Saisoneröffnung 2026: Kirill Petrenko dirigiert Elgar und Tschaikowsky

Klangvoll und schwelgerisch geben sich die Werke, mit denen Kirill Petrenko die neue Saison eröffnet. Unter der leuchtenden Oberfläche verbergen sich jedoch geheimnisvolle Botschaften: Edward Elgars Enigma-Variationen verarbeiten nicht nur ein empfindsames Thema, sie porträtieren – musikalisch chiffriert – Freunde und Familienangehörige des Komponisten. Peter Tschaikowsky wiederum durchzieht seine Vierte Symphonie mit einem »Schicksalsmotiv« – als Symbol seiner eigenen Lebenskrise.

»Elgars Musik ist sehr tiefgründig«, so Kirill Petrenko, »und die heftigen Stimmungswechsel stellen hohe Anforderungen an das Orchester. Aber mit den Berliner Philharmonikern hat man als Dirigent die besten Voraussetzungen, um sie bewusst zu gestalten«. Dies sagte er 2009 anlässlich seines zweiten Besuchs beim Orchester in einem Interview der Digital Concert Hall – nicht ahnend, dass ihn die Philharmoniker zehn Jahre später zum Chefdirigenten ernennen würden. Mittlerweile blicken die künstlerischen Partner gemeinsam auf unzählige beglückende Konzertmomente in Berlin sowie auf Tourneen zurück – und Kirill Petrenko eröffnet in diesem Konzert seine achte Saison als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

Als Edward Elgar Ende des 19. Jahrhunderts verträumt am Klavier eine Melodie spielte, machte ihn seine Frau Alice darauf aufmerksam, wie schön sie sie fand. Sie wird das Thema für die Enigma-Variationen, die dem Engländer – Sohn eines Musikalienhändlers und Kompositions-Autodidakt – 1899 zum Durchbruch verhalfen. Bereits neun Jahre nach der Uraufführung dirigierte Arthur Nikisch sie bei den Berliner Philharmonikern. »H. D. S.-P.« und ähnliche Geheimcodes sind die Titel der 14 Variationen: Sie stehen für die Initialen von Menschen, die Elgar nahestanden und deren Charaktere er versuchte, musikalisch einzufangen. Die berühmteste Variation des satztechnisch raffinierten Werks ist fraglos Nimrod – dank ihres feierlich-andächtigen Tonfalls gilt sie heute in Großbritannien als nationale Trauerhymne, die unter anderem auf den Staatsbegräbnissen von Winston Churchill und Prinzessin Diana zu hören war.

Im zweiten Teil führt Kirill Petrenko das Programm zurück in seine musikalische Heimat, die russische Romantik. Peter Tschaikowsky schrieb zum zweiten Satz seiner Vierten Symphonie: »Er drückt das schwermütige Gefühl aus, das mich am Abend überkommt, wenn ich müde von der Arbeit alleine da sitze ... vielerlei jagt durch den Sinn: glückliche Augenblicke, aber auch solche der Niedergeschlagenheit. Es ist traurig und auch wieder süß, sich in der Vergangenheit zu verlieren!«. 1877, kurz nach dem Schluss einer Zweckehe, die den Komponisten sehr unglücklich machen sollte, entstand die Vierte Symphonie, die sich als Seelendrama lesen lässt: Aus ihr spricht – trotz beschwingt anmutendem Pizzicato-Scherzo und furiosem Finale – eine tiefe Einsamkeit.

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko

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Künstler*innen

Kirill PetrenkoChefdirigent seit 2019
Edward ElgarKomponist
Peter TschaikowskyKomponist

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