Iván Fischer dirigiert Mahlers Fünfte Symphonie

Die Fünfte ist die populärste von Gustav Mahlers Symphonien, vor allem wegen ihres Adagiettos, einer musikalischen Liebeserklärung an Mahlers spätere Frau Alma. Das Werk führt durch gegensätzliche Gefühlswelten: Trauer und Zuversicht, Zweifel und Zärtlichkeit. Am Pult steht mit Iván Fischer einer der bedeutendsten Mahler-Dirigenten unserer Zeit. Den Auftakt macht Joseph Haydns Sinfonia concertante: Vier Solisten der Berliner Philharmoniker treten in einen virtuosen Dialog mit dem Orchester.

Endlich frei! Das muss sich Joseph Haydn gedacht haben, als er 1790, nach dem Tod des Fürsten Esterházy, aus seinem goldenem Provinzkäfig entlassen wurde. Gut 30 Jahre hatte er als Kapellmeister in Eisenstadt gedient – nun konnte der Komponist endlich seinem in Europa verbreiteten Ruhm hinterherreisen. Die erste Gelegenheit bot eine Einladung Johann Peter Salomons, in dessen Londoner Konzertreihe aufzutreten. Haydns Erfolg in England war enorm – und wir verdanken ihm unter anderem die spritzige, in wenigen Tagen zu Papier gebrachte Sinfonia concertante. Den Geigenpart dachte Haydn Salomon zu, er ist leicht exponiert gegenüber den anderen Stimmen, besonders im opernhaften Rezitativ des Andantes.

»Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk, niemand kapiert sie«, schimpfte Gustav Mahler. Während er dem Publikum die poetischen Ideen seiner vorherigen Symphonien noch schriftlich erläutert hatte, sollte seine Musik von nun an wortlos verstanden werden – kein Leichtes, wenn diese sich so polyphon artikulierte wie in der Fünften. Die neue Satzkunst kam nicht von ungefähr, denn Mahler hatte sich 1901 ausgiebig mit Bachs Kunst der Fuge beschäftigt. Doch bis die Fünfte fertig war, gärte deren Musik ungewöhnlich lange in Mahler: Zwischen der ersten und der letzten Version des »verfluchten Werks« liegen zehn Jahre. Heute zählt sie zu seinen beliebtesten Symphonien.

Düster gebärdet sich der Trauermarsch, dessen Anfangsfanfare nicht nur militärisch anmutet, sondern auch an Beethovens Schicksalsklopfen erinnert. Was im Marschschritt des ersten Satzes gezügelt ist, bricht im zweiten »mit größter Vehemenz« und entfesselter Emotionalität hervor. Mit zwei Pfeilen und »Höhepunkt« markierte Mahler die Stelle, an der ein – später für das Finale prägender – Bläserchoral erklingt. Seinem Scherzo, dem Dreh- und Angelpunkt des Werks, prophezeite er eine »lange Leidensgeschichte« des Unverständnisses, da es »ewig auf’s Neue eine Welt gebärt die im nächsten Moment zu Grunde geht«. Zwei Hornrufe, der eine keck, der andere elegisch, markieren die Pole, zwischen denen der mitunter bis zur Unkenntlichkeit »durchgeknetete« Walzer changiert. Einzig der beseelte Liebesgruß des Adagiettos gibt sich vollkommen ungebrochen, denn selbst in den karnevalesk euphorischen Taumel des Finales mischen sich die Schatten des ersten Satzes.

Berliner Philharmoniker
Iván Fischer
Noah Bendix-Balgley
Bruno Delepelaire
Jonathan Kelly
Stefan Schweigert

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Künstler*innen

Iván FischerDirigent
Joseph HaydnKomponist
Noah Bendix-BalgleyVioline, Komponist
Bruno DelepelaireVioloncello
Jonathan KellyOboe
Stefan SchweigertFagott
Gustav MahlerKomponist

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