Teodor Currentzis dirigiert Verdis Requiem

Teodor Currentzis dirigiert Verdis Requiem

Berliner Philharmoniker
Teodor Currentzis

musicAeterna chorus

  • Giuseppe Verdi
    Messa da Requiem

    Zarina Abaeva Sopran, Clémentine Margaine Mezzosopran, Sergej Romanowsky Tenor, Evgeny Stavinsky Bass, musicAeterna chorus

»Er inszeniert das Stück als Psychothriller«, hieß es in einer Kritik des NDR nach der Aufführung von Giuseppe Verdis Messa da Requiem durch Teodor Currentzis. Im Frühjahr 2019 tourten der griechische Dirigent und sein Ensemble musicAeterna of Perm Opera durch Europa und begeisterten mit ihrer intensiven, mitreißenden und anrührenden Interpretation von Verdis Totenmesse. Nun gibt Currentzis, der bereits zweimal auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker mit musicAeterna im Kammermusiksaal und der Philharmonie zu erleben war, mit diesem Werk sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Verdis Requiem wird allgemein gerne als die »beste Oper« des italienischen Komponisten bezeichnet. Currentzis hat dazu eine ganz andere Haltung: »Mir ist wichtig: Das Verdi-Requiem ist sakrale, ja heilige Musik. Das hat mit Gott zu tun. Wenn Verdi sich als Agnostiker gibt, führt er uns in die Irre«, meint der Dirigent in einem Interview, das er im Rahmen seiner Requiem-Tournee gab.

Der Tod des großen italienischen Schriftstellers Alessandro Manzoni, den Verdi sehr bewunderte und verehrte, im Jahr 1873 war der Anlass für die Entstehung des Stücks. Den letzten Satz »Libera me« gab es bereits. Verdi hatte ihn fünf Jahre zuvor geschrieben, nachdem Gioacchino Rossini gestorben war und er führende Komponisten Italiens aufgerufen hatte, gemeinsam ein Requiem-Pasticcio für ihn zu verfassen. Obwohl alle Kollegen seinem Aufruf folgten und ihren Beitrag leisteten, scheiterte seine Initiative an dem Kleinmut der lokalen Behörden. Verdi griff später den von ihm komponierten Satz auf und integrierte ihn mit Abwandlungen in das neue Werk. Zusammen mit dem apokalyptisch gestalteten »Dies irae«, der liturgischen Totensequenz, in dem der Komponist mit Pauken und Trompeten den Aufruhr des Jüngsten Gerichts beschwört, bildet das »Libera me« die musikalischen Eckpfeiler des Requiems. Verdi schildert in ihm die existenziellen Erschütterungen eines Menschen im Angesicht des Todes. Er wirft seine gesamte Erfahrung als Opernkomponist in die Waagschale und schafft eine musikalisch wie dramaturgisch geniale Komposition, die den Hörer durch viele Emotionen führt: Angst, Schrecken, Verzweiflung, Trauer, Demut, Hoffnung auf Erlösung ... Verdi setzt auf Kontraste: Archaik und Expression, Liturgie und Oper, Kontemplation und Tumult – und schuf dadurch ein Werk voller Wucht, Intensität und Dramatik. Die plötzlichen Wechsel in Dynamik, Tempo, Klangfarbe und Stimmung machen Verdis Totenmesse zu einem der herausforderndsten und gleichzeitig schönsten Chorwerke des 19. Jahrhunderts.

Teodor Currentzis, 1972 in Athen geboren, begann 1987 in seiner Heimatstadt mit dem Dirigierstudium, das er von 1994 bis 1999 am St. Petersburger Konservatorium bei Ilya Musin fortsetzte. Er ist Gründer und Leiter des Ensembles musicAeterna und des Kammerchors musicAeterna. Beide Klangkörper waren von 2011 bis 2019 im Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm ansässig, wo Teodor Currentzis als künstlerischer Leiter tätig war. Im Juli 2019 trat er von diesem Amt zurück, um sich voll und ganz darauf zu konzentrieren, musicAeterna als unabhängiges Ensemble zu neuen Höhen zu führen. Mit Beginn der Spielzeit 2018/2019 trat Teodor Currentzis sein Amt als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters an. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen eine Residency am Wiener Konzerthaus (2016/2017); eine Neuproduktion von Mozarts Oper La clemenza di Tito mit Peter Sellars bei den Salzburger Festspielen, bei denen er 2018 mit musicAeterna an fünf ausverkauften Abenden einen Zyklus aller Beethoven-Symphonien präsentierte; sein Debüt mit musicAeterna bei den BBC Proms im gleichen Jahr; sowie die Aufführung der Oper Die Passagierin von Mieczysław Weinberg mit den Wiener Symphonikern bei den Bregenzer Festspielen. 2006 rief Teodor Currentzis das Territoria Modern Art Festival ins Leben, welches innerhalb kürzester Zeit zum angesehensten Musikfestival Moskaus avancierte. Darüber hinaus ist er seit 2012 Kurator des Internationalen Diaghilew-Festivals in Perm. Der Künstler, Träger des Bremer Musikfest-Preises 2019, wurde sieben Mal mit der renommierten »Goldenen Maske« des russischen Theaterverbands ausgezeichnet. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker präsentierte Teodor Currentzis zuletzt Anfang Mai 2018 gemeinsam mit musicAeterna Werke von Gustav Mahler. Am Pult der Berliner Philharmoniker gibt er in diesen Konzerten sein Debüt.

