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So, 03. Februar 2013

Berliner Philharmoniker
Gustavo Dudamel

  • Samuel Barber
    Adagio for Strings op. 11 (00:13:09)

  • Richard Strauss
    Don Juan op. 20 (00:21:19)

  • Richard Strauss
    Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28 (00:19:22)

  • kostenlos

    Gustavo Dudamel im Gespräch mit Sarah Willis (00:23:43)

Bei seinem ersten Konzert mit den Berliner Philharmonikern - 2008 unter freiem Himmel in der Waldbühne - widmete sich Gustavo Dudamel in einer »Südamerikanischen Nacht« der Musik seiner Heimat. Es folgten Auftritte in der Philharmonie mit eher russischen Farben, ehe sich der junge Stardirigent in seinen letzten Gastspielen verstärkt einem Komponisten widmete, der zu den Säulenheiligen der deutschen Spätromantik gehört: Richard Strauss.

Von Richard Strauss hat sich vor allem das Bild eines gereiften Komponisten von patriarchalischer Ausstrahlung in den Köpfen der Musikfreunde verankert. Dabei war er ein junger Mann - ungefähr in Dudamels Alter -, als er seine berühmten Tondichtungen verfasste, darunter auch Don Juan und Till Eulenspiegel, die in diesem Konzert auf dem Programm standen. Voll jugendlichem Feuer sind diese Werke, aber auch von einer unendlichen orchestralen Raffinesse, mit denen der Nachwuchskomponist jeden eventuellen Zweifel an seiner Begabung von vornherein ausräumen wollte. Und so gehören denn Strauss' Tondichtungen zum Anspruchsvollsten, was je für Symphonieorchester geschrieben wurde.

Dass Dudamel und die Berliner Philharmoniker diesen Anforderungen bestens gerecht wurde, zeigt etwa die Rezension des Tagesspiegels: »Den Don Juan dirigiert Dudamel genießerisch, berauscht sich am tausendfarbig schillernden Klang der Philharmoniker, unterbindet dabei auch den Schmäh nicht, lässt selbst zuckriges Mehlspeis-Melos zu. Der Ausdrucksmusiker Dudamel braucht übrigens keinerlei Hampelei, um den emotionalen Sturm zu entfachen. Konzentriert die Armbewegungen, die Beine stehen fest auf dem Boden. Seine Kraft kommt von innen. Auch so zeigt sich phänomenale Begabung.«

Das Spiel vom Leben und vom Tod

Werke von Samuel Barber, Béla Bartók und Richard Strauss

Samuel Barber: Adagio for Strings op. 11

Ein Wunderkind? Es liegt letztlich am Blickwinkel, ob man dieses hohe Wort im Fall von Samuel Barber in den Raum stellen möchte. Tatsache aber ist, dass dieser auf dem europäischen Kontinent bis heute sträflich vernachlässigte Komponist bereits im Alter von sieben Jahren anfing, ernsthaft zu komponieren und mit gerade einmal 14 als Student am renommierten Curtis Institute of Music in Philadelphia aufgenommen wurde. Barber studierte dort neben Klavier auch das Fach Gesang – eine Tatsache, die sich für seine Laufbahn als Komponist als bedeutsam erweisen sollte. Unverkennbar nämlich ist der Hang dieses Komponisten zu melodisch dominanten Verläufen und, damit zusammenhängend, sein enormes Gespür für die Linearität von Phrasen. Diese bewusste Neigung tritt auch im Adagio for Strings zutage.

