Sir Simon Rattle dirigiert de Falla, Janáček und eine Uraufführung
Zwei starke Stücke aus gegensätzlichen Welten: Leichtfüßig und voller Witz erzählt Manuel de Fallas Ballett Der Dreispitz, wie eine junge Ehefrau die Nachstellungen des königlichen Statthalters abwehrt. Leoš Janáčeks Rhapsodie Taras Bulba schildert dagegen mit archaischer Wucht das tragische Schicksal eines ukrainischen Kosakenführers. Sir Simon Rattle dirigiert zudem die Uraufführung eines Englischhornkonzerts, das Cathy Milliken für Orchestermitglied Dominik Wollenweber geschrieben hat.
Er ist berühmt für seine originellen Programmzusammenstellungen und auch diesmal hat Sir Simon Rattle für sein Gastspiel bei den Berliner Philharmonikern, das im Rahmen des Musikfest Berlin stattfindet, eine besondere Dramaturgie entworfen. Auf den ersten Blick weisen Manuel de Fallas Ballett Der Dreispitz und Leoš Janáčeks Rhapsodie Taras Bulba keinen Zusammenhang auf, doch es gibt mehrere: Zunächst entstand sowohl Der Dreispitz als auch Taras Bulba um 1920. Beide Werke speisen ihre Inspiration aus der Literatur – und ein Kreis schließt sich durch die Auftraggeber des Dreispitz-Ballets: Sergej Diaghilew und die Ballets Russes.
Eine Novelle Pedro Antonio de Alarcóns lieferte die Handlung des Balletts, das Manuel de Falla im Auftrag Diaghilews vertonte: Im Zentrum stehen eine schöne Müllerin und ihr eifersüchtiger Gatte sowie ein geifernder Statthalter, dessen Würde durch den Dreispitz symbolisiert wird. Mit einer List wehrt das Paar die Avancen des Statthalters ab. De Falla bereiste im Sommer 1917 Kastilien, Aragonien und Andalusien, seine Eindrücke der spanischen Folklore fanden ausgiebig Niederschlag in der spritzigen Ballettmusik.
Leoš Janáček begeisterte sich glühend für russische Literatur. 1905 las der Tscheche den Gogol-Roman Taras Bulba – allerdings sollte es noch ein Jahrzehnt dauern, bis er auf dessen Grundlage seine gleichnamige Orchesterrhapsodie schuf. Das brillant instrumentierte Werk ist bis heute ein unbestreitbarer Höhepunkt des tschechischen Repertoires.
In der Mitte des Programms darf das Publikum gespannt sein auf eine Uraufführung von Cathy Milliken. Die international gefeierte Komponisten war bis 2012 als Leiterin des Education-Programms den Berliner Philharmonikern und ihrem damaligen Chefdirigenten Simon Rattle eng verbunden. Das Englischhornkonzert mit dem poetischen, auf die Klangqualitäten des Instruments anspielenden Titel why feather yellow wird von dessen Widmungsträger interpretiert: Dominik Wollenweber.
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