Symphonische Dichtungen: Märchen, Sagen, Naturimpressionen

Symphonische Dichtungen: Märchen, Sagen, Naturimpressionen
  • Hector Berlioz
    Symphonie fantastique op. 14 (65 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Andris Nelsons

  • Richard Strauss
    Tod und Verklärung op. 24 (25 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

  • Franz Liszt
    Orpheus, Symphonische Dichtung Nr. 4 (13 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    David Robertson

  • César Franck
    Le Chasseur maudit (16 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Tugan Sokhiev

  • Modest Mussorgsky
    Johannisnacht auf dem kahlen Berge (Originalversion von 1867) (14 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Antonio Pappano

  • Ottorino Respighi
    Pini di Roma (24 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Riccardo Chailly

  • Jean Sibelius
    Tapiola, Tondichtung op. 112 (20 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Paavo Järvi

  • Claude Debussy
    Prélude à l’après-midi d’un faune (Bearbeitung von Benno Sachs) (11 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

  • Carl Nielsen
    Pan und Syrinx op. 49 (10 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Antonín Dvořák
    Die Mittagshexe op. 108 (17 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Alan Gilbert

  • Sergej Rachmaninow
    Die Toteninsel op. 29 (23 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Gustavo Dudamel

  • Bedřich Smetana
    Má vlast (Mein Vaterland): Nr. 2 Vltava (Die Moldau) (14 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Yannick Nézet-Séguin

  • Richard Strauss
    Also sprach Zarathustra op. 30 (40 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Mariss Jansons

  • Paul Dukas
    L’Apprenti sorcier (Der Zauberlehrling) (13 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Sir Simon Rattle

  • Franz Liszt
    Mazeppa, Symphonische Dichtung Nr. 6 (17 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Christian Thielemann

Symphonische Dichtungen sind Orchesterwerke, die sich auf einen außermusikalischen Inhalt beziehen. Da dieselbe Definition allerdings auch auf Konzertouvertüren, Ballettmusiken und sogar auf einige Symphonien zutrifft, lässt sich das Gattungsprofil besser durch einen Blick auf die Entstehungsgeschichte verdeutlichen. So erklärten Richard Wagner und einige seiner Anhänger, dass die Geschichte der Symphonie mit Beethovens Neunter zum Abschluss gekommen war. Die Vertonung von Schillers Ode an die Freude im Finale des Werks und der mit ihr vollzogene Übergang von einer rein instrumentalen zu einer Vokal-Komposition schien den Weg für eine engere Verknüpfung von Musik und Literatur und für die Ablösung der absoluten durch die Programmmusik zu bahnen.

Während Wagner selbst sich fast ausschließlich auf die Erneuerung des Musiktheaters konzentrierte, verknüpfte sein Freund und späterer Schwiegervater Franz Liszt – von dem der Begriff der Symphonischen Dichtung stammt – Orchesterwerke mit einem Programm. In seiner Zeit als Kapellmeister in Weimar schuf er zwölf Werke in dieser neuen Gattung. Dabei bezog er sich besonders auf Hector Berlioz, dessen Symphonie fantastique bereits ein präzise formuliertes Programm zugrunde lag. Da also ohne Berlioz die Geschichte der Symphonischen Dichtungen nicht erzählt werden kann, steht sein berühmtestes Werk am Anfang dieser Auswahl.

Heute ist die Gattung im Repertoire vor allem durch Richard Strauss’ Tondichtungen präsent. Sie spielte aber gerade auch für im 19. Jahrhundert aufstrebende Musiknationen eine wichtige Rolle. Die neuartige Form der orchestralen Programmmusik ermöglichte es Komponisten, in rein instrumentalen Werken Themen der eigenen Volkskultur zu verarbeiten. Das gilt für Jean Sibelius ebenso wie für Bedřich Smetanas Zyklus Má Vlast (Mein Vaterland) und für die späten Symphonischen Dichtungen von Antonín Dvořák, die auf einer Balladensammlung des Dichters Karel Jaromír Erben basieren.

Für fast alle Komponisten blieb dabei allerdings ein Schwanken zwischen absoluter und programmatischer Musik charakteristisch, und viele von ihnen haben wie Dvořák, Sibelius und Nielsen sowohl Symphonien als auch Symphonische Dichtungen geschrieben. Das zugrundeliegende Programm sollte nicht als Gebrauchsanweisung verstanden werden; vielmehr stellte es eine Inspirationsquelle für Dramaturgie und Atmosphäre dar und sollte für die Zuhörer einen poetischen Assoziationsraum eröffnen. Entscheidend blieb dabei aber der innermusikalische Verlauf des Werks. In diesem Sinne hätten die Komponisten der großen Symphonischen Dichtungen sicherlich einem berühmten Ausspruch Beethovens zugestimmt. Von seiner Pastorale erklärte er, sie sei »Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei«.