Bekanntes neu gehört: Musikalische Metamorphosen

Bekanntes neu gehört: Musikalische Metamorphosen
  • Gustav Mahler
    Symphonie Nr. 4 G-Dur (Bearbeitung für Kammerensemble von Erwin Stein) (54 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Kirill Petrenko

    Christiane Karg Sopran

  • Franz Schubert
    Erlkönig D 328 (4 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Daniel Harding Dirigent, Gerald Finley Bassbariton

  • Johann Sebastian Bach
    Musikalisches Opfer BWV 1079: Nr. 2 Ricercar a 6 (Bearbeitung von Anton Webern) (8 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Paavo Järvi

  • Johannes Brahms
    Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 (Orchestrierung von Arnold Schönberg) (48 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Peter Eötvös

  • Luciano Berio
    Rendering für Orchester (37 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Semyon Bychkov

  • Maurice Ravel
    La Valse, Poème chorégraphique für Orchester (15 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    François-Xavier Roth

  • Pablo de Sarasate
    Carmen-Fantasie op. 25 (14 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Plácido Domingo

    Sarah Chang Violine

  • Richard Wagner
    Der »Ring« ohne Worte (75 Min.)

    Berliner Philharmoniker

    Lorin Maazel

Komponist*innen können ihren Kolleg*innen auf ganz unterschiedliche Weise Referenz erweisen: Das Spektrum reicht von der Übernahme von Formverläufen über die Entlehnung von Themen für Variationen-Folgen bis zu »wörtlichen« Zitaten. Diese Playlist zeigt darüber hinaus, dass es nicht selten durch eine neue Instrumentalbesetzung gelingt, verborgene Potentiale der Originalfassungen ans Licht zu bringen. So gestaltete Hector Berlioz aus Franz Schuberts Klavierlied vom Erlkönig mithilfe seiner Instrumentationskünste eine regelrechte Opernszene. Auch in Arnold Schönbergs Schaffen findet sich eine Art Gattungstransfer. Seine Orchesterbearbeitung von Johannes Brahms’ Klavierquartett Nr. 1 bezeichnete er als die »Fünfte Symphonie« des Spätromantikers. Grundsätzlich spielten für Schönberg und seine Schüler Uminstrumentierungen eine große Rolle. So verdeutlichte Anton Webern den Stimmverlauf im »Ricercar a 6« aus Johann Sebastian Bachs Musikalischem Opfer, indem er das Stück für großes Orchester bearbeitete.

In anderen Fällen hatten neue Fassungen eines Werks für die Akteure der Zweiten Wiener Schule um Schönberg eher pragmatische Gründe: Da ihrem Verein für musikalische Privataufführungen kein Orchester zur Verfügung stand, wurden regelmäßig groß besetzte Werke für Kammerensembles umgeschrieben. So erstellte der Schönberg-Schüler Erwin Stein eine Version von Gustav Mahlers Vierter Symphonie für nur 15 Musiker. Die Berliner Philharmoniker griffen auf diese Fassung zurück, als sie das Europakonzert 2020 wegen der Pandemie in reduzierter Formation bestreiten mussten.

Unsere Auswahl komplettieren Maurice Ravels Orchesterwerk La Valse, das Elemente des Wiener Walzers in die Atmosphäre des Ersten Weltkriegs versetzt, und Lorin Maazels Wagner-Bearbeitung Der »Ring« ohne Worte. Maazel, der das Werk bei seinem letzten Auftritt mit den Berliner Philharmonikern im Jahr 2000 selbst dirigierte, zeigte, dass sich die Geschichte der großen Opern-Tetralogie auch ohne die Beteiligung von Sänger*innen erzählen lässt.