Witold Lutosławski
Komponist
Witold Lutosławski gilt als bedeutendster polnischer Komponist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine klangschönen wie ausdrucksstarken Kompositionen hatten auf Festivals Neuer Musik ebenso großen Erfolg wie in den Konzertreihen renommierter Symphonieorchester – auch in denen der Berliner Philharmoniker. Hier dirigierte Lutosławski im November 1985 eine Aufführung seiner Dritten Symphonie.
Witold Lutosławski begann nach frühem Klavierunterricht mit 13 Jahren am Warschauer Konservatorium bei Lidia Kmitowa Geige zu studieren. Zwei Jahre später erhielt er Kompositionsunterricht vom Rimsky-Korsakow-Schüler Witold Maliszewski. Nach den Diplomen in den Fächern Klavier und Komposition wurde Lutosławski im Zuge des Angriffs von Nazi-Deutschland auf Polen eingezogen und geriet in deutsche Gefangenschaft, aus der ihm jedoch die Flucht gelang. Während der Besatzungszeit tauchte Lutosławski in Warschau als Bar-Pianist unter und unterrichtete in geheimen Konservatoriums-Kreisen. Bis 1944 trat er zudem fast täglich im Klavierduo mit Andrzej Panufnik in den legendären – und verbotenen – Salons von Bolesław Woytowicz auf. Nach dem Krieg wurde Lutosławskis Erste Symphonie von Stalins mächtigstem Kulturpolitiker Andrej Schdanow als »formalistisch« gebrandmarkt und mit einem Aufführungsverbot belegt. 1956 nutzte der Musiker dann die Chancen des politischen Tauwetters als Mitbegründer des Festivals Warschauer Herbst und entwickelte – inspiriert von John Cages Erstem Klavierkonzert – den von ihm so bezeichneten »aleatorischen Kontrapunkt«. In seiner Ambivalenz zwischen Freiheit und Bindung führt dieser, so Lutosławski, in seiner Musik zu einer »›geschmeidigen‹ Faktur aus reichen, kapriziösen Rhythmen, wie sie auf keine andere Weise zu erreichen sind«. Bis in die 1980er-Jahre bestimmte die »kontrollierte Aleatorik« sein umfangreiches Schaffen, wobei er dem Ideal lockerer Führung auch später noch treu blieb. Als Komponist und Dirigent von hohem internationalem Ansehen unterrichtete Lutosławski unter anderem am Dartmouth College in Tanglewood, an der Folkwang Hochschule für Musik in Essen, am Kopenhagener Konservatorium sowie an der Texas State University.