdem sang er den Tamino in einer von ihm selbst inszenierten und von Daniel Harding dirigierten halbszenischen Produktion von Mozarts Zauberflöte beim Lucerne Festival sowie im Schlosstheater Drottningholm. Im Konzertfach arbeitet Andrew Staples, dessen Repertoire vom englischen Barock bis zu den Klassikern der Moderne reicht, mit den Wiener Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem BBC Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra und den Rotterdamer Philharmonikern zusammen. Hierbei zählen Dirigenten wie Semyon Bychkov, Yannick Nézet-Séguin und Robin Ticciati zu seinen künstlerischen Partnern. Auch bei den Berliner Philharmonikern ist Andrew Staples seit seinem Debüt Anfang Februar 2009 unter der Leitung von Sir Simon Rattle regelmäßig zu Gast.

Stefan Dohr studierte in Essen und Köln; anschließend wurde er Solohornist im Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Es folgten Engagements in gleicher Position beim Bayreuther Festspielorchester, im Orchestre Philharmonique de Nice und beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Seit 1993 ist Stefan Dohr Solohornist der Berliner Philharmoniker. Darüber hinaus tritt er international als Solist auf und gastiert bei Orchestern wie dem Los Angeles Philharmonic, dem Schwedischen Radio-Symphonieorchester, den Philharmonischen Orchestern in Oslo, Shanghai und Osaka sowie dem NHK Symphony Orchestra. Hierbei arbeitete er u. a. mit Claudio Abbado, Marc Albrecht, Daniel Barenboim, Bernard Haitink, Daniel Harding, Sir Simon Rattle, John Storgårds und Christian Thielemann. Neben dem klassischen und romantischen Hornrepertoire gilt sein Interesse auch zeitgenössischen Werken: So brachte er ihm gewidmete Hornkonzerte u. a. von Herbert Willi (2008), Jorge E. López (2009), Johannes Wallmann (2010), Toshio Hosokawa (2011) und Wolfgang Rihm (2014) zur Uraufführung. Als Kammermusiker tritt er nicht nur mit seinen philharmonischen Kollegen auf, etwa im Ensemble Wien-Berlin und dem Philharmonischen Oktett, sondern auch mit Künstlern wie Ian Bostridge, Mark Padmore, Maurizio Pollini, Lars Vogt, Kirill Gerstein, Kolja Blacher und Guy Braunstein. Neben seiner Konzerttätigkeit unterrichtet Stefan Dohr an der Karajan-Akademie sowie als Gastprofessor an der Sibelius-Akademie Helsinki, am Royal College of Music in London und an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

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