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Über Riccardo Chailly, Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses, hieß es kürzlich im britischen Guardian, er gehöre »zur Handvoll lebender Dirigenten, die es wirklich verdienen, ›groß‹ genannt zu werden«. Auf dem Weg zu dieser Größe spielte ein Komponist eine wichtige Rolle, der auch bei Chaillys aktuellem Berliner Gastspiel auf dem Programm steht: Anton Bruckner, dessen Symphonien Chailly ab Mitte der 1980er-Jahre komplett einspielte. Kritiker lobten überschwänglich diese Interpretationen, in denen weniger weiche Entrücktheit als sehnige Kraft vorherrscht – und waren zugleich überrascht, dass ein junger Italiener zur deutschen Spätromantik so viel zu sagen hat. Besonders gut passt zu Chaillys Ansatz die Sechste Symphonie, die in diesem Konzert zu hören ist: ein für Bruckners Verhältnisse knappes Werk von komprimierter Energie.

Wie Bruckner ist auch Felix Mendelssohn Bartholdy eng mit Chaillys künstlerischer Biografie verflochten. Immerhin war er selbst einst Leiter des Gewandhausorchesters und damit Chaillys Vorgänger im Amt. An diesem Abend erklingt seine Vierte Symphonie mit dem Beinamen Italienische. Die Kopplung mit Bruckners Sechster Symphonie gewinnt ihren speziellen Charme durch eine verwandte Einschätzung der Werke durch ihre Urheber. Denn während Bruckner seine Symphonie als seine »keckste« charakterisierte, notierte Mendelssohn, die Vierte sei »das lustigste Stück, das ich gemacht habe«. Dass zudem eine Interpretation der Italienischen durch einen Dirigenten mit Chaillys Herkunft eine gewisse Authentizität für sich in Anspruch nehmen kann, ist ein so naheliegender Gedanke, dass er fast nicht erwähnt zu werden braucht.

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