Simon Rattle dirigiert einen Beethoven-Abend in Taipeh
Zwischen dem taiwanesischen Publikum und den Berliner Philharmonikern gibt es seit einem ersten Gastspiel im Jahr 2005 eine besonders herzliche Beziehung. In diesem Konzert in Taipeh vom Mai 2016 präsentieren das Orchester und sein Chefdirigent Sir Simon Rattle Beethovens Erste und Neunte Symphonie – gewissermaßen ein hochkonzentriertes Substrat des gefeierten Beethoven-Zyklus, der die gesamte philharmonische Saison 2015/16 geprägt hat.
Das Konzert bietet eine aufregende Reise von Beethovens symphonischem Erstling zu seinem Gattungstestament. Bezeichnenderweise wurde die Erste Symphonie 1800, genau zu Beginn des neuen Jahrhunderts uraufgeführt und steht, ebenso programmatisch, in der vorzeichenlosen Tonart C-Dur. Zu dieser gelangt Beethoven allerdings erst nach einer ganzen Serie harmonischer Überraschungen in der in jeder Hinsicht unkonventionellen langsamen Einleitung. Zu bewundern sind im Werk des 30-Jährigen die vollendete Beherrschung der Instrumentierung und die Kunst, aus einfachsten Bausteinen ein komplexes motivisches System zu errichten. Ein knappes Vierteljahrhundert später vollendete Beethoven seine letzte Symphonie. Nicht nur durch den Einsatz von Singstimmen, sondern auch durch die Wiederkehr von Themen aus allen vorangegangenen Sätzen stellt das Finale einen geradezu revolutionären Akt in der Geschichte der Gattung dar. Und die Zahl Neun sollte auch für die nachfolgenden Symphoniker Bruckner, Dvořák und Mahler zur magischen Grenze werden.
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