Kaum ein anderes Werk des 20. Jahrhunderts hat eine vergleichbar suggestive, ja geradezu insinuative Wirkung auf das Auditorium ausgeübt. Dafür gibt es genau genommen drei Ursachen. Die erste liegt in der Instrumentation, dem daraus resultierenden geschlossenen Klangbild. Die zweite im verhaltenen, extrem expressiven Thema, in seinem kontinuierlich fließenden, weit ausschwingenden Melos, in seiner zeitlosen Schönheit. Die dritte, vielleicht wesentlichste Ursache ist dramaturgischer Natur. Denn mit jeder Sekunde verdichtet sich dieses Thema, steigt gleichsam auf dynamischen Terrassen hinauf, bleibt dabei aber stets rhapsodisch-schwebend und umkreist damit den Hörer wie auf einer Ellipse. Auf dem Höhepunkt des weitgespannten Bogens, kurz nachdem die Violoncelli die »Führung« übernommen haben, kommt es zu einem kurzen kulminierenden Moment der Ekstase, zum leidenschaftlichen Ausbruch mit anschließender Erstarrung. Aus dieser befreit sich die Musik nach und nach – wie nicht anders zu erwarten, indem sie das elegische Thema wieder aufnimmt, es fortspinnt und es schließlich nach knapp acht Minuten sanft ausklingen lässt.

Richard Strauss: Don Juan op. 20 und Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28

Wer zeichnete nicht alles ein Porträt des Don Juan! Calderòn, Molière und Goldoni taten es; E. T. A. Hoffmann, Lord Byron und Prosper Merimée; Alexander Puschkin, Nikolaus Lenau und Charles Baudelaire; sowie danach George Bernard Shaw, Guillaume Apollinaire und Henry de Montherlant. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Porträts höchst unterschiedlich ausfielen. Bei allen Unterschieden aber eint sie eines in jedem Fall: die Faszination, die vom Gegenstand der Betrachtung ausstrahlte; seine dämonische Aura.

Eine der poetischsten Beschreibungen dieser Aura finden wir bei Lenau: »Den Zauberkreis, den unermesslich weiten, / Von vielfach reizend schönen Weiblichkeiten / Möcht’ ich durchziehn im Sturme des Genusses, / Am Mund der Letzten sterben eines Kusses. / O Freund, durch alle Räume möcht’ ich fliegen, / Wo eine Schönheit blüht, hinknien vor jede / Und, wär’s auch nur für Augenblicke, siegen.« Es ist dieses Glühen und Sehnen, das uns in eigentlich jedem Takt von Richard Strauss’ Tondichtung Don Juan wieder begegnet, dem drei ausgewählte Abschnitte aus Lenaus Don Juan-Poem als Vorlage dienten. Doch zeichnet Strauss keineswegs Bild für Bild den sinnlichen Rausch seines Titelhelden nach. Sondern er formuliert, unter behutsamer Vermeidung des Deskriptiven, thematische Eigenwerte und Eigendynamiken, die so stark und so plastisch sind, dass die Musik vor dem Abgleiten ins Bloß-Schillernde bewahrt bleibt. Dem steht auch die strukturelle Lösung entgegen: Strauss wählt die Sonatenform, mit grundsätzlich zwei Themen. Das erste, ganz triumphales orchestrales E-Dur-Gebilde, wird mit Glanz und Gloria vorgestellt und danach in mehreren Episoden, gleichsam in einem großen Schwung, umgewandelt und ausgestaltet: feurig, aber dennoch gebändigt; sinnlich, aber nicht schwül; vital, jedoch stets voller Haltung. Ihm gegenüber steht das in Takt 40 von den Bassinstrumenten gespielte zweite Hauptthema, welches die Musik ungestüm vorantreibt. Zwischen diese drängt sich recht spät, jedoch »sehr energisch« und voll beethovenscher Größe, noch ein zweites Don Juan-Thema; unisono erklingt es in den Hörnern, Strauss’ Lieblingsinstrumenten. Kaum zufällig gelangt der Titelheld an dieser Stelle der Tondichtung zur Besinnung. Zu bunt und wild war anscheinend doch sein erotisches Treiben. Was folgt, ist das allmähliche Verglimmen des Sinnenrausches in trübseligem Moll.

