Konzert

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Christian Thielemann und Richard Strauss: Das ist von jeher eine innige Beziehung. Wobei der Dirigent dem Komponisten nicht blind folgt, sondern neugierig der Doppelgesichtigkeit seiner Musik nachspürt: »Bei Strauss suche ich zwei Dinge ins Gleichgewicht zu bringen, die sich auszuschließen scheinen: Transparenz und Rausch. Ich versuche, eine gewisse Leichtigkeit hinzukriegen und dem Schweren dennoch zu seinem Recht zu verhelfen. Bei allem Pathos, bei allem Hang zum Bombastischen – letztlich hat diese Musik eine unschuldige Einfachheit.«

Die Verschmelzung des Leichten und des Raffinierten bei Strauss offenbart sich beispielhaft in den Werken dieses Abends. Etwa in den Auszügen aus Arabella: einem Bühnenwerk, in dem Schmelz und Charme der Wiener Operette mit avancierter Orchestrierung und feiner Charakterzeichnung einhergehen. Wie meisterhaft Strauss – der mit einer Sängerin verheiratet war – mit der menschlichen Stimme umzugehen wusste, zeigt außerdem eine Auswahl von Liedern. Eines von ihnen – der Gesang der Apollopriesterin op. 33 Nr. 2 – erlebte seine Uraufführung 1896 bei einem Konzert der Berliner Philharmoniker, mit Strauss als Dirigent.

Als Solisten sind an diesem Abend zwei der bedeutendsten amerikanischen Sänger unserer Zeit zu erleben. Ein früher Meilenstein in der Karriere Renée Flemings war 1992 das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker, das weltweit im Fernsehen übertragen wurde. Und schon damals zeigte die Sopranistin als Marschallin in Auszügen aus dem Rosenkavalier, welch herausragende Strauss-Interpretin in ihr steckt. Thomas Hampson ist ebenfalls seit langem in Strauss’ Werken zu Hause. Wie Christian Thielemann schätzt er den Facettenreichtum dieser Musik – und speziell der Partie des Mandryka aus Arabella: »Er hat seine düsteren Momente, die aber mit viel Humor durchsetzt sind. Sein Schicksal ist komplex, und selbst wenn er lächelt, sind seine Augen tief und dunkel.«

Die beiden Orchesterwerke des Abends – das Festliche Präludium und die Festmusik der Stadt Wien – werden heutzutage selten gespielt. Strauss schrieb die Festmusik zum Dank für den Beethoven-Preis der Stadt Wien, den er 1942 von Baldur von Schirach erhalten hatte. Sie wurde allerdings erst im Mai 1943 im Rahmen einer Feier zum »5. Tag des Großdeutschen Reiches« in Wien uraufgeführt, ein Anlass, für den sie nicht komponiert worden war. Ebenso haben die Machthaber das Festliche Präludium, ursprünglich 1913 zur Eröffnung des Wiener Konzerthauses entstanden, zur Ausschmückung von NS-Feiern genutzt. Dieses Schicksal teilt das Werk mit vielen anderen Werken, nicht nur von Richard Strauss. Christian Thielemann hingegen möchte mit seiner Aufführung die Aufmerksamkeit wieder auf die musikalischen Qualitäten dieser Werke lenken: »Es ist erstaunlich, wie gut Strauss komponierte, selbst wenn es um Anlässe ging, die er – wie ich glaube – nicht besonders ernst nahm. Es spricht aus diesen Stücken einfach die Freude am Komponieren und am Musikmachen.«

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