Kirill Petrenko dirigiert Richard Wagners »Walküre«
Ehebruch, Inzest, Walkürenritt, Feuerzauber – Richard Wagners Die Walküre ist von einzigartiger Dramatik. Wir begegnen dem zugleich machtvollen und hilflosen Göttervater Wotan, dem in Liebe füreinander entbrannten Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde sowie natürlich der Titelheldin: der furchtlosen Walküre Brünnhilde. Nach Aufführungen bei den Osterfestspielen Salzburg bringen Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker den zweiten Teil des Rings konzertant nach Berlin.
Thomas Mann sah in Richard Wagners Ring des Nibelungen – im Licht der Konflikte der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts – die Vision einer »von Machtwahn und Geldherrschaft befreiten, auf Gerechtigkeit und Liebe gegründeten, brüderlichen Menschenwelt«. Schon vor ihm hatte der irische Dramatiker, Musikkritiker und Pazifist George Bernard Shaw das opus summum Wagners als groß angelegte Kapitalismuskritik gedeutet, in der sich Wotan immer mehr in eigene Widersprüche und Vertragsverletzungen verstrickt: Schon sein egoistisches Lavieren im Rheingold hatte fast zur Katastrophe geführt.
In der Walküre verfolgt der Göttervater dann die Idee, dass andere – Siegmund und Sieglinde – für ihn das vollbringen sollen, was ihm selbst verboten ist. Dass der fragwürdige Plan zum Scheitern verurteilt ist, wird im Verlauf des Musikdramas unüberhörbar, da die Leitmotive des Orchesters mehr verraten, als die Figuren selbst wissen können. Die Geschwister handeln nämlich – hieran lässt die Musik keinen Zweifel – nicht aus eigenem Antrieb. Dadurch wird klar, dass Wotan die Konflikte nicht lösen kann, ohne neues Unrecht zu begehen, worin letztendlich seine Tragik liegt. Tragisch ist auch der Abschied Wotans von seiner Lieblingstochter Brünnhilde, die gegen Recht und Gesetz verstoßen hat – wenn auch ganz in seinem Sinne.
Mit Chefdirigent Kirill Petrenko am Pult liegt die Aufführung in besten Händen und verspricht gleich zu Beginn packende Dramatik: In einem Klanggewitter offenbar sich eine Welt in Aufruhr – Wagner inszeniert das Wüten der Elemente als Vorbote fundamentaler Umwälzungen.
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