Kirill Petrenko und Gautier Capuçon
Mit seiner optimistischen Zweiten Symphonie lehnte sich Ludwig van Beethoven gegen seine beginnende Taubheit auf. Gelegentlich blitzt dabei die Kompromisslosigkeit seiner späteren Werke auf, zugleich wurzelt die Symphonie noch in der perfekt ausbalancierten Musik seines Lehrers Haydn. Strawinsky entdeckte in Pulcinella wiederum barocke und klassische Stilelemente neu, Tschaikowskys Rokoko-Variationen sind eine Hommage an Mozart. Den virtuosen Cellopart übernimmt Gautier Capuçon, Kirill Petrenko dirigiert.
Wie klingt die Musik des 18. Jahrhunderts? Oder eher: Wie klingt sie nach? Dieser Frage widmen sich die Philharmoniker und ihr Chefdirigent in diesem Programm. Peter Tschaikowsky, der in der Romantik geboren wurde, sehnte sich mit seinen Variationen über ein Rokoko-Thema in eine vergangene Klangwelt zurück: Das Rokoko – als Epoche eher in den bildenden Künsten geläufig – zeichnet sich durch verspielte Eleganz aus, wie man sie auch im Stil Mozarts findet. »Ich liebe Mozart nicht nur«, so Tschaikowsky, »ich vergöttere ihn. Dass ich mein Leben der Musik geweiht habe, verdanke ich Mozart«. Die klar an sein Vorbild angelehnten acht Rokoko-Variationen wurden 1877 uraufgeführt – in einer Phase, in der der Komponist zunehmend unter einer unglücklichen Scheinehe zur Tarnung seiner Homosexualität litt. In heitere Stimmung gekleidet, mit lebhaften Trillern und doch melancholischen Zwischentönen gespickt, entwickelt Tschaikowsky das Thema mit zunehmender rhythmischer Komplexität. Mit Gautier Capuçon begrüßen die Philharmoniker einen Fachmann in Sachen Klangraffinesse, dessen leidenschaftliches Spiel sowohl die klassischen als auch romantischen Elemente dieser Musik zum Leuchten bringt.
Igor Strawinsky warf 1920 in seinem Ballett Pulcinella den Blick noch ein Stück weiter in die Musikgeschichte zurück – in die Zeit Giovanni Battista Pergolesis. Während Strawinsky sich von dessen Melodien inspirieren ließ, würzte er sie mit seiner eigenen Rhythmik und Harmonik – und einer emotionalen Sachlichkeit, die seine neoklassizistische Schaffensphase prägen sollte: »Pulcinella«, so der Komponist, »war meine Entdeckung der Vergangenheit, die Epiphanie, durch welche mein späteres Werk möglich wurde. Selbstverständlich war es ein Blick zurück – die erste von vielen Liebesaffären in jene Richtung – , aber es war auch ein Blick in den Spiegel«. Die hier aufgeführte Suite aus seinem Ballett hat Strawinsky selbst zusammengestellt.
Ludwig van Beethoven leitete 1803 selbst die Uraufführung seiner Zweiten Symphonie im Theater an der Wien. Das Werk lässt sich als Scharnier zwischen Klassik und Romantik deuten – Beethoven richtete seinen Blick in die Zukunft.
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