Elim Chan und Seong-Jin Cho
Sergej Prokofjew schuf mit seinem Zweiten Klavierkonzert ein Werk voller archaischer Wucht und mystischer Momente – und eine der herausforderndsten Kompositionen des Genres. Ideales Terrain für Seong-Jin Cho, der in seinem Spiel Virtuosität mit Feinsinn vereint. Vorwärtsdrängend zeigt sich Witold Lutosławskis Konzert für Orchester, in dem Anklänge an masurische Volksmusik aufscheinen. Am Pult debütiert Elim Chan, die das Programm mit Sofia Gubaidulinas humorvollem Märchenpoem eröffnet.
Ein Debüt am Dirigentenpult und der Auftritt eines ehemaligen Artist in Residence der Berliner Philharmoniker sind in diesem Konzert zu erleben: Die in Hongkong geborene Elim Chan wurde nach Stationen in Schottland und Antwerpen zur Saison 2027/28 an die Spitze des berühmten San Francisco Symphony Orchestra berufen. Seong-Jin Cho interpretiert hier nach Werken von Liszt, Ravel, Schostakowitsch und Beethoven zum ersten Mal ein Klavierkonzert Prokofjews mit den Philharmonikern.
Zur Idee ihres 1971 entstandenen Märchenpoems erklärte Sofia Gubaidulina: Die »Hauptperson ist ein kleines Kreidestück«, das davon träumt, »wunderbare Schlösser, schöne Gärten mit Pavillons und das Meer« zu zeichnen. Mit suggestiver Lautmalerei und schillernden Klangfarben gelang Gubaidulina ein besonders effektvolles Werk.
Gerade einmal 22 Jahre alt war Sergej Prokofjew, als er 1913 sein Zweites Klavierkonzert uraufführte – und wütende Proteste von Kritik und Publikum erntete. Für heutige Ohren besticht das Werk durch seine unterschiedlichen Tonfälle: Die für den Komponisten typische kunstvolle Entfesselung mitreißender Energieschübe steht neben tief melancholischen Passagen. Sie lassen sich als Reaktion auf den Suizid eines engen Freundes verstehen, dem der Russe sein Konzert widmete.
Wie viele Komponisten distanzierte sich auch Witold Lutosławski von einem frühen Werk, weil dessen Erfolg spätere Stücke in den Schatten stellte. Denn in den Jahren nach dem 1954 uraufgeführten Konzert für Orchester modernisierte der polnische Komponist seine Tonsprache durch die Verwendung von Zufallselementen. Glücklicherweise hat sich Lutosławskis Konzert für Orchester trotzdem dank seiner rhythmischen Raffinesse, folkloristischen Anklängen und der Bezugnahme auf barocke Formen wie Passacaglia und Toccata als beliebtes Paradestück des Repertoires etabliert.
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