Als humoristisches Gegenbild hierzu figuriert die Tondichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche. Ein keck-munteres, in seinen Klangwirkungen äußerst effektvolles Scherzo ist dieses 1895 vollendete Werk, »nach alter Schelmenweise – in Rondeauform – für großes Orchester gesetzt«. Frappierend die Fülle der musikalischen Ideen: Unbändige Lebensfreude, Übermut und Satire gewinnen jede für sich genommen ebenso individuelle, buffoneske Kontur wie das Gezeter der Marktweiber, eine gemächliche Volksweise, ein Gassenhauer sowie – natürlich – das sehnsuchtsreiche von den Violinen »liebeglühend« vorzutragende Schmachten Tills. Kein Zweifel, im Mittelpunkt steht der (hier allerdings mehr spitzbübisch-philosophische denn erotisch aufgeladene) Titelheld, verkörpert durch zwei Motive, die nach ihrem ersten Erscheinen immer wieder wie aus dem Nichts auftauchen, in vielerlei Varianten und pittoresken Arabesken. Eins davon – seinem Charakter nach ist es gleichermaßen schalkhaft wie tiefsinnig – wird vom Solo-Horn gleich zu Beginn vorgestellt; das zweite und ureigentliche Eulenspiegel-Motiv (»lustig« soll es sein), schenkt Strauss der virtuosen D-Klarinette. So sehr dieses doppelgesichtige Thema, wie das gesamte Stück, für sich selbst steht, so sehr spürt man doch, wie im Hintergrund Programmatisches mitschwingt. Sprich: Man kann den vielgestaltigen, mal schnoddrig, mal verliebt durch die Welt eilenden Eulenspiegel begleiten auf seinem klingenden Weg, kann ihm zusehen bei seinen Streichen und Schnurren, und kann ihn schließlich – nachdem die Posaunen das Gerichtsurteil gesprochen haben –in den Tod begleiten: Mit einem letzten seufzenden Flötentriller geht dem Till Eulenspiegel nicht nur seine Lust, sondern auch seine Lebenspuste aus. Doch damit ist das Stück noch nicht zu Ende. Es folgt ein F-Dur-Epilog. Und der besagt ganz entschieden eines: Der Schalk, er möge weiterleben in dieser laut Voltaires Candide „besten aller möglichen Welten“.

Jürgen Otten

Seit Gustavo Dudamel 2004 mit erst 23 Jahren den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewann, löst er immer wieder Begeisterung in der internationalen Musikwelt aus. Der Dirigent, Geiger und Komponist wurde 1981 in Barquisimeto (Venezuela) geboren, war Schüler des Violinpädagogen José Francisco del Castillo an der lateinamerikanischen Akademie für Violine und absolvierte ein Dirigierstudium bei Rodolfo Saglimbeni sowie bei José Antonio Abreu. Seit 1999 betreut Gustavo Dudamel als Musikalischer Leiter das Simón Bolívar Jugendorchester in Venezuela , mit dem er seither bereits viermal in der Berliner Philharmonie zu erleben war. Im Herbst 2007 wurde er Musikdirektor der Göteborger Symphoniker, mit Beginn der Saison 2009/2010 trat er in gleicher Funktion an die Spitze des Los Angeles Philharmonic. An den Education-Projekten beider Orchester (z. B. am Youth Orchestra Los Angeles) beteiligt sich der junge Dirigent mit großer Leidenschaft. Gustavo Dudamel gastiert außerdem regelmäßig u. a. beim Orchestre Philharmonique de Radio France, beim Israel Philharmonic Orchestra, beim Philharmonia Orchestra London, an der Mailänder Scala und bei den Wiener Philharmonikern. Die Berliner Philharmoniker leitete er erstmals beim Waldbühnenkonzert im Juni 2008 und zuletzt Anfang Mai 2012 bei deren Gastspiel in Paris. Zu den Auszeichnungen Gustavo Dudamels zählen der »Music Award for Young Artists« der Royal Philharmonic Society (2007), der »Würth-Preis« der Jeunesses Musicales Deutschland (2008) sowie die Aufnahme in den »Ordre des Arts et des Lettres« der Republik Frankreich (2009) und die Königliche Musikakademie in Schweden (2011). Musical America, das führende Online-Magazin für klassische Musik in den USA, kürte Gustavo Dudamel zum »Musiker des Jahres« 2013.

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