Zarina Abaeva stammt aus Wladikawkas in Nordossetien, wo sie zunächst bei Nelly Khestanova studierte. 2011 schloss die russische Sopranistin ihre Ausbildung bei Rusanna Lisitsian am Moskauer Gnessin-Institut ab. Die Preisträgerin der All-Russian Nadezhda Obukhova Young Vocalists’ Competition und der Minsk International Christmas Singing Competition gehört seit 2012 zum Ensemble des Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm. Dort sorgte sie vor allem als Tschaikowsky-Interpretin für Furore: in der Titelpartie von Iolanta, als Tatiana in Eugen Onegin, als Maria in Mazeppa sowie in der Rolle der Agnès Sorel in der Jungfrau von Orléans. Zum Repertoire der Sängerin, die seit 2019 auch an der Neuen Oper Moskau engagiert ist, zählen aber ebenso die Micaëla in Bizets Carmen, Antonia in Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, Blanche in Poulencs Dialogues des Carmélites, Nineta in Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen oder die Titelrollen von Puccinis Suor Angelica und Madama Butterfly sowie Verdis Aida. Im Herbst 2017 sang Zarina Abaeva die Partie der Natascha in einer von Mikhail Pletnev dirigierten konzertanten Aufführung von Alexander Dargomyschskis Oper Rusalka beim Großen Festival des Russischen Nationalorchesters. Zudem war sie als Mimì in Puccinis La Bohème am Festspielhaus Baden-Baden zu Gast. Im März 2019 nahm sie gemeinsam mit dem Instrumental- und Vokalensemble musicAeterna unter der Leitung von Theodor Currentzis an einer Europatournee teil, bei der Giuseppe Verdis Requiem auf dem Programm stand. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Zarina Abaeva nun zum ersten Mal zu erleben.

Nach einem Klavierstudium am Conservatoire National de Région (CNR) Perpignan sowie am Konservatorium von Montpellier begann Clémentine Margaine im Jahr 2000, sich bei Anne-Marie Blanzat zur Sängerin ausbilden zu lassen. Drei Jahre später wurde sie am Pariser Konservatorium in die Klasse von Gerda Hartman aufgenommen; zudem besuchte sie Meisterkurse bei Nicolau de Figuereido (historische Aufführungspraxis), Anne Grappotte (Liedgesang), Jeff Cohen und Ruben Lifschitz. 2006 wurde Clémentine Margaine von William Christie eingeladen, La Discorde und Roxanne in André Campras Ballett-Oper L’Europe galante in Versailles, Bilbao und San Sebastian zu singen. Kurz nach dem Abschlussexamen, bei dem die französische Mezzosopranistin das »Diplôme Supérieur« erhielt, wurde Clémentine Margaine zur »révélation classique« ernannt und mit dem Sonderpreis der Jury beim Concours International de Marmande ausgezeichnet. Anschließend war die Künstlerin der Deutschen Oper Berlin zunächst als Stipendiatin verbunden, bevor sie 2012/2013 ins feste Ensemble wechselte. Heute gastiert Clémentine Margaine in den großen Partien ihres Fachs regelmäßig an renommierten Häusern wie der Opéra national de Paris, der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper München, dem Teatro Colón Buenos Aires, dem Teatro dell’Opera di Roma, dem Grand Théâtre de Genève und der Opera Australia. Höhepunkte der vergangenen Spielzeit waren Auftritte als Carmen an der Metropolitan Opera New York und am Londoner Royal Opera House, Covent Garden. An der Deutschen Oper Berlin war sie u. a. als Dulcinée in Jules Massenets Don Quichotte als Fidès in Meyerbeers Le Prophète, als Marguerite in Berlioz’ La Damnation de Faust sowie in ihrer Paraderolle als Carmen zu erleben. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt Clémentine Margaine nun ihr Debüt.

Sergej Romanowsky absolvierte seine Gesangsausbildung am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium sowie an der dortigen Chorakademie. Der Tenor, der zurzeit sein Studium bei Olga Mironova und Dmitry Vdovin vervollständigt, gewann frühzeitig Wettbewerbe, u. a. die Bella Voce international student vocal competition 2005. Sergej Romanowsky tritt an international renommierten Häusern in Erscheinung, u. a. am Londoner Royal Opera House, Covent Garden, an der Mailänder Scala, am Mariinsky-Theater St. Petersburg, am Bolschoi-Theater Moskau sowie an den Opern in Brüssel, Göteborg, Oslo, Montreal, Toulouse und Bordeaux. Hierbei war der junge Sänger in Partien wie Lenski (Eugene Onegin) und Almaviva (Il barbiere di Siviglia) zu erleben sowie als Don Ramiro (La Cenerentola), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Nemorino (L’elisir d’amore), Ernesto (Don Pasquale), Marzio (Mitridate, rè di Ponto) und Néoclès (Le Siège de Corinthe). Sergej Romanowsky arbeitete mit Dirigenten wie Lorin Maazel, Alberto Zedda, Christophe Rousset und Ottavio Dantone sowie mit den Regisseuren Robert Carsen, Denis Krief, Stefano Mazzonis Di Pralafera und Luca Ronconi. Zu den Höhenpunkten der vergangenen Spielzeiten zählen seine Rollendebüts als Giasone in Cherubinis Medea beim Wexford Festival Opera und als Rodrigo in Rossinis La donna del Lago an der Opéra Royal de Wallonie in Liège. Außerdem übernahm er die Titelpartie von Verdis Don Carlos an der Opéra de Lyon und debütierte am Opera House Muscat (als Gérald in Lakmé) und bei den Bregenzer Festspielen (als Duca in Rigoletto). In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Sergej Romanowsky nun erstmals zu hören.

