Saisoneröffnung: Kirill Petrenko dirigiert Brahms, Zimmermann und Schumann

Lange hat Johannes Brahms um seine Erste Symphonie gerungen – um dann ein Werk vorzulegen, das ihn zum führenden Symphoniker seiner Zeit machte: Dunkel und doch voller Innigkeit gilt sie als Inbegriff der spätromantischen Symphonie. Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker eröffnen mit ihr die neue Saison. Zuvor erklingt Robert Schumanns leidenschaftliche Manfred-Ouvertüre. Einen Kontrapunkt setzt das hochvirtuose Oboenkonzert von Bernd Alois Zimmermann mit Solist Albrecht Mayer.
»Nicht die Tradition schafft den Komponisten, sondern der Komponist die Tradition«, notierte Bernd Alois Zimmermann 1958, sechs Jahre nach Fertigstellung seines Konzerts für Oboe und kleines Orchester. Das Traditionsverständnis des Kölners manifestiert sich im Zusammenführen unterschiedlicher Strömungen wie des von Strawinsky geprägten Neoklassizismus und serieller Musik, die er mit Elementen des Jazz und oft übereinandergeschichteten Zitaten (Collagen, wie er sie nannte) anreicherte. Zimmermann, der die traumatischen Eindrücke seines Kriegsdienstes zeit seines Lebens nicht überwinden sollte, schrieb mit seinem Oboenkonzert ein aufbegehrendes Werk, das bereits die Postmoderne vorausahnte. Den Solopart in dieser Aufführung übernimmt Albrecht Mayer, der seit 1992 Mitglied der Berliner Philharmoniker ist.
Die Traditionslinie der Symphonie erreichte mit Johannes Brahms’ Gattungserstling einen neuen Höhepunkt. Unter dem Druck des gewichtigen Vermächtnisses von Beethoven vergingen 14 Jahre von den ersten Ideen bis zur Uraufführung 1876. Sowohl in der Instrumentierung als auch im dramaturgischen Aufbau orientierte sich Brahms stark an den Symphonien Beethovens. Es finden sich sogar motivische Anklänge an dessen Fünfte und Neunte. Das Ausdrucksspektrum ist breit: Ein großer, unverhüllter Weltschmerz liegt in der Tragik des Kopfsatzes. Ein Gestus inner Zerrissenheit als Quell düster gefärbter Schönheit sowie kammermusikalisch-intime Momente der Symphonie erinnern bisweilen an die Klangsprache des mit Brahms befreundeten Robert Schumann.
Dessen Ouvertüre zu Lord Byrons Schauer-Poem Manfred, die am Beginn des Konzerts steht, changiert zwischen Aufbäumen und Resignation. Der labil-entrückte Titelheld flüchtet sich nach dem Tod seiner Geliebten in die Welt der Geister – ein Stoff, der Schumann schon in jungen Jahren begeisterte, als er selbst noch mit einer Schriftstellerkarriere liebäugelte. Die 1852 mit großem Erfolg uraufgeführte Ouvertüre bezeichnete der Komponist selbst als eines seiner »kräftigsten Kinder« – ein idealer Auftakt also für die Saison 2025/26 der Berliner Philharmoniker.
© 2025 Berlin Phil Media GmbH
Künstler*innen
Unsere Empfehlungen
- Semyon Bychkov dirigiert Berio und Walton
- Christian Thielemann und Albrecht Mayer mit Werken von Strauss und Bruckner
- François-Xavier Roth und Albrecht Mayer
- Kirill Petrenko dirigiert Tschaikowskys »Pique Dame« in Baden-Baden
- Kirill Petrenko dirigiert Mozart und Tschaikowsky
- Kirill Petrenko und Lisa Batiashvili