Varian Fry Quartett mit Mozart, Schostakowitsch und Schönberg
In seinem expressiven Zweiten Streichquartett verarbeitete Arnold Schönberg eine schwere Ehekrise. Eine Sopranstimme mit Texten von Stefan George – hier interpretiert von Anna Prohaska – verleiht dem Werk zusätzliche Intensität. Schönbergs jüngerer Kollege Dmitri Schostakowitsch schrieb sein schmerzvolles Streichquartett Nr. 8 unter dem Eindruck des zerbombten Dresden als Fanal gegen Krieg und Faschismus. Eröffnet wird das Konzert des Varian Fry Quartetts mit einer Huldigung Mozarts an Bach.
Über Schostakowitschs Entscheidung, 1960 der kommunistischen Partei beizutreten, waren einige seiner engsten Freunde entsetzt. Wahrscheinlich haderte er selbst mit dem Entschluss. Den autobiografischen Charakter seines im selben Jahr entstandenen Achten Streichquartetts hat der Komponist jedenfalls eingeräumt. Deutlich erkennt man diesen an seiner motivischen Signatur, die gleich zu Anfang erklingt und die gesamte Komposition durchzieht: die Töne D-ES-C-H, deren Namen in der deutschen Sprache den Initialen des Komponisten entsprechen. Das Werk besteht aus fünf Sätzen, die ohne Unterbrechung ineinander übergehen. Die langsamen Abschnitte sind von einem klagenden, die schnellen von einem aufwühlenden, geradezu alarmierenden Charakter geprägt.
Auch Arnold Schönbergs Zweites Streichquartett ist ein Bekenntniswerk. Die Worte des im Scherzo zitierten Volkslieds »Oh, du lieber Augustin, alles ist hin« kann man einerseits auf die Ehekrise des Komponisten beziehen – er hatte von der Affäre seiner Frau Mathilde mit seinem Freund Richard Gerstl erfahren – andererseits auf die Tonalität, von der sich Schönberg im Verlauf des Quartetts immer stärker entfernt. In diesem Zusammenhang wirkt die vom Sopran im letzten Satz (Entrückung) vorgetragene Gedichtzeile Stefan Georges wie die Ankündigung einer neuen Musik: »Ich fühle Luft von anderem Planeten«. Für diese Luftveränderung war das damalige Publikum allerdings noch nicht bereit – die Uraufführung im Dezember 1908 löste einen Skandal aus.
Schönberg zählte Mozart zu seinen großen Vorbildern – gerade das Komponieren von Streichquartetten habe er, so erklärte er einmal, vom Wiener Klassiker »gelernt«. Da in diesem Konzert Bach-Bearbeitungen von Mozart aufgeführt werden, eröffnet das Programm eine musikgeschichtliche Perspektive, die vom Barock bis in die Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg reicht.
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