Evgeny Stavinsky, im russischen Dubna in eine Musikerfamilie hineingeboren, schloss 2003 sein Gesangs- und Chorleiterstudium an der Moskauer Chorakademie ab. Anschließend vertiefte er seine Ausbildung in Italien an der Accademia del Maggio Musicale Fiorentino, wo er u. a. in der Titelrolle von Mozarts Don Giovanni zu erleben war sowie als Lord Sidney (Il Viaggio a Reims)und als Budd in Brittens Albert Herring. Seit 2007 ist der Sänger, der auch als Dirigent tätig ist und das Städtische Sinfonieorchester in Dubna leitet, Ensemblemitglied der Neuen Oper Moskau, wo er in den großen Basspartien von Tschaikowsky, Mussorgsky, Borodin, Wagner und Strauss auf der Bühne stand: als Ruslan (Ruslan und Ludmilla), Pimen (Boris Godunow), Fürst Gremin (Eugene Onegin), Maljuta-Skuratov (Die Zarenbraut), Fürst Galitzky (Fürst Igor), König Heinrich (Lohengrin), König Marke (Tristan und Isolde) und La Roche (Capriccio). Gastspiele führten Evgeny Stavinsky ans Mariinsky-Theater, an die Theater in Bologna und Palermo, an die Ungarische Staatsoper Budapest und ans Londoner Royal Opera House, Covent Garden. Hierbei übernahm er Rollen wie Raimondo Bidebent (Lucia di Lammermoor), Oroveso (Norma), Méphistophélès (La Damnation de Faust), Basilio (Il barbiere di Siviglia), Colline (La Bohème) sowie den Mönch in Donizettis lange verschollener Oper L’Ange de Nisida. Im Konzertbereich hat der Sänger erst kürzlich an Aufführungen von Beethovens Neunter Symphonie unter der Leitung Riccardo Muti in Ravenna und Athen mitgewirkt. Zudem wird er in der laufenden Spielzeit unter der Leitung von Teodor Currentzis in New York und Baden-Baden in den Requiem-Vertonungen von Mozart und Verdi zu erleben sein. 2018 wurde Evgeny Stavinsky mit dem renommierten Theaterpreis »Goldene Maske« ausgezeichnet. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt er in diesen Konzerten sein Debüt.

Der musicAeterna chorus wurde 2004 von Teodor Currentzis in Nowosibirsk gegründet und war von 2011 an als Residenzensemble am Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm beheimatet. Seit September 2019 ist musicAeterna (Chor und Orchester) ein unabhängiges und privat finanziertes Ensemble. Das Repertoire des Kammerchors ist breit gefächert und umfasst Stücke europäischer und russischer Komponisten des Barockzeitalters, Meisterwerke der russischen Chormusik des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, zahlreiche Opern sowie zeitgenössische Musik. Als Residenzchor des Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm war musicAeterna an Neuproduktionen der Mozart-Opern Così fan tutte (2011), Le nozze di Figaro (2012) und Don Giovanni (2014) beteiligt sowie an Aufführungen von Purcells Indian Queen (2013), Offenbachs Les Contes d’Hoffmann (2015), Borodins Fürst Igor (2015), Verdis La Traviata (2016) und Puccinis La Bohème (2017). Zudem hat musicAeterna mehrere neue Werke uraufgeführt, darunter Dmitri Kourliandskis Oper Nosferatu (2014), Philippe Hersants Choroper Tristia (2015) und Alexei Syumaks Bühnenwerk Cantos (2016). Der Chor, der regelmäßig mit Gastdirigenten wie Paul Hillier, Andrea Marcon und Jérémie Rhorer zusammenarbeitet, gewann 2018 den International Opera Award. MusicAeterna wird regelmäßig zu den renommierten Festivals in Brüssel, Aix-en-Provence und Luzern eingeladen. Bei den Salzburger Festspielen 2017 war der Chor in Aufführungen von Mozarts La clemenza di Tito zu erleben, im Sommer 2019 in einer Produktion von Idomeneo unter der Regie von Peter Sellars. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war der Chor musicAeterna zuletzt Ende Oktober 2018 in einer Aufführung von Philippe Hersants Tristia zu erleben.

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