Kirill Petrenko und Víkingur Ólafsson mit Brahms und Strauss
Von der »seltenen, elektrisierenden Frische« seiner Interpretationen schwärmt The Guardian: Víkingur Ólafsson zählt aktuell zu den aufregendsten Klavierstars seiner Generation. Einspringend für den erkrankten Daniil Trifonov, ist er hier mit Chefdirigent Kirill Petrenko und Johannes Brahms’ Erstem Klavierkonzert zu erleben. Anschließend erklingt Richard Strauss’ Also sprach Zarathustra, das den Weg des gleichnamigen Philosophen zu den Menschen beschreibt – dramatisch, mystisch, farbenprächtig.
Herbst 1854: Der gerade 20-jährige Johannes Brahms ist auf großer Wanderung entlang des Rheins. Er beschließt kurzerhand, unangekündigt Robert und Clara Schumann zu besuchen – ein Schlüsselmoment in seiner Laufbahn und seinem Leben. Schnell entwickelt sich eine tiefe, auf gegenseitiger Bewunderung fußende Freundschaft zwischen dem Ehepaar und Brahms. Als Robert Schumann sich wenig später im Wahn in den Rhein stürzt und nach Rettung in eine Heilanstalt einweisen lässt, bleibt Brahms an Claras Seite. Romantische Gefühle mischen sich in die Verbindung des unkonventionellen Paars – der aus einfachen Verhältnissen stammende Brahms ist 14 Jahre jünger als die großbürgerliche Konzertpianistin. Betört von Clara, doch seinem Freund und Förderer Robert loyal verbunden, schreibt Brahms in dieser Zeit sein Erstes Klavierkonzert. Mit einer Spielzeit von fast 50 Minuten kommt es als Koloss daher, verzichtet jedoch auf oberflächliche Virtuosität. Die energischen Ecksätze umschließen ein inniges Adagio, das der Komponist als »sanftes Porträt« seiner Muse beschreibt. Die Liebesbriefe, die sich Clara und er über einen langen Zeitraum schickten, sollte er Jahre später im Rhein versenken.
Es war das »weitaus Bedeutendste, Formvollendetste, Interessanteste und Eigentümlichste meiner Stücke«, befand Richard Strauss 1896 im Anschluss an die Generalprobe von Also sprach Zarathustra. Die Textvorlage schrieb Friedrich Nietzsche nach einem mystischen Erlebnis während einer Wanderung in der Schweiz, die ihn zu Tränen des Glücks rührte. Auch Strauss war seit seiner Jugend begeisterter Wanderer. Das Changieren zwischen C- und H-Dur, das die Tondichtung prägt, lässt sich als ewige Polarität zwischen Natur und Mensch deuten. Den wohl berühmtesten Sonnenaufgang der Musikgeschichte zu Beginn des Werks gestaltet Strauss mit festlichen Fanfaren und kraftvollen Paukenschlägen – eine Klang gewordene Begegnung mit der Erhabenheit der Natur.
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