Aus Böhmen und Mähren: Tschechische Musik mit den Berliner Philharmonikern

Aus Böhmen und Mähren: Tschechische Musik mit den Berliner Philharmonikern
  • Bedřich Smetana
    Die verkaufte Braut: Ouvertüre (9 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Mariss Jansons

  • Leoš Janáček
    Sinfonietta op. 60 (29 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Antonín Dvořák
    Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der Neuen Welt« (46 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Claudio Abbado

  • Bohuslav Martinů
    Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 (31 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Mariss Jansons

    Frank Peter Zimmermann Violine

  • Miloslav Kabeláč
    Mysterium času (Mysterium der Zeit), Passacaglia für großes Orchester op. 31 (28 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Jakub Hrůša

  • Bedřich Smetana
    Má vlast (Mein Vaterland): Nr. 2 Vltava (Die Moldau)· Nr. 3 Šárka (24 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Krzysztof Urbański

  • Antonín Dvořák
    Rusalka-Fantasie, Suite (aus der Oper zusammengestellt von Manfred Honeck, orchestriert von Tomas Ille) (22 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Manfred Honeck

  • Leoš Janáček
    Aus einem Totenhaus, Instrumentalsuite aus der Oper (23 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Jiří Bělohlávek

  • Antonín Dvořák
    Slawische Tänze op. 72 (39 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Josef Suk
    Symphonie c-Moll op. 27 »Asrael« (66 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

Von einer tschechischen Musik im ausdrücklichen Sinne spricht man erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – als sich in der Habsburgischen Doppelmonarchie die tschechischen Muttersprachler gegen die Dominanz der deutschsprachigen Minderheit zu wehren begannen. Bedřich Smetana, der als Vater der Musiknation gilt, setzte sich leidenschaftlich für die Pflege eines Opernrepertoires in seiner Heimatsprache ein. Leoš Janáček wiederum ließ sich bei der Entwicklung seines unverwechselbaren Idioms durch Intonation und Rhythmen der tschechischen Verbalsprache inspirieren. Daneben waren es Sagen und Mythen aus den Regionen Böhmen und Mähren und die reiche Tradition einheimischer Volkstänze, die zur Ausbildung einer eigenen Tonsprache beitrugen.

Bei aller Heimatverbundenheit waren diese Komponisten alles andere als provinziell und verbrachten Studien- und Berufsjahre fernab ihrer Herkunftsorte. Auf dem Gipfel seines Ruhms übernahm Antonín Dvořák in den 1890er Jahren die Stelle des Direktors am Musik-Konservatorium in New York, wo ein halbes Jahrhundert später Bohuslav Martinů als politischer Emigrant seinen Lebensmittelpunkt finden sollte. Auch für weitere musikalische Einflüsse zeigten sich die Komponisten offen: Dvořák orientierte sich als wichtigster tschechischer Symphoniker der Romantik in seiner mittleren Schaffensperiode an seinem Freund und Mentor Brahms. Während der aus Mähren stammende Janáček sich stark zur ostslawischen, also auch russischen Kultur hingezogen fühlte, ließ sich Martinů vom französischen Impressionismus, vom Neoklassizismus Strawinskys und vom Jazz inspirieren. Die Musik Josef Suks schließlich, für die sich Kirill Petrenko seit Jahren einsetzt, zeigt eine Nähe zur Symphonik des ebenfalls aus Böhmen stammenden Gustav Mahlers.

Bürger einer unabhängigen tschechischen (bzw. tschechoslowakischen) Nation waren nur einige der hier versammelten Künstler. Smetanas berühmter Orchesterzyklus, zu dem die unverwüstliche »Moldau« gehört, heißt nicht zufällig Mein Vaterland (Má vlast). Vor dem ersten Weltkrieg dominierte die KuK-Monarchie, nach dem zweiten die Sowjetunion. So haben sich die tschechischen Komponisten ihr Vater- und Heimatland im Medium der Musik errichtet.