Daniel Harding dirigiert Mahlers »Auferstehungssymphonie«

Von der Apokalypse zur Apotheose – Gustav Mahler erkundet in seiner Zweiten Symphonie eine der großen Fragen der Menschheit: »Warum hast du gelebt?« Seine Musik durchmisst Licht und Schatten des Daseins und sprengt die Grenzen der Gattung. Mahler integrierte volkstümliche Lieder aus Des Knaben Wunderhorn und ein bewegendes Chorfinale. Man würde hier, so der Komponist, »mit Keulen zu Boden geschlagen und dann auf Engelsfittichen zu den höchsten Höhen gehoben«. Es dirigiert Daniel Harding.

»Eine solche Art von Begeisterung kann man kaum wieder erleben. Ich sah, dass Männer weinten und Jünglinge zum Schluss einander um den Hals fielen. Der Eindruck war unbeschreiblich!« Es war Justine, Gustav Mahlers Schwester, die hier den Versuch unternahm, das Unbeschreibliche zu beschreiben: die Wirkung, die Mahlers Zweite Symphonie bei ihrer vollständigen Uraufführung am 13. Dezember 1895 in Berlin hinterließ. Während sich das Publikum bereitwillig von der enormen Dimension des Werks, den unerhörten Effekten und dem sakral-erhabenen Chorfinale überwältigen ließ, konnten sich die Kritiker das Mäkeln nicht verkneifen: Vom »Missbrauch von Schlaginstrumenten« und »grotesken Klangmischungen« war die Rede.

Mahler haderte selbst gehörig mit der Komposition seiner Auferstehungssymphonie. Ihr Entstehungsprozess erstreckt sich über sechs Jahre. Zunächst vollendete der Komponist den rund 25-minütigen Kopfsatz, einen markerschütternden Trauermarsch: »Ich habe«, so Mahler, »den ersten Satz Todtenfeier genannt, und wenn Sie es wissen wollen, so ist es der Held meiner D-dur-Sinfonie [Nr. 1], den ich da zu Grabe trage, und dessen Leben ich, von einer höheren Warte aus, in einem reinen Spiegel auffange«. Doch allein mit dem Tod des Titan sollte Mahlers Werk nicht enden. Trotz dienstlicher Pflichten und privater Belastungen entstanden zwei weitere Sätze. Beim Finale geriet er ins Stocken: Was könnte er einem so gewichtigen ersten Satz gegenüberstellen? Die Eingebung erhielt er 1894 beim Begräbnis Hans von Bülows: »Da intonierte der Chor von der Orgel den Klopstock-Choral Aufersteh’n!«. Der Text sollte zur Grundlage seines Chorfinales werden – und die ultimative Antwort auf die Fragen, die Mahlers Zweite behandelt: »Warum hast du gelebt? Warum hast du gelitten? Ist das alles nur ein großer, furchtbarer Spaß? In wessen Leben dieser Ruf einmal ertönt ist – der muss eine Antwort geben; und diese Antwort gebe ich im letzten Satz.«

Zwischen dieser motivisch-thematisch konsistenten Klammer leuchten ein friedliches Andante – laut Mahler die »wehmütige Erinnerung an seine Jugend und verlorne Unschuld« –, ein Scherzo, basierend auf dem Lied Des Antonius von Padua Fischpredigt als »Satire auf das Menschenvolk«, sowie das vom Alt intonierte Urlicht – »die rührende Stimme des naiven Glaubens«. Letzteres bildet die zarte Brücke vom theatrum mundi zur weltentrückten Raummusik des Großen Appells, gefolgt von der Apokalypse und der orgelumbrausten Auferstehungsverheißung. Unbeschreiblich.

Berliner Philharmoniker
Daniel Harding
Sabine Devieilhe
Marianne Crebassa
Rundfunkchor Berlin

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Künstler*innen

Daniel HardingDirigent
Gustav MahlerKomponist
Sabine DevieilheSopran
Marianne CrebassaMezzosopran
Rundfunkchor Berlin

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