Philharmonische Kammermusik: Schönberg und Schostakowitsch
Im Zuge des Saisonthemas Kontrovers! prallen musikalische Welten aufeinander – hier die von Arnold Schönberg und Dmitri Schostakowitsch. Von Schostakowitsch, der Schönbergs Zwölftonmusik für ein »inhaltsloses Spiel mit Klängen« hielt, werden zwei witzig-ironische Arrangements vorgestellt: die Suite für Varieté-Orchester, bekannter als »Jazz-Suite Nr. 2«, und die anspielungsreiche Symphonie Nr. 15. Schönbergs Streichtrio wiederum ist ein beeindruckend komplex gebautes Werk – und dennoch voller Expressivität.
Arnold Schönberg schrieb sein einziges Streichtrio 1946 im kalifornischen Exil. Der Komposition ging voraus, was er selbst als den eigenen »Todesfall« bezeichnete: Er hatte einen Herzstillstand erlitten und konnte nur durch eine Adrenalinspritze in das Organ gerettet werden. Obgleich streng konstruiert und technisch anspruchsvoll, ist das Werk, dessen fünf Abschnitte nahtlos ineinander übergehen, sehr ausdrucksstark. Mehrere tänzerische Passagen könnten eine Reminiszenz des Komponisten an seine Wiener Heimat sein.
Obwohl Dmitri Schostakowitsch die Methode Schönbergs grundsätzlich ablehnte, integrierte er in späteren Jahren mehrfach Zwöftonreihen in seine eigenen Werke. In seiner letzten Symphonie mit der Nummer 15 erscheinen sie neben Zitaten aus Rossinis Guillaume Tell und Wagners Walküre sowie Anspielungen auf die Musik von Beethoven und Berg, Trauermärschen und choral-artigen Themen. Ähnlich wie die letzten vollendeten Symphonien von Tschaikowsky und Mahler endet auch dieses Werk mit einem großen Adagio. Verfasste Schostakowitsch hier einen Abschied von der Gattung oder ein augenzwinkerndes Potpourri? Eine Antwort wäre reine Spekulation. Fakt ist, dass Schostakowitsch bei der Komposition der Symphonie schwer von Krankheit und Erschöpfung gezeichnet war. Dies wissend, könnte man in den mysteriös anmutenden letzten, maßgeblich vom Schlagzeug gestalteten Minuten des Stücks die Geräusche von lebenserhaltenden Maschinen im Krankenhaus assoziieren.
Die bereits im Jahr der Uraufführung 1972 entstandene Bearbeitung für Klaviertrio und Schlagwerk, die hier von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker präsentiert wird, hat Schostakowitsch autorisiert und in seinen Werkkatalog aufgenommen. Diesem Spätwerk folgt die vermutlich in den 1950er-Jahren entstandene Suite für Varietéorchester des Komponisten. Schostakowitsch kompilierte sie aus Klavierstücken und Nummern, die er ursprünglich für verschiedene Filme und ein Ballett geschrieben hatte. Hier zeigt er sich als begnadeter Erfinder schwungvoller Ohrwürmer – wie dem berühmten Zweiten Walzer, der unter anderem in Stanley Kubricks Film Eyes Wide Shut eingesetzt wurde.
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